Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: CoronavirusVideosCotubeBlitzerwarner

Wirtschaft

Aldi eröffnet seine ersten zwei Filialen in China

China überholt die USA bald als weltgrößten Lebensmittelmarkt. Mit zwei Filialen erkundet Aldi Süd erstmals den Massenmarkt: Hochwertige Waren, trendige Produkte und Fertigmahlzeiten. Bezahlt wird mobil.



Aldi-Filiale in China
Blick in eine der neuen Aldi-Filialen in Shanghai.   Foto: Andrew Meredith/ALDI China

In China präsentiert sich Aldi so ganz anders: Es gibt Schweinshaxe mit Sauerkraut und Bratkartoffeln, Krebse nach scharfer Sichuan Art und ein «Berliner Bao», eine Kombination aus deutscher Wurst mit Sauerkraut in einer chinesischen Dampfnudel.

Neben solch typischen Fertiggerichten bieten die ersten zwei Filialen des deutschen Einzelhändlers in Shanghai hochwertige Importwaren wie Rindfleisch und Milch aus Australien, Wein aus Bordeaux, Bioprodukte oder auch trendiges Craftbeer aus dem nahe gelegenen Hangzhou.

Die zwei Filialen von Aldi Süd öffneten am Freitagmorgen im Jing'an Sporteinkaufszentrum im Jing'an Bezirk sowie im Gumei Life Shopping Plaza im Minhang Bezirk ihre Türen. Der Eröffnungstag war mit dem Drachenbootfest ein Feiertag, der ein langes Shopping-Wochenende einläutet, da Geschäfte in China - mit Ausnahme des chinesischen Neujahrsfestes - sieben Tage die Woche geöffnet haben.

Aldis Zielgruppe in China ist die zahlungskräftige Mittelklasse, die gerade in dem 30 Millionen Menschen zählenden Ballungsraum der ostchinesischen Hafenstadt zu finden ist. Während Aldi Süd bereits seit 2017 online über die Handelsplattform Tmall in China verkauft, will die Mülheimer Unternehmensgruppe mit den zwei Läden jetzt das stationäre Geschäft testen, um die chinesischen Verbraucher besser zu verstehen. Mittelfristig sollen in China nach unbestätigten Berichten zehn Filialen aufgebaut werden - langfristig sogar 50 bis 100.

Das Potenzial ist groß. China dürfte nach den Erwartungen der Marktforscher von IDG in vier Jahren die USA als größter Lebensmittelmarkt abgelöst haben. «Die Möglichkeiten für Aldi, in diesem Markt präsent zu sein, sind deswegen bedeutend», sagte Nick Miles, IDG-Chef Asien-Pazifik. «Aber es wird nicht ohne Risiko sein.»

Der Markt gilt als schwierig für ausländische Händler. Aldis deutscher Konkurrent Lidl hat sich gerade leise aus dem Online-Geschäft in China zurückgezogen. Der spanische Discounter Dia hat 2018 nach 15 Jahren in China seine 450 Filialen an die chinesische Suning-Gruppe verkauft, weil die Verluste zu groß wurden. Auch der britische Einzelhändler Tesco war 2014 in China gescheitert.

Aldi, das in elf Ländern mit 6240 Filialen aktiv ist, setzt in China auf eine besondere Strategie: Keine Billigware, sondern ausgesuchte, höherwertigere Produkte. Die Qualität soll garantiert werden, da der chinesische Kunde schon so manchen Lebensmittelskandal erlebt hat. «In der Vergangenheit ging es dem chinesischen Kunden um den Preis», sagte Liu Shengjun, Vizepräsident der China-Europe Business School in Peking der Deutschen Presse-Agentur. «In jüngster Zeit schenken sie aber der Qualität und Sicherheit der Produkte mehr Aufmerksamkeit.»

«Der chinesische Markt ist groß genug», glaubt der Experte. «Es ist möglich, hier erfolgreich zu sein.» Aber nach dem traditionellen deutschen Modell werde das nicht gelingen. «Du musst den Markt und das Verhalten der Kunden kennen.» Während Kunden in Deutschland und Europa zum Großeinkauf bei Aldi fahren und das Auto vollpacken, gehen die Kunden in den dicht bevölkerten Metropolen Chinas häufiger ins Geschäft und kaufen kleinere Mengen.

Auch wächst der Online-Markt in China enorm - in Konkurrenz zum traditionellen Geschäft. «Wie stelle ich sicher, dass die Produkte im Laden anders sind als jene, die online laufen?», sagt Liu Shengjun. «Das ist eine besondere Herausforderung.» Es gibt hier aber auch gegenläufige Entwicklungen: So versucht ausgerechnet der chinesische Internetriese Alibaba gerade, sein Online-Shopping ebenfalls mit stationärem Geschäft zu kombinieren.

Bei Aldi können Kunden auch mit einem Miniprogramm in der in China stark verbreiteten Allzweck-App WeChat online im Laden bestellen und werden im Umkreis von drei Kilometern sofort beliefert. Im Geschäft kann der Kunde natürlich mit dem in China sehr populären WeChat- oder Ali-Pay auf dem Handy mobil bezahlen oder auch selbst Waren scannen, ohne lange an der Kasse stehen zu müssen.

Lokalisierung ist das Zauberwort. «Mobile Bezahlsysteme sind in China weiter entwickelt als in Europa», sagte Li Chengdong, E-Commerce-Analyst. «Kunden bevorzugen auch gut aussehende und schön dekorierte Geschäfte gegenüber einfacher Bodenplanung.» So sollen die Aldi-Läden in Shanghai ein besonderes Shopping-Erlebnis bieten.

Mit Billigprodukten könne Aldi ohnehin kaum Erfolg haben, da diese einfach in chinesischen Läden zu haben seien, sagte der Experte der dpa. Als deutsche Marke könne Aldi aber auf einen Wettbewerbsvorteil setzen: «Chinesen empfinden deutsche und westliche Marken als Qualitätsprodukte», sagt Li Chengdong. «Es gibt viele Waren, die als «Luxusprodukte» angesehen und preislich auch so eingestuft werden. Es hat psychologische Gründe.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
07. 06. 2019
13:01 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aldi Gruppe Aldi Nord Aldi Süd Deutsche Presseagentur Discounter Einzelhändler Internet Konkurrenz Kunden Lebensmittelmarkt Lidl Luxusgüter Marktforscher Online-Shopping Tesco Unternehmensgruppen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Aldi Nord und Aldi Süd

12.03.2020

Aldi vereinheitlicht Eigenmarken

Aldi macht 90 Prozent seines Umsatzes mit Eigenmarken. Doch gingen Aldi Nord und Aldi Süd bislang dabei fast immer getrennte Wege. Das soll sich nun ändern - und auch die Kunden sollen davon profitieren. » mehr

Schutzmasken

29.04.2020

Erste Handelsketten mit Schutzmasken «zum Selbstkostenpreis»

Viele Ketten wollen den Mund-Nasen-Schutz rasch in ihr Angebot aufnehmen. Aldi Süd hat bereits damit angefangen. » mehr

Coronavirus - Test

26.05.2020

Nur wenige Unternehmen planen Corona-Tests für Mitarbeiter

Die Post will ihren Mitarbeitern anbieten, sich vorsorglich auf das Coronavirus testen zu lassen. In der Branche ist das ansonsten eher kein Thema. Handel und Gastronomie fahren in der Test-Frage unterschiedliche Strateg... » mehr

Hinter Glas

21.03.2020

Supermärkte setzen auf Scheiben und Abstand

Die Lebensmittelversorgung wird aufrecht erhalten. Aber wie schützen die Supermarktketten ihre Mitarbeiter vor Ansteckung? » mehr

Abstand

22.03.2020

Corona-Folgen: Spuckschutz», Abstandsregeln, Leergutmangel

Abstand halten lautet die Devise in Corona-Zeiten, das gilt auch für den Handel. Supermärkte rüsten entsprechend auf. Doch sie haben noch weitere Probleme - und an manchen sind die Kunden nicht unbeteiligt. » mehr

Aldi in Großbritannien

06.11.2019

Aldi und Lidl gewinnen den Brexit an der Ladenkasse

Die britischen Einzelhändler leiden - und Schuld ist vor allem die wirtschaftliche Unsicherheit wegen des Brexits. Doch es gibt auch Gewinner. Die kommen aber nicht aus Großbritannien. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Lagerhalle in Geiselwind brennt völlig aus Geiselwind

Lagerhalle brennt völlig aus | 23.06.2020 Geiselwind
» 31 Bilder ansehen

BMW und Motorrad stoßen auf der B 173 zusammen Redwitz an der Rodach

BMW und Motorrad stoßen auf der B 173 zusammen | 23.06.2020 Redwitz an der Rodach
» 8 Bilder ansehen

Motorradunfall bei Sonnefeld

Motorradunfall bei Sonnefeld | 23.06.2020 Sonnefeld
» 7 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
07. 06. 2019
13:01 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.