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Boeing-Chef Muilenburg gibt Verwaltungsratsvorsitz ab

Zwei Abstürze des bestverkauften Flugzeugtyps 737 Max binnen kurzer Zeit haben das Vertrauen in den US-Hersteller Boeing erschüttert. Die Krise setzt dem Airbus-Rivalen schwer zu und bringt auch das Management massiv unter Druck. Nun gibt es personelle Konsequenzen.



Boeing-Chef Muilenburg
Dennis Muilenburg Ende April während des jährlichen Boeing-Aktionärstreffens im Field Museum für Naturkunde in Chicago.   Foto: Jim Young/Pool AP/dpa

Der US-Luftfahrtriese Boeing ordnet seine Führungsetage im Zuge der Krise um den mit Startverboten belegten Flugzeugtyp 737 Max neu.

Dennis Muilenburg wird den Verwaltungsratsvorsitz abgeben, um sich als Vorstandschef in Vollzeit um die angestrebte Wiederzulassung der 737 Max, die Bedürfnisse der Kunden und die Verschärfung von Boeings Fokus auf Produkt- und Service-Sicherheit kümmern zu können, teilte der Konzern am Freitagabend (Ortszeit) in Chicago mit.

Den Verwaltungsrat des Flugzeugbauers soll künftig David L. Calhoun leiten - als nicht geschäftsführender Vorsitzender. Calhoun sprach Muilenburg im Namen des Gremiums Rückendeckung aus: «Der Rat hat volles Vertrauen in Dennis als Vorstandschef.» Muilenburg erklärte in der Mitteilung des Unternehmens, dass er die Entscheidung des Verwaltungsrats voll unterstütze. Das gesamte Team sei darauf fokussiert, die 737 Max wieder sicher in den Betrieb zu bringen. Anleger reagierten auf die Nachricht zunächst gelassen, Boeings Aktien drehten nach Börsenschluss lediglich leicht ins Minus.

Mit dem Personalwechsel auf oberster Ebene setzt der Konzern ein klares Zeichen in Sachen Krisenmanagement. Der Schritt dürfte aber auch dazu dienen, Muilenburg etwas aus der Schusslinie zu bringen. Der 55-Jährige steht durch das 737-Max-Debakel nach zwei Abstürzen mit Hunderten Toten auch selbst stark in der Kritik und war bereits mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Mit Calhoun steht dem Verwaltungsrat - der als oberstes Gremium dem Vorstand übergeordnet ist - künftig ein Private-Equity-Mann vor, der im Boeing-Direktorium bislang nicht sonderlich auffiel.

Die 737-Max-Abstürze in Indonesien und Äthiopien, bei denen im Oktober und März insgesamt 346 Menschen starben, haben Boeing in eine tiefe Krise schlittern lassen. Der Konzern steht im Verdacht, die Unglücksflieger im scharfen Wettbewerb mit dem europäischen Erzrivalen Airbus überstürzt auf dem Markt gebracht und dabei die Sicherheit vernachlässigt zu haben. Boeing weist dies zwar zurück, hat aber verschiedene Fehler und Pannen eingeräumt. Es droht großer rechtlicher Ärger - das Unternehmen steht zahlreichen Klagen etwa von Angehörigen der Absturzopfer, Piloten und Investoren gegenüber.

Für Boeing ist der Fall besonders brenzlig, weil eine Fehlfunktion bei einer eigens für die 737-Max-Maschinen entwickelten Steuerungssoftware nach ersten Untersuchungen als entscheidende Ursache der Abstürze gehandelt wird. Bei einem Herstellerfehler wäre Boeing mit großen Haftungsrisiken konfrontiert. US-Behörden ermitteln, ob bei der Zulassung der 737 Max alles mit rechten Dingen zuging. Sollte Boeing der US-Luftfahrtaufsicht sicherheitsrelevante Informationen verschwiegen haben, würde die Sache noch wesentlich brisanter.

Auch geschäftlich sind die Probleme mit der 737 Max für Boeing eine immense Belastung. Seit dem zweiten Absturz im März sind die Krisenjets mit Startverboten belegt. Wann sie wieder abheben dürfen, ist bislang unklar. Da Boeing seinen bis zu den Unglücken bestverkauften Flugzeugtyp auch nicht mehr ausliefern kann, musste die Produktion bereits deutlich gedrosselt werden. Je länger sich die erhoffte Wiederzulassung hinzieht, desto prekärer und teurer wird es. Boeing steht unter Druck, die Software-Fehler zu beheben, die als Absturzursache gelten, kommt bisher aber nicht wie erhofft voran.

Die Probleme bewirken massive Kosten: Allein im zweiten Quartal brockte die 737-Max-Zwangspause dem Airbus-Rivalen einen Rekordverlust von 2,9 Milliarden Dollar (2,6 Mrd Euro) ein. Der Umsatz fiel um 35 Prozent auf 15,8 Milliarden Dollar. Boeings gesamte Schadensbilanz seit den im März verhängten Flugverboten belief sich laut dem Finanzdienst Bloomberg bereits Ende Juni auf 8,3 Milliarden Dollar. Entlastung gab es seitdem nicht, im Gegenteil: Es kamen weitere Klagen, Konflikte und Schwierigkeiten hinzu, die eine Wiederzulassung der 737 Max eher noch weiter verzögern könnten.

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dpa

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12. 10. 2019
10:46 Uhr

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