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Wirtschaft

Container-Betrugsskandal - P&R-Firmengründer angeklagt

Es war eine Luftnummer gigantischen Ausmaßes: Über eine Million nicht existenter Container soll die Firma P&R im Münchner Millionärsvorort Grünwald an ahnungslose Anleger verkauft haben - möglicherweise der größte Betrugsfall der Nachkriegsgeschichte.



P&R-Betrugsskandal
Das Logo der insolventen Containerinvestmentfirma P&R Container Vertriebs und Verwaltungs-GmbH.   Foto: Matthias Balk

Nach dem Milliardenbetrug bei der insolventen Containerfirma P&R hat die Staatsanwaltschaft München I Anklage gegen Firmengründer Heinz Roth erhoben.

Dem 75 Jahre alten Manager werden 414 Fälle des gewerbsmäßigen Betrugs mit einem Schaden von knapp 18 Millionen Euro vorgeworfen, wie der Leitende Oberstaatsanwalt Hans Kornprobst sagte.

Dabei sei nur ein kleiner Teil der «gigantisch großen Anlagesumme» von 3,5 Milliarden Euro berücksichtigt. Gegen drei weitere Beschuldigte sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.

Roth ist die Schlüsselfigur im möglicherweise größten Betrugsfall der deutschen Nachkriegsgeschichte. P&R mit Sitz im noblen Münchner Vorort Grünwald verkaufte Container als Kapitalanlage an Privatanleger. Roth und seine mutmaßlichen Komplizen verkauften den ahnungslosen Kunden insgesamt 1,6 Millionen Container. Doch das war eine Milliarden-Luftnummer: «Es hätten vorhanden sein sollen 1,6 Millionen Container», sagte Chefermittler Kornprobst. «Tatsächlich vorhanden sind etwas über 617.000.»

Viele der geprellten P&R-Kunden sind Rentner und Pensionäre, die ihre Altersvorsorge aufbessern wollten. Laut Insolvenzverwalter Michael Jaffé ist fast ein Drittel der Anleger über 70 Jahre alt. P&R vermietete die Container dann in deren Auftrag an Frachtunternehmen, damit sollte die Rendite finanziert werden. Außerdem bot P&R den Anlegern den Rückkauf nach fünf Jahren an.

Insolvenzverwalter Jaffé hofft, mit der Verwertung der existierenden Container noch gut eine halbe Milliarde Euro erlösen zu können. Somit steht die Vermutung im Raum, dass am Ende um die drei Milliarden Euro verloren sein könnten. «Es gibt Schätzungen, dass der Schaden größer sein könnte als bei Flowtex», sagte Anne Leiding, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Der Flowtex-Skandal Ende der 90er Jahre ist als bislang größter bekannter Betrugsfall in Deutschland in die Rechtsgeschichte eingegangen: Flowtex-Boss Manfred S. - genannt «Big Manni» - und seine Komplizen hatten über 3000 nicht vorhandene Spezialbohrmaschinen für unterirdische Bauarbeiten verkauft und damit gut zwei Milliarden Euro erschwindelt.

Chefermittler Kornprobst begründete die Beschränkung auf 414 Fälle mit der Komplexität der Ermittlungen und der gebotenen Eile - Roth sitzt seit vergangenem Jahr in Untersuchungshaft. Denn würden die Ermittler sämtliche Fälle untersuchen, könnte das nach den Worten des Leitenden Oberstaatsanwalts Jahre dauern. Dass die Staatsanwälte nur 414 Fälle anklagen, hat auf die Ansprüche der übrigen geprellten Anleger im Insolvenzverfahren keine Auswirkungen, da strafrechtliches und zivilrechtliches Verfahren getrennt laufen.

Das betrügerische Geschäftsmodell von P&R ähnelte dem Vorgehen bei Flowtex: Mit dem Geld immer neuer Kunden wurden die versprochenen hohen Renditen für die alten Anleger gezahlt. Da über sechzig Prozent der verkauften Container nicht existierte, deckten die Einnahmen aus der Vermietung der Container aber bei weitem nicht die Renditeversprechen. Laut Staatsanwaltschaft betrug das Ausfallrisiko einer Kapitalanlage bei P&R kurz vor der Insolvenz im März 2018 mindestens 50 Prozent.

Das System konnte nur funktionieren, solange ständig neue Anleger gefunden wurden. Kornprobst sprach von «Merkmalen eines Schneeballsystems». Die Mitte der 1970ger Jahre gegründete Firmengruppe war nach den Erkenntnissen der Staatsanwälte aber nicht von Anfang an auf Schwindel angelegt. Der Hauptverdächtige Roth hat zwar mit den Ermittlern gesprochen, aber kein Geständnis abgelegt: «Er hat Angaben gemacht. Das heißt nicht, dass er alles zugegeben hätte», sagte Kornprobst.

Hinweise auf Unregelmäßigkeiten bei P&R gab es seit Jahren: Die Unstimmigkeit im P&R-Geschäftsmodell bestand unter anderem darin, dass P&R weit mehr Geld an die Anleger auszahlte, als die Containervermietung einbrachte. Die «Stiftung Warentest» hatte das im Juni 2017 publik gemacht, Zweifel am P&R-Geschäftsmodell und Diskussionen in der Fachwelt gab es schon Jahre vorher. Von Anlegern gibt es daher Kritik an der Finanzaufsicht Bafin, weil die mutmaßlichen Betrügereien über ein Jahrzehnt unentdeckt blieben.

Roth selbst bezifferte sein Privatvermögen laut einem Gutachten der P&R-Insolvenzverwalter auf 10 bis 13 Millionen Euro. Der Firmengründer hat jedoch die Kontrolle über sein Vermögen abgeben müssen. Seit Dezember haben darauf nur noch die Insolvenzverwalter Zugriff. Jaffé peilt die ersten Zahlungen an die Gläubiger für das Jahr 2020 an. 

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dpa

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Veröffentlicht am:
07. 02. 2019
14:45 Uhr

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07. 02. 2019
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