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Wirtschaft

Autobranche fordert mehr Sachlichkeit in Zukunftsdebatte

Der Volkswagen-Chef sieht einen «Feldzug gegen individuelle Mobilität», andere deutsche Automanager wünschen sich mehr Sachlichkeit in der Debatte um Diesel und CO2-Ziele. Dabei ist der politische Druck in Deutschland noch vergleichsweise niedrig.



Branchengipfel
Ein Mann geht während des Branchengipfels des Instituts für Automobilwirtschaft in Nürtingen an Autos der Marke Skoda und BMW vorbei.   Foto: Sebastian Gollnow

Fahrverbote, strengere CO2-Ziele, Diesel-Debatte - die Nerven in der Autobranche liegen blank. Volkswagen-Chef Herbert Diess hatte der Politik mit Blick auf neue CO2-Grenzwerte jüngst in einer Rede einen «Feldzug gegen die individuelle Mobilität» vorgeworfen.

Skoda-Chef Bernhard Maier pflichtete ihm nun bei: «Ich würde mir in der aufgeheizten öffentlichen Diskussion mehr Transparenz wünschen, um die Verbraucher wirklich aufzuklären», sagte er in Nürtingen beim Autogipfel der Hochschule für Automobilwirtschaft.

«Die öffentliche Debatte erzeugt zuweilen den Eindruck, das Auto sei eine aussterbende Spezies», sagte auch der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, Bernhard Mattes. Porsche-Chef Oliver Blume betonte, die Themen rund um die Dieselkrise müssten sorgfältig aufgearbeitet werden. «Ich sehe da Licht am Ende des Tunnels», sagte er. «Wir müssen mal aufhören mit dieser ganzen Diskutiererei.»

Tatsächlich geht es in der Diskussion meist weniger um das Auto an sich, sondern um Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren. Denn während in Deutschland noch vor allem über Fahrverbote für Diesel diskutiert wird, sieht das auf EU-Ebene schon ganz anders aus: Diskutiert werden strengere CO2-Ziele für die verkauften Flotten der Autohersteller, die auch Fahrzeuge mit Benzinmotor treffen werden. Manche Länder nehmen sich sogar ein Aus für alle Verbrennungsmotoren vor. Nach Frankreich, Belgien und Norwegen kündigte zuletzt Dänemark an, von 2030 an keine Autos mit Verbrennungsmotoren mehr zuzulassen.

Die Autohersteller haben sich zumindest teilweise darauf eingestellt und investieren Milliarden in Elektromobilität. Der Sportwagenbauer Porsche hatte darüber hinaus jüngst den Diesel-Ausstieg angekündigt. Bis 2025 sollen 50 Prozent der verkauften Porsche reine Elektroautos sein. Porsche-Chef Oliver Blume betonte aber, das Unternehmen werde auch künftig Sportwagen mit Verbrennungsmotor anbieten.

Der Nischenanbieter sticht mit seinen ehrgeizigen Zielen in der deutschen Branche heraus. BMW und Daimler wollen 2025 etwa 15 bis 25 Prozent ihres Absatzes mit Elektroautos bestreiten. Volkswagen will in dem Jahr eine Million E-Fahrzeuge verkaufen.

Nach Einschätzung von Stefan Reindl vom Institut für Automobilwirtschaft der Hochschule Geislingen - dem Ausrichter des Branchengipfels - wird bereits ein Ausstieg aus dem Diesel «anspruchsvoll für die Branche». Denn die Produktion für Elektroautos wird erstmal teurer für die Hersteller, gleichzeitig können die aber nicht teuer verkauft werden. «Das schmerzt, aber ist unvermeidbar», sagte Skoda-Chef Bernhard Maier. Reindl hält den Spielraum der unterschiedlichen Hersteller für begrenzt. «Ein Ausstieg aus dem Diesel, wie ihn Porsche plant, lässt sich nicht auf andere Hersteller übertragen», prognostizierte Reindl.

Dabei hat die Branche nach Einschätzung von Experten mehr Zeit als es den Anschein macht. «Es geht nicht um eine Umstellung von heute auf morgen», sagte Wolfgang Bernhart von der Unternehmensberatung Roland Berger. Aktuelle Emissionsziele und Prüfvorgaben seien seit Jahren bekannt. Derzeit laufe gerade die politische Diskussion um die Emissionsziele, die im Jahr 2030 gelten werden. «Das heißt, der Vorlauf ist deutlich länger als der Sieben-Jahre-Zyklus und die Entwicklungszyklen wurden und werden entsprechend darauf abgestimmt.» Bei reinen E-Auto-Plattformen gehe die Entwicklung zudem deutlich schneller.

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dpa

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Veröffentlicht am:
18. 10. 2018
17:24 Uhr

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