Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Hintergründe

Eingreifen Pekings in Hongkong hätte schwere Folgen

Die Spannungen in Hongkong nehmen weiter zu. China lässt in einem Stadion an der Grenze paramilitärische Einheiten zusammenziehen. Aber will es die Regierung wirklich auf eine Eskalation ankommen lassen?



Alltag in Hongkong
Angstellte stehen in ihrer Mittagspause an einem beliebten Restaurant in einer Warteschlange.   Foto: Gregor Fischer

Nach kurzer Ruhe ist es am Freitag in der Millionen-Metropole Hongkong wieder zu Protesten gekommen. Über das Wochenende werden neue Großdemonstrationen gegen die prochinesische Stadtregierung und gegen Peking erwartet - und wahrscheinlich auch neue Gewalt.

Möglicherweise sind dann nicht mehr ganz so viele Leute auf den Straßen: Dass am Flughafen Jagd auf Festland-Chinesen gemacht wurde, hat die Protestbewegung Sympathien gekostet. Zugleich sind viele Hongkonger aber auch entschlossen, sich von den Drohgebärden aus Peking nicht einschüchtern zu lassen. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Hat China bislang eigentlich noch keine Truppen in der Stadt?

Doch, und das ist auch kein Geheimnis. Nach dem Abschied der Briten 1997 zog Chinas Volksbefreiungsarmee ganz offiziell mit einer eigenen Garnison in die Stadt ein. Deren Stärke wird aktuell auf 5000 bis 7000 Soldaten geschätzt. Bislang war das eher von symbolischer Bedeutung. Normalerweise treten die Soldaten nicht groß in Erscheinung. In den vergangenen Tagen waren aber auch in der Innenstadt Militär-Lastwagen unterwegs.

Warum gibt es dann überhaupt Angst vor einer militärischen Aktion?

Neben den üblichen Truppenbewegungen wurden zuletzt auch paramilitärische Einheiten direkt an der Grenze zusammengezogen. Staatsmedien sprachen zwar von «Übungen», die allerdings direkt mit den Protesten in Hongkong in Verbindung gebracht wurden. Die Präsenz der Einheiten sei «eine deutliche Warnung» an die Randalierer, schrieb die staatliche Zeitung «Global Times». Wenn Hongkong nicht allein den Rechtsstaat wieder herstellen könne, um die Unruhen zu beenden, müsse die Zentralregierung «unbedingt direkte Maßnahmen» ergreifen.

Wie wahrscheinlich ist ein Einschreiten Pekings derzeit?

Zwar hat China ein Drohkulisse aufgebaut. Dennoch dürfte eine militärische Konfrontation derzeit für Peking nicht die favorisierte Option sein. Eine möglicherweise blutige Eskalation, wie 1989, als Soldaten am Platz des Himmlischen Friedens in Peking Demokratie-Proteste niederschlugen, würde schwerwiegende Folgen haben. Viele Beobachter glauben, dass Peking derzeit darauf hofft, dass Hongkong die Lage selbst unter Kontrolle bringt.

Wie wichtig ist Hongkong für China überhaupt?

Im Vergleich zur zweitgrößten Volkswirtschaft China hat die Sonderverwaltungszone zwar nur eine winzige Wirtschaftsleistung. Dennoch ist die Finanzmetropole für China noch immer von Bedeutung. Die Stadt mit ihrem liberalen Finanzsystem ist für internationale Investoren die Brücke für Geschäfte mit dem chinesischen Festland. Einige der größten chinesische Konzerne sind an der Hongkonger Börse gelistet. Beobachter verweisen darauf, dass auch die Familien mächtiger Kader vom Sonderstatus Hongkongs profitierten. Viele mächtige und reiche Chinesen sollen Vermögen in Hongkong haben und es von dort in andere Teile der Welt schaffen.

Welche Konsequenzen könnte eine Eskalation haben?

Ginge Peking mit übermäßiger Gewalt vor, würde dies eine internationale Ächtung zur Folge haben. Möglich wären dann auch Sanktionen. Chinas Wirtschaft ist schon jetzt durch den Handelskrieg mit den USA geschwächt. Auch aus diesem Grund kommt die Hongkong-Krise für Chinas Führung zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

Wie denken Chinesen in der Volksrepublik über die Krise?

Chinas zensierte Medien beschreiben fast ausschließlich die Ausschreitungen und chaotischen Szenen in Hongkong. Von friedlichen Demonstrationen ist überhaupt nicht die Rede. Viele Chinesen zeigen kein Verständnis für die Situation. In Gesprächen heißt es oft, dass Hongkong derzeit zu gefährlich sei, um es noch zu besuchen. Ein hartes Vorgehen dürfte in der Bevölkerung viele Unterstützer finden.

Veröffentlicht am:
16. 08. 2019
14:59 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Demonstrationen Finanzinvestoren und Anleger Handelskriege Krawalle Massendemonstrationen Platz des himmlischen Friedens Protestbewegungen Sozialer oder politischer Protest Städte Wertpapierbörse
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Proteste in Hongkong

18.08.2019

Mit Kind und Regenschirm - Hunderttausende trotzen Peking

Wie geht es weiter in Hongkong? Nach den Massenprotesten vom Wochenende ist zumindest klar, dass die Demokratiebewegung gegen Peking immer noch großen Rückhalt hat. Aber der reichste Mann der Stadt gibt den Leuten neue R... » mehr

Extinction Rebellion

28.09.2019

Wie radikal ist der Klimaprotest?

Die Frustration unter den Klimaaktivisten wächst - und mit ihr der zivile Ungehorsam. Das birgt Gefahren für die Protestbewegung. » mehr

Joshua Wong

18.11.2019

Wong fordert Sanktionen: «Hongkong ist das neue Berlin»

Joshua Wong ist das «Gesicht der Demokratiebewegung» in Hongkong. Schon als 13-Jähriger zog der Aktivist gegen den wachsenden Einfluss Chinas zu Felde - und hält heute sogar Gewalt für gerechtfertigt. » mehr

Proteste in Hongkong

01.10.2019

Zusammenstöße in Hongkong am Nationalfeiertag

Hongkongs Polizei hat einen großen Protestmarsch am 70. Geburtstag der Volksrepublik untersagt. Die Demokratiebewegung lässt sich davon nicht stoppen. Erneut kommt es zu Ausschreitungen. » mehr

Proteste in Chile

12.11.2019

Zeiten des Aufruhrs: Proteste erschüttern Südamerika

Seit Wochen wird Südamerika von einer Welle der Proteste erschüttert. Die Wut der Menschen richtet sich gegen rechte und linke Regierungen gleichermaßen: Mal demonstrieren sie gegen soziale Ungleichheit, mal fühlen sie s... » mehr

Proteste

18.10.2019

«Furie und Feuer»: Kataloniens Separatisten werden radikaler

Die Forderung nach einer Unabhängigkeit Kataloniens bewegt seit Jahren die Gemüter. Jetzt ist die Abspaltungsbewegung wieder in aller Munde - denn wegen der Justizurteile gegen ihre Anführer sind viele in der Region rich... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Coburger Weihnachtsbaum 2019

Anlieferung Coburger Weihnachtsbaum | 18.11.2019 Coburg
» 19 Bilder ansehen

BBC Coburg - Gießen 46ers Rackelos 101:78 (58:34) Coburg

BBC Coburg - Gießen 46ers Rackelos 101:78 (58:34) | 17.11.2019 Coburg
» 46 Bilder ansehen

Rathaussturm in Steinberg Steinberg

Rathaussturm in Steinberg | 16.11.2019 Steinberg
» 8 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
16. 08. 2019
14:59 Uhr



^