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Wirtschaft

Börsencrash wegen Corona nagt am Vermögen der Deutschen

Der Reichtum in Deutschland ist laut einer Studie ungleicher verteilt, als bislang angenommen. Zugleich hinterlässt die Corona-Krise deutliche Spuren.



Vermögen der Haushalte gesunken
Der Kurssturz an den Börsen zu Beginn der Corona-Krise hat am Vermögen der Menschen in Deutschland genagt.   Foto: Boris Roessler/dpa

Die Menschen in Deutschland haben zu Beginn der Corona-Krise in der Summe Milliarden verloren.

Vor allem der Kurssturz an den Börsen im März ließ das Geldvermögen der privaten Haushalte im Vergleich zum Rekordwert des Vorquartals um 128 Milliarden Euro oder 2,0 Prozent auf 6337 Milliarden Euro schrumpfen. Das geht aus Daten der Deutschen Bundesbank hervor. Einer Studie zufolge ist der Reichtum in Deutschland zudem ungleicher verteilt, als bislang genommen.

Der Bundesbank zufolge sind die Vermögensverluste «in erster Linie auf die Kursstürze am Kapitalmarkt zurückzuführen, die durch die Pandemie und die Unsicherheit über ihre wirtschaftlichen Folgen ausgelöst wurden.» Zwar bauten die privaten Haushalte mit Sparfleiß Forderungen von 90 Milliarden Euro auf. Dem standen aber Bewertungsverluste von insgesamt 218 Milliarden Euro gegenüber. Zuletzt war das Geldvermögen Ende 2018 gegenüber dem Vorquartal gesunken - um damals 0,5 Prozent vor allem in Folge der Flaute an den Aktienmärkten.

Sparer setzten zu Beginn des Jahres 2020 unter anderem auf Bargeld und Bankeinlagen, die zwar wegen der Zinsflaute kaum noch etwas abwerfen, auf die sie aber schnell zugreifen können. Zugleich steckten sie weiter Geld in Versicherungen, die Ansprüche wurden um 23 Milliarden Euro aufgestockt. In inländische Aktien investierten sie netto 8 Milliarden Euro. Auch in börsennotierte ausländische Aktien und Investmentfonds flossen Gelder.

Durch die Kursverluste im ersten Quartal dürfte sich einige der als eher börsenscheu geltenden Sparer in Deutschland in ihrer Skepsis bestätigt fühlen. Im zweiten Vierteljahr erholten sich die Aktienkurse vieler Unternehmen allerdings wieder.

Wie schon in der Vergangenheit nutzten die Menschen die Niedrigzinsen, um sich billig Geld zu leihen. Gefragt waren weiterhin insbesondere Wohnungsbaukredite. Die Verbindlichkeiten stiegen bis Ende März um 14 Milliarden Euro. Netto, also nach Abzug der Schulden, sank das Geldvermögen deutlich um 142 Milliarden auf rund 4447 Milliarden Euro gegenüber dem Vorquartal.

Die Bundesbank berücksichtigt bei der Berechnung Bargeld, Bankeinlagen, Wertpapiere und Ansprüche gegenüber Versicherungen - nicht jedoch Immobilien. Wie das Vermögen verteilt ist, geht aus den Daten nicht hervor. Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist der Reichtum in Deutschland ungleicher verteilt als bislang angenommen. Den Unterschied machen vor allem der Besitz von Unternehmen sowie nicht selbst genutzte Immobilien aus.

Dem DIW zufolge besitzen die oberen zehn Prozent gut zwei Drittel des Nettovermögens. Zuvor sei man von knapp 59 Prozent ausgegangen. «Allein das reichste Prozent der Bevölkerung vereint rund 35 (statt knapp 22) Prozent des Vermögens auf sich», heißt es in der am Mittwoch veröffentlichten Studie. Demnach besitzen etwa 1,5 Prozent der Erwachsenen in Deutschland abzüglich Schulden ein Nettovermögen von mindestens einer Million Euro.

Erfasst wurde das Vermögen von Personen ab 17 Jahren in Deutschland. Dazu zählen unter anderem Immobilienbesitz, Betriebsvermögen, Sparguthaben, Aktien, Ansprüche aus Lebens- und privaten Rentenversicherungen sowie wertvolle Sammlungen. In einer Zusatzstichprobe nahmen die Forscher Millionäre genauer unter die Lupe. «Berechnungen auf dieser Grundlage und unter Hinzunahme öffentlich zugänglicher Reichenlisten ergeben, dass die Konzentration der individuellen Nettovermögen in Deutschland höher ist als bislang ausgewiesen», erklärte das DIW.

Nach einer Umfrage der Postbank zementiert die Corona-Krise die Vermögensunterschiede in Deutschland. Bei der Befragung Ende April gaben zwar 77 Prozent der Bundesbürger an, Geld auf die hohe Kante zu legen (Juli 2019: 74 Prozent). Allerdings kann es sich nicht jeder leisten, Rücklagen zu bilden.

So stellten Menschen mit einem vergleichsweise geringen Einkommen überdurchschnittlich häufig das Sparen ein: Jeder siebte Befragte (15,4 Prozent) mit einem Haushaltsnettoeinkommen von unter 2500 Euro greift demnach in der Krise seine Ersparnisse an. Von den Befragten, in deren Haushalt weniger als 1500 Euro zur Verfügung stehen, betraf dies zum Zeitpunkt der Umfrage jeden Vierten (24 Prozent). Befragt wurden 1014 Personen ab 16 Jahren.

© dpa-infocom, dpa:200715-99-798578/4

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15. 07. 2020
22:47 Uhr

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