Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Wirtschaft

Aufsichtsrat billigt einstimmig Umbau von Thyssenkrupp

Alles auf Anfang bei Thyssenkrupp. Der Aufsichtsrat hat die geplante Zweiteilung des Konzerns zu den Akten gelegt. Jetzt soll kräftig umgebaut werden. Die Arbeitnehmer haben dabei ein klares Ziel.



Guido Kerkhoff
Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff will mit einem substanziellen Konzernumbau Geld für Zukunftsinvestitionen auftreiben.   Foto: Rolf Vennenbernd

Essen (dpa) - Der Aufsichtsrat von Thyssenkrupp hat grünes Licht für den weitreichenden Umbau des Industriekonzerns und den damit verbundenen Abbau von 6000 Stellen gegeben.

Das Kontrollgremium billigte einstimmig den zweiten radikalen Kurswechsel bei dem Traditionsunternehmen innerhalb weniger Monate. «Wir als Aufsichtsrat sind überzeugt davon, dass der Vorstand mit der neuen Strategie den richtigen Weg eingeschlagen hat. Damit werden wir den Interessen von Mitarbeitern, Kunden und Aktionären gleichermaßen gerecht», sagte die Aufsichtsratsvorsitzende, Martina Merz, laut Mitteilung.

Bislang wollte Vorstandschef Guido Kerkhoff den finanziell angeschlagenen Konzern in zwei eigenständige Unternehmen für Werkstoffe und Industriegüter aufspalten. Diese Pläne sind jetzt vom Tisch. Jetzt soll der Konzern zwar als Ganzes erhalten bleiben, seine Struktur aber deutlich verändert werden. Um Geld in die leeren Kassen zu bekommen, kann Kerkhoff die profitable Aufzugssparte des Konzerns teilweise an die Börse bringen. Mit den Einnahmen wolle man «die Weiterentwicklung der einzelnen Unternehmen im Konzern vorantreiben», sagte Kerkhoff.

Auslöser des Strategieschwenks war das Scheitern der Fusion der Stahlsparte von Thyssenkrupp mit dem indischen Konkurrenten Tata. Kerkhoff hatte die Fusion abgeblasen, weil er nicht mehr mit dem Ja der EU-Kommission zu dem Bündnis rechnet. Durch den Zusammenschluss wäre Europas zweitgrößter Stahlkonzern entstanden.

Thyssenkrupp wollte so die Abhängigkeit vom schwankenden Stahlgeschäft verringern, das unter Überkapazitäten und dem Wettbewerbsdruck aus Asien leidet. Jetzt bleibt der Stahl zusammen mit dem Materialhandel ein Kernbereich des Konzerns. Der Stahl und der Handel hätten Thyssenkrupp groß gemacht, hatte Kerkhoff erklärt. «Es sind Geschäfte, die wir gut verstehen.»

Direkt nach der Absage an die Stahlfusion hatte der Vorstand die Beschäftigten mit der Ankündigung aufgeschreckt, beim geplanten Abbau von 6000 Stellen könne es auch zu betriebsbedingten Kündigungen kommen. Mittlerweile hat Thyssenkrupp der IG Metall aber zugesichert, dass dies nur die allerletzte Möglichkeit sein soll. Die Gewerkschaft will aber den kompletten Verzicht auf Entlassungen durchsetzen. Kerkhoff kündigte am Dienstag an, zügig Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern aufzunehmen, «damit dort schnell Klarheit darüber besteht, wie wir den Stahl zukunftsfähig machen».

Das neue Konzept für Thyssenkrupp mit seinen rund 160.000 Mitarbeitern sieht eine Umwandlung der Konzernzentrale in eine schlanke Dachgesellschaft vor. Die einzelnen Sparten des Firmengeflechts aus Stahl, Autoteilen, Fabrikbau, Werften und Aufzügen sollen mehr Eigenständigkeit erhalten. Partnerschaften und Teilverkäufe sind nicht ausgeschlossen. Verbunden ist das Konzept mit erheblichen Einsparungen. Kerkhoff will die jährlichen Verwaltungskosten von derzeit 380 Millionen Euro auf unter 200 Millionen Euro in etwa halbieren.

Kritik am Zustand Thyssenkrupp kam vom Krupp-Nachfahren Friedrich von Bohlen und Halbach. «Das Unternehmen erscheint orientierungslos», sagte der Enkel der einstigen Firmeneigentümerin Bertha Krupp der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» (WAZ, Dienstag). Es entstehe der «Eindruck von Aktionismus». Die Krupp-Nachfahren sind nicht in der Krupp-Stiftung vertreten, die mit 21 Prozent größter Aktionär des Konzerns ist.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
21. 05. 2019
20:07 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aktionäre Deutsche Presseagentur Eisen- und Stahlbranche Europäische Kommission IG Metall Konzernzentralen Mitarbeiter und Personal Stahl Stahlunternehmen Tata-Gruppe Unternehmen Wertpapierbörse Westdeutsche Allgemeine Zeitung Zeitungen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Thyssenkrupp

22.08.2019

Thyssenkrupp klagt gegen Verbot der Stahlfusion mit Tata

Thyssenkrupp will das Verbot der Stahlfusion mit dem Konkurrenten Tata durch die EU-Kommission nicht auf sich sitzen lassen. Die Essener wollen die Maßstäbe der Wettbewerbshüter zurechtrücken. » mehr

Thyssenkrupp

04.07.2019

Thyssenkrupp auf der Suche nach der Zukunft

Thyssenkrupp hat turbulente Zeiten hinter sich. Vor einem Jahr warf Vorstandschef Hiesinger das Handtuch. Seitdem sorgen Strategiewechsel bei dem Stahl- und Industriekonzern für Unruhe. » mehr

Thyssenkrupp

03.09.2019

Thyssenkrupp droht Ausscheiden aus dem Dax

Jahrzehntelang war die Schwerindustrie das Herz der deutschen Wirtschaft. Diese Zeiten sind vorbei. Der Traditionskonzern Thyssenkrupp könnte jetzt sogar aus der ersten Börsenliga verschwinden. » mehr

Thyssenkrupp will 6000 Stellen streichen

12.05.2019

Thyssenkrupp will betriebsbedingte Kündigungen vermeiden

Unvermeidbar und schmerzhaft - so beschreibt die IG Metall den geplanten Umbau des Industrieriesen Thyssenkrupp. 6000 Stellen sollen nach dem Aus für die Stahlehe mit dem Konkurrenten Tata gestrichen werden. «Rote Linien... » mehr

Thyssenkrupp-Arbeiter

10.05.2019

Thyssenkrupp will 6000 Stellen streichen

Thyssenkrupp sagt nach Gegenwind aus der EU-Kommission die Stahlfusion mit dem indischen Konkurrenten Tata ab. Das hat weitreichende Folgen - vor allem für die Beschäftigten. » mehr

Thyssenkrupp-Werk in Duisburg

20.05.2019

Wieder am Wendepunkt: Thyssenkrupp muss sich neu erfinden

Wenige Konzerne in Deutschland können auf eine so lange Tradition zurückblicken wie Thyssenkrupp. Immer erlebte er in den vergangenen 200 Jahren schwere Krisen. Jetzt steht der Stahl- und Industrieriese wieder an einem W... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Coburger Weihnachtsbaum 2019

Anlieferung Coburger Weihnachtsbaum | 18.11.2019 Coburg
» 19 Bilder ansehen

BBC Coburg - Gießen 46ers Rackelos 101:78 (58:34) Coburg

BBC Coburg - Gießen 46ers Rackelos 101:78 (58:34) | 17.11.2019 Coburg
» 46 Bilder ansehen

Rathaussturm in Steinberg Steinberg

Rathaussturm in Steinberg | 16.11.2019 Steinberg
» 8 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
21. 05. 2019
20:07 Uhr



^