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Hintergründe

Trauer in Krefeld: «Ich hoffe, sie sind im Affenhimmel»

Der verheerende Brand im Krefelder Zoo ist für die Polizei weitgehend aufgeklärt. Drei Frauen stellten sich den Ermittlern. Sie hatten Himmelslaternen aufsteigen lassen.



Anteilnahme nach Brand
Viele Leute legten Blumen, Plüschtiere und Kerzen am Zoo nieder, um zu zeigen: Wir trauern.   Foto: Marcel Kusch/dpa

Mit Respekt für die mutmaßlichen Täter: So äußerte sich die Polizei am Donnerstag nach dem verheerenden Brand im Affenhaus des Krefelder Zoos zu den Tatverdächtigen.

Der Leiter der Ermittlungskommission, Gerd Hoppmann, sagte über die drei Frauen: «Sie wollten zu der Tat stehen, was ich hochanständig finde.» Bei dem Brand in der Nacht zu Neujahr kamen viele Menschenaffen ums Leben.

Eine Frau aus Krefeld und ihre beiden erwachsenen Töchter sollen das Feuer ausgelöst haben. Nachdem die Polizei Himmelslaternen als wahrscheinlichen Auslöser genannt hatte, hatten sich die Frauen im Alter zwischen 30 und 60 Jahren selbst bei den Ermittlern gemeldet. Dass es zu diesem tragischen Unglück gekommen sei, hätten sie nicht geahnt und nicht gewollt, sagte Hoppmann am Donnerstag.

Als die Medien über den wahrscheinlichen Auslöser berichteten, muss bei der Mutter und ihren erwachsenen Töchtern der schreckliche Gedanke aufgekommen sein, dass sie das Unglück verursacht haben könnten. Sie hatten fünf Himmelslaternen mit handschriftlichen Wünschen aufsteigen lassen. «Sie dachten, dass es zu Silvester erlaubt sei», berichtete Hoppmann aus der Vernehmung, bei der viele Tränen geflossen seien.

Fünf Laternen hätten die Frauen gestartet. Vier der federleichten Lampen wurden entdeckt, die fünfte soll den Brand im Affenhaus ausgelöst haben. Davon sei wegen der örtlichen und zeitlichen Zusammenhänge auszugehen, erklärte Hoppmann. «Für uns ist damit diese Tat weitgehend geklärt.» Ermittelt wird wegen fahrlässiger Brandstiftung. Darauf stehen bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe.

2009 war in Siegen ein zehn Jahre alter Junge gestorben, weil ein Haus durch eine Himmelslaterne in Brand geraten war. Der Prozess gegen einen 23 Jahre alten Mann wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Brandstiftung wurde gegen Auflagen eingestellt. Damals waren die Lampions in Nordrhein-Westfalen noch nicht verboten.

Vor dem Krefelder Zoo versammelten sich am Donnerstag Menschen und trauerten um gestorbenen Affen, darunter fünf Orang-Utans, zwei ältere Flachland-Gorillas und ein Schimpanse. Zwischen einem stetig wachsenden Meer von Kerzen, Blumen und Stofftieren legten viele Kinder Botschaften nieder.

Vor allem der 48 Jahre alte Gorilla Massa war sehr beliebt bei Besuchern. «Ich werde Massa und seine Freunde sehr, sehr vermissen», schrieb ein Junge. «Ich hoffe, sie sind im Affenhimmel und sehr glücklich». Der imposante Affe wurde jahrzehntelang von Kinder bestaunt und bewundert.

Ein Mädchen, das an diesem Ferientag mit seiner Mutter vor den geschlossenen Zoo gekommen war, sprach wie im Gebet: «Ich möchte, dass die Affen einen Platz im Himmel haben.» Einige Erwachsene weinten auch. Eine Frau, die aus den nahen Niederlanden gekommen war, legte rund 70 langstielige Rosen nieder - obwohl sie nie in dem Zoo gewesen sei. «Sie sind so klug und wir schließen sie ein», sagte sie.

Zuspruch und Mails an den Zoo trafen derweil aus ganz Deutschland ein. Sie hätte nicht erwartet, dass für tote Menschenaffen Kerzen aufgestellt werden, sagte Zoosprecherin Petra Schwinn. «Die Unterstützung der Bevölkerung - emotional wie finanziell - überwältigt uns. Die Anteilnahme ist sehr, sehr groß.» Der Zoo erhoffe sich auch, dass der tägliche Tod der vom Aussterben bedrohten Menschenaffen dadurch ins Bewusstsein rücke.

Eine Beerdigung wird es für die durch den Brand umgekommenen Menschenaffen wohl nicht geben. Da es sich bei ihnen nicht um Haustiere, sondern um Wildtiere handele, sei dies nicht erlaubt, erläuterte die Sprecherin. Die Tiere wurden dem Veterinäruntersuchungsamt übergeben. Für die Mitarbeiter des Zoos solle es aber eine Trauerfeier geben.

Veröffentlicht am:
02. 01. 2020
16:59 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
02. 01. 2020
16:59 Uhr



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