Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 30 Jahre WiedervereinigungCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Wirtschaft

737-Max-Abstürze: Scharfe Kritik an Boeing und FAA

Der Airbus-Rivale Boeing ist nach zwei Flugzeugabstürzen mit insgesamt 346 Toten mit heftigen Anschuldigungen konfrontiert. Die Rede ist von «einer Kultur des Verheimlichens». Auch die Aufsicht FAA wird in einem vorläufigen Untersuchungsbericht schwer belastet.



Ausschuss kritisiert Boeing und FAA scharf
Knapp ein Jahr nach dem zweiten Absturz einer Boeing 737 Max binnen weniger Monate hat ein Untersuchungsausschuss des US-Kongresses schwere Vorwürfe erhoben.   Foto: Ted S. Warren/AP/dpa

Knapp ein Jahr nach dem zweiten Absturz einer Boeing 737 Max binnen weniger Monate hat ein Untersuchungsausschuss des US-Kongresses schwere Vorwürfe gegen den Flugzeugbauer und die Luftfahrtaufsicht FAA erhoben.

Die Überprüfung der 737 Max sei «in grober Weise unzureichend» gewesen, heißt es in dem vorläufigen Untersuchungsbericht des Ausschusses vom Freitag. Die FAA habe ihre Pflicht bei der Erkennung entscheidender Sicherheitsprobleme im Rahmen der Zertifizierung des Flugzeugs nicht erfüllt.

Die Kritik am Hersteller Boeing ist ebenfalls heftig. Die 737 Max sei bereits in ihrer Entwicklung durch technische Fehler und einen Mangel an Transparenz gegenüber Aufsehern und Kunden «ruiniert» gewesen, so der für die Aufarbeitung der Abstürze zuständige Ausschuss des US-Repräsentantenhauses. Zudem beschuldigt der vorläufige Untersuchungsbericht Boeing, Informationen zum Betrieb und zur Technik des Flugzeugs verschleiert und zurückgehalten zu haben. Die Rede ist von einer «Kultur des Verheimlichens» bei dem Konzern.

Boeing teilte auf Anfrage lediglich mit, umfassend bei der Untersuchung kooperiert zu haben und die Ergebnisse prüfen zu wollen. Die FAA erklärte in einem Statement, die Erkenntnisse des Kongressausschusses für Transport- und Infrastruktur zu begrüßen. Die Behörde betonte zwar, dass die Flugsicherheit in den USA insgesamt hoch sei. Die FAA stehe den Ergebnissen und Empfehlungen des Ausschusses jedoch offen gegenüber und wolle daraus lernen, um die Sicherheit in der Luftfahrt weltweit weiter zu erhöhen.

Boeing steht nach den beiden 737-Max-Abstürzen am 29. Oktober 2018 und am 10. März 2019, bei denen 346 Menschen starben, mit dem Rücken zur Wand. Der Airbus-Rivale wird verdächtigt, die Unglücksflieger im Wettbewerb überstürzt auf den Markt gebracht und die Sicherheit vernachlässigt zu haben. Boeing streitet dies ab, hat aber Fehler und Pannen eingeräumt. US-Behörden prüfen, ob bei der Zulassung der seit rund einem Jahr weltweit mit Flugverboten belegten Modellreihe 737 Max alles mit rechten Dingen zuging.

US-Medien berichteten auch über einen neuen Zwischenbericht äthiopischer Ermittler zum Absturz vor zwölf Monaten, der Boeing belaste. Eine vorläufige Fassung kommt nach Informationen des Finanzdienstes Bloomberg zu dem Schluss, dass Konstruktionsfehler der 737 Max die entscheidende Unfallursache seien. Im Gegensatz zu vorherigen Ergebnissen enthalte der Entwurf, der zunächst US-Behörden vorgelegt worden sei, keine Angaben zu möglichen Fehlern von Ethiopian Airlines oder der Flugcrew. Das sorge laut Insidern für Bedenken bei einigen an der Untersuchung Beteiligten.

Im Zentrum der Ermittlungen steht das für die 737 Max entwickelte Steuerungsprogramm MCAS, das laut Untersuchungsberichten eine entscheidende Rolle bei den Abstürzen gespielt hat. Boeing hatte bereits nach dem Unglück in Indonesien versprochen, die MCAS-Probleme per Software-Update zu beheben. Wenig später kam es zum Absturz in Äthiopien. Das Update hat noch immer keine Zulassung der FAA. Ob und wann die 737 Max wieder abheben darf, bleibt unklar. Boeing rechnete zuletzt damit, dass die Flieger Mitte 2020 wieder zugelassen werden.

Die FAA fordert von Boeing wegen nicht zugelassener Bauteile in Hunderten Flugzeugen ein Bußgeld von 19,7 Millionen Dollar (17,5 Mio Euro). Die Behörde wirft dem Flugzeugbauer laut Mitteilung vom Freitag vor, in 791 Jets der 737-Baureihe bestimmte Sensoren eingebaut zu haben, die noch nicht genehmigt worden waren. Das Unternehmen hat 30 Tage Zeit, die Strafe zu zahlen oder anzufechten. Boeing erklärte, bereits auf die Beanstandungen der FAA reagiert zu haben. Es gehe bei der Angelegenheit nicht um ein Sicherheitsproblem, sondern um Versäumnisse bei bestimmten Unterlagen zur Zertifizierung.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
07. 03. 2020
15:47 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Boeing Boeing 737 Bußgelder Flugzeugabstürze Flugzeugbauer Flugzeuge Kongress der Vereinigten Staaten Maschinen- und Geräteteile Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten Sicherheit im Luftverkehr Sicherheitsprobleme Strafarten Untersuchungsausschüsse
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Boeing-Krisenjet 737 Max

vor 9 Stunden

Europas Aufsicht will Boeing 737 Max 2021 wieder zulassen

Zwei Abstürze mit mehr als 300 Todesopfern haben dafür gesorgt, dass das Passagierflugzeug Boeing 737 Max lang am Boden bleiben muss. Jetzt soll der Flugzeugtyp in Europa wieder abheben dürfen. » mehr

Airbus A319

29.06.2020

Airbus drosselt Produktion um 40 Prozent

Die Corona-Krise hat die Luftfahrtbranche in ihre schlimmste Krise gestürzt. Maschinen bleiben am Boden, der Bedarf nach neuen Flugzeugen ist begrenzt. Das geht auch am Luftfahrtgiganten Airbus nicht spurlos vorbei. » mehr

Flugzeugbauer Airbus

29.10.2020

Corona und Jobabbau reißen Airbus ins Minus

Reisebeschränkungen und Sorgen vor einer Infektion: Corona hat die Luftfahrtbranche in eine schwere Krise gestürzt. Airbus will nun aber weniger Arbeitsplätze streichen als zunächst geplant. » mehr

Boeing

25.04.2020

Kein Kauf von Embraer: Boeing bläst Milliardendeal ab

Der US-Flugzeugbauer Boeing wird den brasilianischen Rivalen Embraer doch nicht übernehmen. Der Kauf von vier Fünfteln des Verkehrsflugzeugsgeschäfts von Embraer für 4,2 Milliarden Dollar sei gescheitert, teilte Boeing m... » mehr

Ryanair-Maschine

03.01.2020

Boeings Krise um 737-Max-Modell bremst Ryanair

Wegen der Unglücksmaschine 737 Max steckt Boeing in der Krise - und setzt damit auch Europas größtem Billigflieger zu. Um weiter zu wachsen, wartet Ryanair sehnsüchtig auf seine bestellten Flugzeuge. Der Konzern hat aber... » mehr

Boeing 737 Max

13.12.2019

737-Max-Debakel: Kommt Boeing im neuen Jahr aus der Krise?

Abstürze, Flugverbote, Dauerkrise: Der Airbus-Rivale Boeing hat ein Katastrophenjahr hinter sich. Das Vertrauen in den US-Flugzeugbauer ist schwer erschüttert. Auch 2020 dürfte der Druck hoch bleiben. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Schulbus kollidiert mit Lkw Rügheim

Schulbus kollidiert mit Lastwagen | 23.11.2020 Rügheim
» 12 Bilder ansehen

THW Kiel - HSC 2000 Coburg 41:26 (22:13) Kiel

THW Kiel - HSC 2000 Coburg 41:26 (22:13) | 21.11.2020 Kiel
» 78 Bilder ansehen

Nutzfahrzeug auf Flugplatz fängt Feuer

Nutzfahrzeug fängt auf Flugplatz Feuer |
» 7 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
07. 03. 2020
15:47 Uhr



^