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Wirtschaft

Conti will Corona-Talsohle mit Einsparungen überbrücken

Der Doppelschlag aus Viruskrise und Branchenumbruch trifft die Autoindustrie weltweit. Continental muss seine Kostenziele wegen des Corona-Konjunkturknicks jetzt nachschärfen. Für die Mitarbeiter dürften die Risiken steigen - die Aktionäre bekommen eine Dividende.



Hauptversammlung
Flaggen der Continental AG wehen auf dem Contidrom-Gelände.   Foto: Holger Hollemann/dpa

Der Nachfrageeinbruch in der Corona-Krise zwingt den Autozulieferer Continental zur Verschärfung seines schon laufenden Sparkurses.

Unabhängig von der strukturellen Umwälzung der Branche zu E-Mobilität und Digitalisierung müsse der Konzern kurzfristig noch stärker reagieren, sagte Vorstandschef Elmar Degenhart bei der Hauptversammlung in Hannover. «Das Virus verschärft vor allem den konjunkturellen Rückschlag. Wir justieren unsere Finanzstruktur neu. Wir bauen uns eine Corona-Brücke über die kommenden Jahre.»

Überkapazitäten würden abgebaut. «Wir reduzieren Investitionen, wir verringern Arbeits- und Sachkosten. Im Klartext: Wir sparen jetzt zusätzlich Geld ein.» Es gehe um mehrere Hundert Millionen Euro, so Degenhart. «Auswirken wird sich das bis 2022. Dazu stehen wir bereits im engen Austausch mit den Vertretern unserer Belegschaft.» Das Programm «Transformation 2019-2029» mit einer angepeilten Reduzierung der Bruttokosten um 500 Millionen Euro laufe weiter. «Die Krise ändert nichts daran», meinte Degenhart vor den online zugeschalteten Aktionären. «Im Gegenteil: Wir strengen uns jetzt noch mehr an.»

Conti steckte schon vor der Pandemie in einem Umbau, bei dem weltweit Tausende Stellen wegfallen könnten. So geht etwa in Westeuropa die Produktion von Pumpen und Verbrenner-Einspritztechnik schrittweise zu Ende. Auch Anzeige- und Bedienelemente sind betroffen. Gleichzeitig werden Mitarbeiter weiterqualifiziert und Stellen besonders im Software-Bereich geschaffen. Bisher wurden 3000 Jobs «verändert», wie sich das Unternehmen ausdrückt. Etliche Beschäftigte sind inzwischen umgeschult, etliche haben den Dax-Konzern allerdings auch verlassen.

«Investitionen, die in die Zukunft geschoben werden können, analysieren wir aktuell sehr genau», erklärte Degenhart. «Es ist auch möglich, dass wir betriebsbedingt kündigen müssen. Aber das ist nur das letzte Mittel.» Personalvorständin Ariane Reinhart betonte, auch Arbeitszeitverkürzung sei ein mögliches Instrument, um die Kosten zu drücken und gleichzeitig Fachkräfte im Unternehmen zu halten.

Die IG Metall mahnte, das Bekenntnis zu Zukunftstechnologien wie E-Antrieben oder dem autonomen Fahren müsse auch zu hinreichendem Jobaufbau in solchen Bereichen führen. «Das Unternehmen muss eine nach vorn gerichtete Strategie vorlegen, mit der Beschäftigung und Ausbildung bestmöglich gesichert werden», sagte die Vizechefin der Gewerkschaft und Vize-Aufsichtsratsvorsitzende von Conti, Christiane Benner. Der Leiter des IG-Metall-Bezirks Mitte, Jörg Köhlinger, erinnerte das Management daran, dass Politik und Sozialversicherungen schon viel leisteten: «Wir werden es nicht akzeptieren, wenn jetzt einige die Krise für umfangreiche Strukturanpassungen nutzen wollen.»

Degenhart wies die Anteilseigner darauf hin, dass die Pandemie tiefe Spuren in der Bilanz hinterlässt. Conti erwartet für das zweite Quartal rote Zahlen. Der April sei bei Umsatz und Ergebnis am schwächsten gewesen. «Der Mai lag über April, und der Juni über dem Mai», umriss Degenhart eine leichte Erholung. Doch selbst im Juni hätten die Erlöse noch deutlich unter dem Vorjahresmonat gelegen.

Im vergangenen Jahr hatte Conti vor allem wegen hoher Abschreibungen und Probleme auf dem chinesischen Markt einen Milliardenverlust eingefahren. Die Aktionäre bekommen für das Geschäftsjahr 2019 dennoch eine Dividende von 3 Euro je Papier - der ursprüngliche Vorschlag lag bei 4 Euro und damit schon 75 Cent unter dem Vorjahr, wurde aber wegen Corona noch einmal zurechtgestutzt.

Laut Degenhart wird es noch dauern, bis die Folgen der Viruskrise weggesteckt sind: «Weder in Europa noch in Amerika wird sich die Wirtschaft schnell erholen.» Zulieferer seien in einer «Talsohle». «Frühestens nach 2025 erreichen wir wieder das Niveau von 2017.» Im spanischen Rubí und in Nogales (Mexiko) schließt Conti im Rahmen des laufenden Konzernumbaus zwei Werke mit etwa 2700 Beschäftigten.

Die Anleger stimmten mit breiter Mehrheit für die Beschlussvorschläge des Unternehmens. Großaktionär ist mit 46 Prozent der Anteile die Industriellenfamilie Schaeffler, deren gleichnamiger Auto- und Industriezulieferer ebenfalls schwer von der Krise betroffen ist.

Continental investiert Milliarden in E-Antriebe, Software, Sensorik sowie Technologien für das assistierte Fahren. Die Antriebssparte, die in das Unternehmen Vitesco abgespalten wird, bietet aber auch noch Technik für Benzin- und Dieselmotoren. «Wir erwarten keine Renaissance des Verbrenners», sagte Degenhart. «Die Technologie wird uns jedoch noch über einen längeren Zeitraum begleiten.»

Zu den Diesel-Ermittlungen gegen frühere und aktuelle Beschäftigte der einstigen Siemens-Autosparte VDO, die Conti 2007 übernommen hatte, machte das Management keine weiteren Angaben. Finanzvorstand Wolfgang Schäfer betonte, Prüfungen der Staatsanwaltschaft Hannover, wonach es Zulieferungen für VW-Abschalteinrichtungen gegeben haben könnte, richteten sich nicht gegen die Continental AG oder Töchter, sondern gegen einzelne Personen. Der Kenntnisstand sei nach wie vor, dass es keine Hinweise auf Beteiligung an Manipulationstechnik gibt.

© dpa-infocom, dpa:200714-99-788219/6

Veröffentlicht am:
14. 07. 2020
23:08 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
14. 07. 2020
23:08 Uhr



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