Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: CoronavirusVideosCotubeBlitzerwarner

Wirtschaft

Brauereien sollen von Stundung der Biersteuer profitieren

Kneipen zu, Messen und Großveranstaltungen abgesagt. Auch viele Brauereien werden von der Corona-Krise getroffen. Die Stundung der Biersteuer soll Brauern die Möglichkeit eröffnen, die Liquiditätslage zu verbessern. Der Verband warnt vor einer Kettenreaktion.



Bier
Die Stundung der Biersteuer soll Brauereien in der Corona-Krise helfen.   Foto: Roland Weihrauch/dpa

Exportrückgang, Veranstaltungsstopp und Kneipenschließungen: Die Stundung der Biersteuer soll Brauereien in der Corona-Krise einen besseren finanziellen Spielraum verschaffen.

Die Biersteuer steht den Ländern zu und betrug 2019 nach Angaben des Bundesfinanzministeriums insgesamt rund 650 Millionen Euro.

«Um in der derzeitigen schwierigen Lage die Liquidität von Brauereien zu verbessern und Arbeitsplätze zu schützen, haben sich das Bundesfinanzministerium und die Finanzministerien der Länder darauf geeinigt, dass die Biersteuer ebenfalls gestundet werden kann», teilte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Stundungsanträge könnten bis zum 31. Dezember 2020 für bis zu diesem Zeitpunkt bereits fällige oder fällig werdende Steuern bei den Hauptzollämtern gestellt werden. «Die Hauptzollämter sollen den Brauereien zur Vermeidung unbilliger Härten entgegen kommen. Auf die Erhebung von Stundungszinsen kann in der Regel verzichtet werden», sagte der Sprecher.

Bund und Länder flankierten mit der Stundungsmöglichkeit bei der Biersteuer «das umfassende Maßnahmenpaket, das von der Bundesregierung auf den Weg gebracht wurde, um die Gesundheit der Bürger zu schützen, Arbeitsplätze und Unternehmen zu stützen und unseren sozialen Zusammenhalt zu bewahren».

Der Deutsche Brauer-Bund nannte die Stundungsmöglichkeit ein wichtiges Signal für die Branche, die stark unter Druck stehe. «Es wird jetzt darauf ankommen, dass die Brauereien die Steuerstundung rasch und unbürokratisch in Anspruch nehmen können», sagte Hauptgeschäftsführer Holger Eichele. Er betonte, dass es sich dabei nicht um Zuschüsse handele. Viele Brauereien stünden mit dem Rücken zur Wand, seit der Export weitgehend zum Erliegen gekommen sei, Veranstaltungen abgesagt werden und Gaststätten schließen mussten.

Nach Informationen der «Lebensmittel Zeitung», die über die Option der Biersteuer-Stundung für Brauereien berichtet hatte, beträgt der Regelsteuersatz pro Hektoliter 0,787 Euro je Grad Plato - dem Maß für den Stammwürzegehalt. Ein handelsüblicher Kasten mit 20 Flaschen je 0,5 Liter Bier werde demnach mit 0,94 Euro Biersteuer belastet.

Für die größte deutsche Privatbrauerei Krombacher ist die Inanspruchnahme der Stundung der Biersteuer aktuell kein Thema. «Wir werden pünktlich zahlen», sagte Sprecher Peter Lemm. Bei Warsteiner heißt es: «Wir prüfen diese Möglichkeit zum gegenwärtigen Zeitpunkt.»

«Es ist nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben», sagte Veltins-Sprecher Ulrich Biene zur Möglichkeit der Stundung der Biersteuer. Jede Brauerei müsse sich das deshalb genau überlegen. Veltins sieht trotz der veränderten Marktlage keine Notwendigkeit, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen. Für die Privatbrauerei im Hochsauerland mache die Biersteuer pro Jahr einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag aus. Eine Stundung könne einen zusätzlichen Liquiditätsgewinn für dasjenige Unternehmen bedeuten.

Branchenkreisen zufolge sind kleinere Brauereien, die stark vom Eventgeschäft abhängig sind, von den geltenden Einschränkungen gegen die rasche Ausbreitung des Coronavirus besonders hart betroffen.

Der jüngsten Umfrage des Brauer-Bundes zu den Auswirkungen in der Corona-Krise zufolge rechnen fast alle Unternehmen (97 Prozent) mit einem Rückgang der Umsätze. Nahezu 80 Prozent würden sich betroffen sehen durch Ausfälle oder Stundungen von Mieten und Pachten. An der Umfrage unter Brauereien aller Größenordnungen beteiligten sich 70 Unternehmen. Sie ist aber nicht repräsentativ.

«Tatsache ist: Die Kettenreaktion, die im Gastgewerbe, dem Tourismus und Veranstaltungsgeschäft droht, ist hoch explosiv. Viele Gastronomiebetriebe und viele Brauereien werden diese Krise ohne staatliche Hilfen nicht überstehen. Hier muss schnell geholfen werden», hatte Eichele in einem Interview mit dem Branchenportal «Getränke News» gesagt.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
06. 04. 2020
18:24 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bier Biersteuern Brauereien Bundesministerium der Finanzen Deutsche Presseagentur Finanzministerien Gaststätten und Restaurants Getränke Hauptzollämter Platon Staaten Staatliche Unterstützung und Förderung Steuern und staatliche Abgaben Warsteiner Brauerei
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Lufthansa

27.05.2020

Noch keine Entscheidung zu Lufthansa-Rettungspaket

Die Lufthansa nimmt die geplante Staatshilfe von neun Milliarden Euro vorerst nicht an. Grund sind mögliche Auflagen aus Brüssel. » mehr

Restaurant ohne Gäste

19.06.2020

Corona-Lockdown sorgt für Umsatzeinbruch im Gastgewerbe

Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie treffen das Gastgewerbe mit voller Wucht. Die Umsätze erodieren. Helfen die beschlossenen staatlichen Hilfen der Branche wieder auf die Beine? » mehr

Nüchtern durch die Krise

22.06.2020

Nüchtern durch die Krise - Bierabsatz geht stark zurück

Jahr für Jahr trinken die Deutschen weniger Alkohol. In der Corona-Krise fließt nun noch weniger Bier - was nicht heißt, dass die Deutschen ganz auf Alkohol verzichten. » mehr

Vapiano

20.03.2020

Pasta, aber zuhause - Vapianos leere Kasse

In der Krise essen alle Nudeln - allerdings nicht mehr im Restaurant, sondern zuhause. Das kann Vapiano, schon vor Corona-Zeiten angeschlagen, nun das Genick brechen - wenn der Staat sich nicht beeilt. » mehr

Mallorca

23.05.2020

Spanien lässt Touristen erst im Juli rein

Noch sind die Grenzen für Touristen dicht, aber Reisen ins europäische Ausland könnten bald wieder möglich sein. Nach Italien kündigte nun auch das von Corona schwer gebeutelte Spanien eine Öffnung für Urlauber an - Tui ... » mehr

Lufthansa-Maschine

23.05.2020

Altmaier: Staatsbeteiligung bei Lufthansa vorübergehend

«In Kürze» sei mit einer Entscheidung über Staatshilfen für die Lufthansa zu rechnen, sagte Kanzlerin Angela Merkel. Das war am Mittwoch. Seitdem aber laufen weiter Verhandlungen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Lkw bleibt in Unterführung stecken

Lkw bleibt in Unterführung stecken | 09.07.2020 Coburg
» 13 Bilder ansehen

Lagerhalle in Geiselwind brennt völlig aus Geiselwind

Lagerhalle brennt völlig aus | 23.06.2020 Geiselwind
» 31 Bilder ansehen

BMW und Motorrad stoßen auf der B 173 zusammen Redwitz an der Rodach

BMW und Motorrad stoßen auf der B 173 zusammen | 23.06.2020 Redwitz an der Rodach
» 8 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
06. 04. 2020
18:24 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.