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Hintergründe

Kenias harter Langzeitpräsident: Daniel arap Moi

Daniel arap Moi hat Kenia geprägt wie kaum ein anderer. Er regierte das ostafrikanische Land fast ein viertel Jahrhundert mit harter Hand. Geliebt und gehasst - auch heute sind die Auswirkungen seiner Präsidentschaft noch immer zu spüren.



Daniel arap Moi
Langzeitpräsident: Daniel arap Moi (Mitte l.) trifft im Jahr 1980 die Boxlegende Muhammad Ali (M).   Foto: Anonymous/AP/dpa

Er wird «Professor der Politik» gennant. 24 Jahre lang war Daniel arap Moi in Kenia an der Macht. Doch hinter dem harmlosen Spitznamen verbirgt sich ein Präsident, der mit harter Hand regierte.

Unter Moi (1978-2002) wurde das ostafrikanische Land endgültig zu einem Einparteienstaat, in dem Korruption fest verankert war. Gleichzeitig war Mois Kenia während des Kalten Krieges einer der wichtigsten Verbündeten des Westens in Afrika. Bis heute sind die Auswirkungen seiner Präsidentschaft in Kenia zu spüren. Daniel Arap Moi starb am frühen Dienstagmorgen im Alter von 95 Jahren.

«L'état c'est Moi» war ein beliebtes Wortspiel von Mois Kritikern: «Der Staat, das bin ich». Unter seiner Führung kam die ehemalige britische Kolonie und einer der Hoffnungsträger Afrikas gefährlich nahe an eine Diktatur. Zwar war Kenia bereits unter Kenias erstem Präsidenten Jomo Kenyatta de facto ein Einparteienstaat, doch Moi machte es mit einer Verfassungsänderung 1982 offiziell. Seine lange Amtszeit (1978 bis 2002) wird heute vor allem mit der Zentralisierung der Macht, Menschenrechtsverletzungen und Korruptionsskandalen in Verbindung gebracht.

Moi wurde 1924 in der Region Baringo im Nordwesten Kenias geboren. Er gehörte den Kalenjin an, einer der größten Volksgruppen des Landes. Nach seiner schulischen Ausbildung arbeitete er erst als Lehrer, bevor er in die Politik wechselte. Moi war einige Jahre verheiratet und hatte acht Kinder.

Kurz vor Kenias Unabhängigkeit in 1963 gründete er zusammen mit anderen die Partei Kenia Afrikanische Demokratische Union (KADU), um die Interessen der kleineren Volksgruppen gegenüber den bevölkerungsstarken Gruppen der Kikuyus und Luos zu vertreten. Nach der Unabhängigkeit schloss sich Moi allerdings doch der regierenden Kenia Afrikanischen Nationalunion (KANU) von Kenyatta an. Moi wurde 1967 zum Vizepräsidenten ernannt und übernahm nach Kenyattas Tod 1978 die Amtsgeschäfte.

Zunächst war Moi beliebt und genoss breite Unterstützung im Land. Ein Putschversuch einer Gruppe Soldaten der Luftwaffe im Jahr 1982 war jedoch wegweisend. Dank seiner engen Verbindungen mit dem Militär konnte der Coup unterdrückt werden. Unter anderem dem langjährigen Oppositionsführer Raila Odinga wurde die Teilnahme an dem Putschversuch vorgeworfen, er wurde für sechs Jahre ohne Verfahren ins Gefängnis gesteckt. Nach dem gescheiterten Coup konsolidierte Moi seine Macht noch weiter.

Ihm wird nachgesagt, die tiefen ethnischen Spannungen im Land zu seinen Gunsten instrumentalisiert zu haben. Moi besetzte viele der höchsten Ämter im Land mit Mitgliedern seiner Volksgruppe der Kalenjin und nutzte die Angst kleinerer Bevölkerungsgruppen vor der Dominanz der größeren, um seine Machtposition zu stärken.

Währen des Kalten Krieges wurde Kenia stark von den westlichen Mächten unterstützt. Ihnen wird vorgeworfen, die Augen vor der Korruption und den Menschenrechtsverletzungen der Moi-Regierung verschlossen zu haben. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs jedoch übten die westlichen Verbündeten starken Druck auf Moi aus, ein Mehrparteiensystem einzuführen. Die freien Wahlen 1992 und 1997 gewann Moi, vor allem dank einer gespaltenen Opposition und laut Kritikern Wahlmanipulation. Die Abstimmungen wurden von Demonstrationen und Gewalt überschattet - ein Vorbote für die blutigen Wahlen im Jahr 2007, bei denen mehr als 1000 Menschen ums Leben kamen. Moi trat dann im ungewöhnlich demokratischen Stil ab. Bei den Wahlen 2002 durfte er per Verfassung nicht mehr kandidieren.

Auch lange nach Mois Amtszeit sind die Konsequenzen seiner Präsidentschaft für viele noch zu spüren. Ngugi wa Thiong'o, einer von Kenias prominentesten Schriftsteller, schrieb 2013 in der «New York Times»: «Die Kriecherei und Korruption seiner Ära sind noch immer in der politischen Kultur verwurzelt.»

Veröffentlicht am:
04. 02. 2020
15:35 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
04. 02. 2020
15:35 Uhr



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