Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Wirtschaft

Chinas Xi setzt auf Staat, nicht Markt

Im Handelskrieg mit den USA kontert Chinas Präsident Xi mit einer großen Importmesse, die Marktöffnung demonstrieren soll. Zwei Systeme konkurrieren: Freier Kapitalismus und Staatswirtschaft. Steuern beide Rivalen zwangsläufig auf eine Konfrontation zu?



Xi Jinping
Xi Jinping, Staats- und Parteichef von China, spricht während der Eröffnungszeremonie der internationalen Importmesse (CIIE). Foto: Aly Song/POOL Reuters/AP/dpa   Foto: dpa

Vier Jahrzehnte nach Beginn der Reform und Öffnung steht China am Scheideweg. Der Handelskrieg mit den USA droht, sich in einen «neuen Kalten Krieg» auszuweiten.

Ein Kampf zweier Systeme: Die westliche freie Marktwirtschaft gegen das «China-Modell» mit einer wieder wachsenden Staatswirtschaft. Staats- und Parteichef Xi Jinping gefiel sich zum Auftakt der ersten internationalen Importmesse (CIIE) in Shanghai zwar als verbaler Vorkämpfer des freien Welthandels.

Doch wurde in seiner Rede vergeblich nach konkreten neuen Reformen für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde gesucht, die auch den Konflikt mit den USA entschärfen könnten.

«Wir meinen es ernst mit der Öffnung des chinesischen Marktes», beteuerte der Präsident einmal mehr. Doch europäische Unternehmen in China sind nach Angaben der EU-Handelskammer längst «müde», ständig neue Versprechen zu hören, ohne konkrete Taten zu sehen. Wie stark der Staat heute wieder überall mitmischt, beweist schon die Messe in der ostchinesischen Hafenmetropole.

Wegen des Handelsstreits mit den USA organisierte die kommunistische Führung das Propaganda-Spektakel, allein um zu demonstrieren, dass Chinas Markt doch ganz offen ist und Anstrengungen unternommen werden, die Einfuhren zu steigern. Etwa 3600 Unternehmen aus rund 130 Ländern stellen bis diesen Samstag aus.

Vier Jahrzehnte Reform und Öffnung haben dem Land seit 1978 einen beispiellosen Aufschwung beschert, doch bewegt sich China vielfach wieder rückwärts, wie ausländische Geschäftsleute beklagen. So sehen die Botschafter Deutschlands und Frankreichs, Clemens von Götze und Jean-Maurice Ripert, die Zeit für «mutige Reformen» gekommen: «40 Jahre nach dem Start sollte China der Reform und Öffnung frische Impulse geben und neuen politischen und wirtschaftlichen Schwung für ausländische Unternehmen schaffen», schrieben sie in einem gemeinsamen Beitrag im Wirtschaftsmagazin «Caixin».

«Ziel muss es sein, dass ausländische Unternehmen in China ähnlich gute Bedingungen vorfinden wie chinesische Unternehmen es schon heute in Deutschland und der EU tun», sagte auch der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Christian Hirte (CDU), der zur Messe des wichtigsten deutschen Handelspartners angereist ist. Deutschland ist eines von zwölf Partnerländern. Es gibt eine Gemeinschaftsbeteiligung deutscher Unternehmen und einen deutschen Länderpavillon «Meet Germany». Unter den 170 deutschen Ausstellern sind auch große Namen wie Siemens, Bayer, Metro oder der Softwarekonzern SAP zu finden.

Alle hoffen zum 40. Jahrestag der Reformpolitik in China auf neue Initiativen, die den Markt weiter öffnen. Viel zu lange beklagen die deutschen wie auch andere ausländische Unternehmen schon Marktbarrieren, langwierige Lizenzverfahren, Diskriminierung gegenüber chinesischen Firmen, Behördenwillkür, Benachteiligung bei öffentlichen Ausschreibungen oder dreisten Technologieklau.

Die Europäer sind sich in ihren Klagen mit den Amerikanern einig. Die einseitigen Strafzölle von US-Präsident Donald Trump halten sie aber nicht für das geeignete Mittel, sondern würden lieber gemeinsam im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO) gegen China vorgehen. Trump hat schon die Hälfte aller Importe aus China mit Sonderabgaben belegt und droht mit einer Eskalation auf alle Einfuhren. Beide Präsidenten hatten vergangene Woche zumindest telefoniert, was als Fortschritt gewertet wurde. Auf dem Gipfel der großen Wirtschaftsnationen (G20) Ende des Monats in Buenos Aires wollen sie sich treffen.

Entweder will Xi Jinping seine Karten vorher nicht offenlegen - oder er hat ohnehin nicht vor, Konzessionen zu machen und wahre Reformen einzuleiten. Es blieb in seiner Rede bei allgemeinen, oft gehörten Versprechen: China wolle die Einfuhren erhöhen, den heimischen Konsum steigern, Importhürden verringern sowie den Marktzugang und den Schutz der Urheberrechte verbessern. Mit keinem Wort ging Xi auf den Handelskrieg ein und sprach sich nur allgemein gegen Unilateralismus im Welthandel aus, was auf Trumps «Amerika zuerst»-Politik zielte.

Die US-Handelskammer in China sah ein vorsichtiges Eingeständnis, «dass noch viel getan werden muss, um Chinas Märkte zu öffnen». «Wir werden sehen, ob es zu weitreichenden Reformen führt, die für eine faire und wechselseitige Geschäftsbeziehung zwischen beiden Seiten nötig sind», sagte der Vorsitzende William Zarit. «Hoffentlich ja.»

Dahinter steckt nach Überzeugung zweier namhafter chinesischer Ökonomen auch eher eine Systemfrage. Der Konflikt sei das Ergebnis des vielfach propagierten staatlichen «chinesischen Modells». So sieht Sheng Hong vom Pekinger Unirule Institut nur in echter Reform und Öffnung «die Garantie für eine strategische Kooperation zwischen China und den USA». Nur ein China, das gemeinsame Werte teile und sich in Richtung Markt, Rechtsstaatlichkeit und Demokratisierung bewegt, könne von den USA auf strategischer Ebene akzeptiert werden.

Aus Sicht des Ökonomen Zhang Weiying ist Chinas Aufstieg dem in Deutschland und anderen Ländern erfolgreichen «universellen Modell» zu verdanken - mit freier Marktwirtschaft, kreativen Unternehmern und der Übernahme des technologischen Fortschritts aus dem Westen. Er kritisiert all jene, die das «chinesische Modell» mit einer starken Regierung, großer Staatswirtschaft und staatlicher Lenkung der Industrie propagieren.

«Sich selbst in die Irre zu führen, bedeutet innenpolitisch eine Zukunft der Selbstzerstörung», warnt der Ökonom in einem Beitrag, der von der Webseite der Universität gelöscht wurde. «Blindlings» ein solches einzigartiges, «chinesisches Modell» zu betonen, führe zur Umkehr des Reformprozesses. Mehr noch. «Die Welt in die Irre zu führen, führt außenpolitisch zur Konfrontation», warnt Zhang Weiying. «In den Augen der Westler ist das sogenannte «China-Modell» gleich «Staatskapitalismus», der mit gerechtem Handel und Weltfrieden unvereinbar ist und dem nicht erlaubt werden darf, ungehindert triumphierend voranzuschreiten.»

Nach dieser Theorie steuert China unaufhaltsam auf Kollisionskurs. In den sechs Jahren seit seinem Amtsantritt hat Xi Jinping bereits beschlossene Reformen zurückgedreht. In seinem «neuen Zeitalter des Sozialismus chinesischer Prägung» spielt ohnehin der Staat - nicht der Markt - die Hauptrolle. Aus seiner Sicht ist China mit seinen 1,3 Milliarden Verbrauchern auch vom Handelskrieg nicht zu erschüttern: «Die chinesische Wirtschaft ist kein Teich, sondern ein Ozean», sagte Xi Jinping in seiner Rede. «Kräftige Winde und Stürme können einen Teich durcheinanderwirbeln, aber niemals einen Ozean.»

Veröffentlicht am:
05. 11. 2018
14:42 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Ausländer CDU Christian Hirte Donald Trump G-20 Handelskriege Handelspartner Kapitalismus Marktbarrieren Messen Ozeane SAP AG Siemens AG Staatswirtschaft Welthandelsorganisation Xi Jinping
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Xi Jinping

05.11.2018

Chinas Präsident sagt Marktöffnung zu

Im Handelskrieg mit den USA steht China unter Druck. Präsident Xi verspricht vage, die Einfuhren zu erhöhen und Markthürden abzubauen. Im Poker mit Trump will er seine Karten wohl nicht aufdecken. » mehr

Donald Trump

26.08.2019

USA und China bemühen sich um verbale Abrüstung

Gerade erst flogen noch die Fetzen zwischen Washington und Peking: Beide Seiten verkündeten neue, schmerzhafte Strafmaßnahmen. Nun schlagen sie plötzlich betont warme Worte an, und Trump äußert Hoffnung auf ein Abkommen.... » mehr

Altmaier in Peking

20.06.2019

Huawei als Chefsache: Altmaier will Gründer treffen

Eine ungewöhnliche Begegnung: Der Bundeswirtschaftsminister trifft den Gründer von Chinas Telekom-Riesen Huawei, den US-Präsident Trump als Bedrohung für die Welt ansieht. Ren Zhengfei setzt auf Europa. » mehr

Altmaier in Peking

19.06.2019

Altmaier fordert mehr Marktzugang in China

Deutschland teilt die Kritik der USA an unfairen Marktbedingungen in China, sieht den Handelskrieg aber nicht als Lösung. Im Gegenteil. Altmaier redet dafür Klartext in Peking. Bringt es auch etwas? » mehr

Container im Qingdao-Hafen

15.07.2019

Handelskrieg mit den USA drückt Chinas Wachstum

Der Handelskrieg macht Chinas Wirtschaft zu schaffen. Entspannung ist nicht in Sicht. Peking steuert mit Konjunkturmaßnahmen gegen. Doch wächst die Verschuldung. Was bedeutet das für deutsche Unternehmen? » mehr

Hafen in Qingdao

15.07.2019

Handelskrieg bremst China: Wachstum auf 6,2 Prozent gefallen

Der Handelskrieg macht Chinas Wirtschaft zu schaffen. Entspannung ist nicht in Sicht. Peking steuert mit Konjunkturmaßnahmen gegen. Doch wächst die Verschuldung. Was bedeutet das für deutsche Exporteure? » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Coburger Weihnachtsbaum 2019

Anlieferung Coburger Weihnachtsbaum | 18.11.2019 Coburg
» 19 Bilder ansehen

BBC Coburg - Gießen 46ers Rackelos 101:78 (58:34) Coburg

BBC Coburg - Gießen 46ers Rackelos 101:78 (58:34) | 17.11.2019 Coburg
» 46 Bilder ansehen

Rathaussturm in Steinberg Steinberg

Rathaussturm in Steinberg | 16.11.2019 Steinberg
» 8 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
05. 11. 2018
14:42 Uhr



^