Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Wirtschaft

Brüssel will Fiat-PSA-Deal verschärft prüfen

Die Ankündigung versetzte den Automarkt in Wallung: Fiat Chrysler und die Opel-Mutter PSA wollen sich zum viertgrößten Autobauer zusammenschließen. Doch eine wichtige Sparte sorgt für schwere Bedenken.



Fiat Chrysler Automobiles
Die EU-Kommission will die geplante Megafusion des Autobauers Fiat Chrysler mit der Opel-Mutter PSA verschärft prüfen.   Foto: Richard Drew/AP/dpa

Die Megafusion des Autobauers Fiat Chrysler (FCA) mit der Opel-Mutter PSA ist vorerst ausgebremst.

Die EU-Kommission hat Bedenken und leitete deshalb eine vertiefte Prüfung ein, die sich bis 22. Oktober hinziehen könnte. Die Wettbewerbshüter befürchten, der Zusammenschluss der beiden Hersteller könnte den Wettbewerb auf dem Markt für Lieferwagen einschränken. Die EU-Behörde wacht über den freien Wettbewerb in Europa.

Der Peugeot-Hersteller PSA und FCA hatten ihre Fusion im Dezember beschlossen. Damit soll der viertgrößte Autohersteller der Welt entstehen. Der neue Konzern hätte aber auch im Segment der Lieferwagen bis 3,5 Tonnen in vielen Ländern hohe Marktanteile, erklärte die EU-Kommission. Anders als auf dem Automarkt gebe es weniger Anbieter und hohe Zugangshürden für Konkurrenten.

FCA mit italienisch-amerikanischen Wurzeln und der französische PSA-Konzern erklärten gemeinsam, dass sie daran festhalten, die Fusion bis spätestens Ende März kommenden Jahres abzuschließen. Sie arbeiten demnach weiter mit der Kommission konstruktiv zusammen. «Die Vorbereitungen für die Fusion gehen wie geplant voran.» Grünes Licht von den jeweiligen Wettbewerbsbehörden gebe es bereits in den USA, China, Japan und in Russland.

Bisher konkurrierten beide Anbieter bei den Vans Kopf an Kopf in vielen Märkten und richteten ihre Preise entsprechend aus. Dies könnte bei einer Fusion wegfallen, argumentierte die Kommission. Konkret könnte der Wettbewerb in 14 EU-Staaten und Großbritannien eingeschränkt werden.

«Geschäftlich genutzte Vans sind wichtig für Einzelpersonen, den Mittelstand und große Unternehmen, wenn sie ihre Waren oder Dienstleistungen zum Kunden bringen wollen», erklärte die zuständige Kommissions-Vizepräsidentin Margrethe Vestager. Die beiden Hersteller hätten eine starke Marktposition. «Wir werden sorgfältig überprüfen, ob die vorgeschlagene Transaktion einen negativen Effekt auf den Wettbewerb in diesen Märkten hätte.» Ziel sei gesunde Konkurrenz.

Die Unternehmen hätten ihren Zusammenschluss am 8. Mai angemeldet. Die Kommission betonte, während der vorläufigen Prüfung hätten die Unternehmen keine Verpflichtungen eingehen wollen, um die Bedenken auszuräumen. Die Kommission habe nun weitere 90 Arbeitstage Zeit zur vertieften Prüfung. Dass diese eingeleitet wurde, lasse aber noch keine Rückschlüsse auf den Ausgang zu.

Für den Vollzug der Fusion hatten die Autobauer Ende vergangenen Jahres 12 bis 15 Monate angesetzt. Die Corona-Krise hat inzwischen die Umstände für den Deal verändert und die Autobranche weiter unter Druck gesetzt. Absatz- und Zulassungszahlen von Neuwagen sind dramatisch eingebrochen. Im Mai lagen sie nach Angaben des Branchenverbands Acea um gut 52 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats.

Die gesamte Auto-Branche ist in einem gewaltigen Umbruch. Die Hersteller müssen Milliarden in den schwierigen Wandel zur E-Mobilität und Digitalisierung stecken. Der Nachfrageeinbruch in der Corona-Krise erhöht den Druck auf die Unternehmen. Weniger Verbraucher interessieren sich für die Anschaffung eines Autos. Tausende Jobs in der Branche stehen auf der Kippe. So will der französische PSA-Konkurrent Renault weltweit 15 000 Stellen abbauen.

PSA führt neben Opel die Marken Peugeot, DS und Citroën. Fiat Chrysler hat die Marken Alfa Romeo, Chrysler, Dodge, Jeep, Lancia oder Maserati im Angebot.

Fiat Chrysler und PSA setzten vor der Krise zusammen rund 8,7 Millionen Fahrzeuge pro Jahr ab und hatten einen Umsatz von 170 Milliarden Euro. Mit der Fusion entstünde also ein Autogigant. Nur noch Volkswagen, Toyota und der französisch-japanische Renault-Nissan-Verbund waren voriges Jahr größer. Beschäftigt wurden vor den Fusionsplänen nach früheren Angaben des französischen Wirtschafts- und Finanzministeriums rund 400 000 Menschen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
17. 06. 2020
17:35 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Alfa Romeo Auto Autobranche Autofirmen Automarkt Chrysler Citroën EU-Behörden Europäische Kommission Fiat Kartellämter Konkurrenz Lancia Margrethe Vestager Marktanteile Maserati Opel Peugeot Produktionsunternehmen und Zulieferer Renault Toyota Volkswagen AG Wettbewerbshüter
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Carlos Tavares

28.07.2020

Opel-Mutter PSA macht trotz Corona-Krise Gewinn

Die Franzosen von PSA wollen mit Fiat Chrysler einen neuen Autogiganten schmieden. Vor der geplanten Megafusion zeigt sich der Opel-Mutterkonzern selbstbewusst: Auch in Zeiten von Corona gibt es keine Verluste. » mehr

Carlos Tavares

18.12.2019

Neuer Auto-Gigant: Fusion von Opel-Mutter und Fiat Chrysler

Autonomes Fahren, Elektromobilität: Die Autobranche steht unter riesigem Druck. Der Mutterkonzern von Opel und Peugeot will mit Fiat Chrysler ein ehrgeiziges Kapitel in der Geschichte der Industrie schreiben. Droht nun e... » mehr

Bilanz BMW

18.03.2020

Virus legt die Autoindustrie lahm

Zwei Monate nach dem Einbruch von Autoproduktion und Nachfrage in China droht der Industrie jetzt in Europa und Nordamerika das gleiche Szenario. Wie bereits andere Konzerne müssen auch BMW, Porsche, General Motors, Ford... » mehr

Tesla

13.07.2020

Branchenschreck: Was ist dran am Tesla-Hype?

Als wertvollster Autohersteller ist Tesla ein Star der Finanzwelt. Aber auch technologisch bekommt das Unternehmen von Elon Musk ein immer größeres Gewicht. Etablierte Anbieter wie Volkswagen, BMW & Co. müssen achtgeben,... » mehr

Fiat Chrysler

31.10.2019

Opel-Mutter PSA und Fiat Chrysler wollen fusionieren

Vom Opel Corsa bis zum Maserati - ein neuer Auto-Riese mit europäischen Wurzeln will die kriselnde Branche aufmischen. Mit der Fusion der Superlative sollen aber auch hausgemachte Probleme überwunden werden. » mehr

Fiat Chrysler Automobiles Deutschland AG

22.07.2020

Diesel-Ermittler nehmen Fiat und Iveco ins Visier

Etliche andere Hersteller hatten in der Dieselaffäre schon Besuch von der Justiz, nun stehen die Ermittler auch bei Fiat Chrysler vor der Tür. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts des Betruges. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

HSC Coburg: Training und Media Day

HSC Coburg: Training und Media Day | 12.08.2020 Coburg
» 25 Bilder ansehen

WG: HSC - mögliche Aufmacher

WG: HSC - mögliche Aufmacher | 12.08.2020 Coburg
» 26 Bilder ansehen

Großbrand in Tettau auf Bauernhof

Großbrand auf Tettauer Bauernhof | 09.08.2020 Tettau
» 50 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
17. 06. 2020
17:35 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.