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Wirtschaft

Bergwerkskrach dominiert Siemens-Hauptversammlung

Siemens wird die Klimadebatte nicht los. Bei der Hauptversammlung dominiert das Thema - vor und in der Münchner Olympiahalle. Die vorgelegten Quartalszahlen geraten dabei zur Nebensache.



Protest
Klimaaktivisten demonstrieren mit Plakaten vor der Olympiahalle in München, wo die Siemens-Hauptversammlung stattfindet.   Foto: Peter Kneffel/dpa » zu den Bildern

Drinnen ringt Siemens-Chef Joe Kaeser um die Deutungshoheit in der Klimadebatte, draußen singen Hunderte Protestierende gegen Kohlendioxid und Treibhausgase.

Die Hauptversammlung des Siemens-Konzerns in der Münchner Olympiahalle stand im Zeichen der Frage, ob der Konzern Aufträge für klimaschädliche Projekte annehmen darf. Dabei geht es inzwischen um mehr als die Lieferung einer Zugsignalanlage im Wert von 18 Millionen Euro für das riesige Kohlebergbauprojekt des Adani-Konzerns in Australien, an der sich der Streit entzündet hat.

Dass Siemens wegen dieses «unseligen Projekts in Australien» zur «Zielscheibe doch zahlreicher Umweltaktivisten» geworden sei, nannte Kaeser «schon fast grotesk». Schließlich sei Siemens «erst in der zweiten Ableitung» beteiligt und die Lieferung für die Mine «irrelevant». Man müsse sich fragen, wo diese Debatte aufhöre: Dürfe Siemens dann im Zweifelsfall auch keine energiesparende Haustechnik für ein Hauptquartier eines großen Minenkonzerns liefern?

Mehrere hundert Klimaaktivisten antworteten am Mittwoch vor und in der Hauptversammlung. Auf Plakaten bezeichneten sie Siemens als «Brandbeschleuniger für die Klima-Kriminellen». Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer sagte: «Es geht hier nicht nur um Adani, es geht hier nicht nur um eine Kohlemine.» Vielmehr gehe es «um Grundsatzentscheidungen.» Zudem kündigte sie Proteste auch auf Hauptversammlungen anderer Konzerne an. In der Halle klebten sich sechs Aktivisten von Extinction Rebellion an ein Geländer sowie an den Händen aneinander.

Auch in den Redebeiträgen auf der Hauptversammlung spielten Klimawandel und Adani-Auftrag vielfach eine entscheidende Rolle. So sagte Varsha Yajman vom australischen Fridays-for-Future-Pendant, es sei eine «Schande», dass Siemens den Vertrag mit Adani unterzeichnet habe, während Australien brenne. Helena Marschall von Fridays for Future Deutschland warf Siemens eine «unehrliche Inszenierung als Klimakonzern» vor und warnte Kaeser: «Sie verlieren Ihre Kunden - zumindest die zukünftigen.»

Kaeser antwortete Marschall mit den Worten: «Wir sind uns einig über die Diagnose. Aber die Therapie haben bisher nur wir begonnen.» Der Siemens-Chef zeigte sich in der Klimadebatte allerdings zusehends frustriert. «Bei solchen Themen kann man nicht gewinnen, weil der Anspruch, den viele haben auf der anderen Seite, ein legitimer ist», sagte der Manager. Seinen Kritikern warf er allerdings vor, ein «Geschäftsmodell Aktivismus» zu betreiben.

Manche Investoren halten Kaeser aber vor, den Streit um das Adani-Projekt durch widersprüchliche Botschaften selbst befeuert zu haben. So nannte Vera Diehl von Union Investment die Kommunikation rund um Adani ein «Desaster». Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sagte, Kaeser habe im Umgang mit dem Adani-Auftrag unnötigerweise «gepatzt». Sie betonte aber, dass er auch vieles richtig und sehr gut gemacht habe.

Der Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe ermahnte die Aktionäre mehrmals, die Fragerunde nicht als «politische Bühne» zu nutzen. «Wir können die Nachhaltigkeit der Welt nicht in der Hauptversammlung lösen», sagte er. Mehrmals musste er Redner am Ende ihrer Redezeit abwürgen. Ein Ende der Versammlung war am Nachmittag angesichts von 63 Wortmeldungen dennoch noch nicht abzusehen.

Die Zahlen, die Kaeser vor Beginn der Hauptversammlung für das erste Geschäftsquartal vorlegte, glänzten nicht. Er selbst sagte, das Geschäftsjahr habe «etwas verhalten» begonnen. Das Unternehmen bekam die Schwäche der wichtigen Kunden Autoindustrie und Maschinenbau zu spüren. Zudem schrieb die Windenergie-Tochter Siemens Gamesa deutliche Verluste.

Hier hat sich Siemens allerdings größeren Einfluss gesichert: In der Nacht vor der Hauptversammlung kündigte der Konzern an, die Anteile des Minderheitsaktionärs Iberdrola übernehmen zu wollen, mit dem es in der Vergangenheit immer wieder Streit gegeben hatte. Nun hofft Kaeser, dass «das Management wieder mehr Kapazität hat, sich mit der Verbesserung der Ertragskraft näher zu befassen».

Kaesers Vertrag als Vorstandsvorsitzender läuft zum Jahresende aus. Es war aller Voraussicht nach seine letzte Hauptversammlung an der Siemens-Spitze. Als wahrscheinlichster Nachfolger gilt sein Vize Roland Busch. Fragen zur Nachfolge beantwortete Kaeser mit dem Verweis darauf, dass der Aufsichtsrat im Sommer entscheiden werde.

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dpa

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Veröffentlicht am:
05. 02. 2020
21:20 Uhr

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