Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: CoronavirusVideosCotubeBlitzerwarner

Wirtschaft

Chinesische Investitionen in Europa gehen erneut zurück

Investoren aus China haben noch immer Appetit, strengere Regeln erschweren ihnen aber das Geschäft. Wie wahrscheinlich ist eine Schnäppchenjagd nach der Corona-Pandemie?



Containerschiff
Ein Containerschiff der China Ocean Shipping Company am Hamburger Hafen.   Foto: Christian Charisius/dpa

Firmen aus China haben im vergangenen Jahr erneut weniger Geld für Übernahmen in der Europäischen Union in die Hand genommen.

Die Direktinvestitionen in die 28 EU-Länder sanken 2019 um 33 Prozent auf zwölf Milliarden Euro, wie aus einer Analyse des Berliner Merics-Instituts und der US-Beratungsfirma Rhodium Group hervorgeht. Nach dem bisherigen Höchststand im Jahr 2016 ist es der dritte Rückgang chinesischer Investitionen in Folge.

Nach Darstellung der Autoren haben chinesische Firmen zwar immer noch großes Interesse an Übernahmen im Ausland, veränderte Rahmenbedingungen in China und Europa würden es ihnen jedoch erschweren, Kapital aufzunehmen und notwendige Genehmigungen zu erhalten.

Wie aus der Untersuchung hervorgeht, beeinflusst auch die derzeitige Coronavirus-Pandemie die Investitionsströme «tiefgreifend». So habe sich die Schließung großer Teile der chinesischen Wirtschaft im Februar und März im ersten Quartal negativ auf die Geschäftsabschlüsse ausgewirkt.

Die Krise schaffe aber für chinesische Firmen auch Kaufmöglichkeiten in Europa und anderswo, da die Aktienmärkte weltweit eingebrochen sind. Ein Kaufrausch bei chinesischen Investoren wie nach der Finanzkrise 2009 und der Eurokrise 2013 sei dieses Mal jedoch weniger wahrscheinlich.

«Es ist zu erwarten, dass chinesische Unternehmer in Einzelfällen, zum Beispiel in Großbritannien in der Chipindustrie oder in Deutschland im Automobilsektor versuchen werden zuzugreifen», sagte Merics-Direktor Mikko Huotari anlässlich der Veröffentlichung der Studie. Die gesamtwirtschaftliche Lage in China mache dies aber für Unternehmen dort nicht leicht. «Europäische Stabilisierungs- und Abwehrmaßnahmen werden das außerdem weitgehend verhindern», so Huotari.

Trotz zunehmender Bedenken der europäischen Regierungen gehörten Technologiefirmen im vergangenen Jahr erneut zu den Top-Zielen für chinesische Übernahmen. Der Sektor machte demnach ein Fünftel aller Transaktionen mit einem Volumen von 2,4 Milliarden Euro aus.

Laut Huotari verfolge China zwar weiterhin den Plan, die Wirtschaft des Landes auch mit Hilfe gezielter Übernahmen zu modernisieren. Durch die Verschärfung von Investitionsprüfungen sei es für chinesische Unternehmen jedoch schwieriger geworden, in kritischen Technologiebereichen zu investieren.

Direktinvestitionen seien allerdings nur ein möglicher Kanal, um sich Technologien und Know-how zu sichern. Nach der Merics-Studie nehme das Investitionsvolumen zwar ab, dafür seien aber immer mehr Forschungskooperationen zwischen Firmen, Universitäten und Regierungen aus China und EU-Staaten zu beobachten.

Zwar sei die «überwiegende Mehrheit» dieser Kooperationen für beide Seiten von Vorteil, sagte Agatha Kratz von der Rhodium Group. In einigen Fällen habe man jedoch festgestellt, dass Forschungspartnerschaften, die bei weitem nicht so genau geprüft würden wie Übernahmen, den Transfer sensibler Technologien erleichtern könnten. Die Studien-Autoren empfehlen der Politik deshalb, Richtlinien auch für solche Kooperationen auf den Weg zu bringen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
08. 04. 2020
05:24 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Chinesische Unternehmen Direktinvestitionen Euro Eurokrise Europäische Union Finanzkrisen Geschäftsabschlüsse
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Dunkle Wolken über Frankfurt

18.03.2020

Experten befürchten deutlichen Konjunktureinbruch

Die Coronavirusepidemie belastet das Wirtschaftsleben. Ökonomen rechnen mit einem Konjunktureinbruch. Wie hart könnte es Deutschland treffen? » mehr

Karosseriewerk

16.06.2020

Corona beschleunigt massive Umwälzung der Weltwirtschaft

Der Wunsch nach kürzere Lieferketten und mehr Nachhaltigkeit, aber auch Protektionismus haben den Welthandel schon vor Corona verändert. UN-Ökonomen zeigen auf, wie der Wirtschaftsschock durch die Pandemie den tiefgreife... » mehr

Klaus Regling

19.04.2020

Corona-Krise: ESM-Chef erwartet weitere 500 Milliarden

Die EU-Staaten haben erst kürzlich nach zähen Verhandlungen ein erstes Hilfspaket von mehr als 500 Milliarden Euro für Arbeitnehmer, Firmen und schlingernde Staaten geschnürt. Nun bringt der Chef des Eurorettungsschirms ... » mehr

Olaf Scholz

16.04.2020

EU-Finanzminister: Banken sollen auf Dividenden verzichten

Bürger und Unternehmen sollen flüssig bleiben in der Krise, und sei es auch nur auf Kredit. Dafür sollen sich auch Banken anpassen. Bundesfinanzminister Scholz stellt sich hinter eine flexible Auslegung der Regeln. » mehr

Notkaufprogramm

19.03.2020

EZB legt Corona-Notprogramm auf

Die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise sind gewaltig. Nur eine Woche nach der regulären EZB-Sitzung legen Europas Währungshüter nach. Die Notenbank steckt hunderte Milliarden in Anleihen - vorerst. » mehr

Lebensversicherung

08.07.2020

Analyse: Ein Viertel der Lebensversicherer hat Probleme

Die deutschen Lebensversicherer verfügen nach Angaben des Bundes der Versicherten über 100 Milliarden Euro ihrer Kunden. Das Geld sei dort aber nicht immer in guten Händen, kritisiert der Verbraucherverein. Besondere Tra... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Lkw bleibt in Unterführung stecken

Lkw bleibt in Unterführung stecken | 09.07.2020 Coburg
» 13 Bilder ansehen

Lagerhalle in Geiselwind brennt völlig aus Geiselwind

Lagerhalle brennt völlig aus | 23.06.2020 Geiselwind
» 31 Bilder ansehen

BMW und Motorrad stoßen auf der B 173 zusammen Redwitz an der Rodach

BMW und Motorrad stoßen auf der B 173 zusammen | 23.06.2020 Redwitz an der Rodach
» 8 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
08. 04. 2020
05:24 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.