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Wirtschaft

Corona-Krise bringt Freizeitparks in Existenznot

Die erste Hochsaison in den Osterferien haben die Freizeitparks verpasst - das Coronavirus hat den Betreibern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Doch die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie könnten mancherorts noch gravierendere Folgen haben.



Corona-Krise: Freizeitparks in existenziellen Nöten
Der Eingang des Playmobil-FunParks in Zirndorf bei Nürnberg. Die Corona-Krise bringt manche Freizeitparks nach Angaben ihres Verbands in existenzielle Not.   Foto: Daniel Karmann/dpa

Die Sonne scheint, die Kinder sind zu Hause und auch die Eltern haben Zeit - eigentlich ideale Bedingungen für einen Ausflug in den Freizeitpark. 

Dort bilden sich gerade nicht einmal vor den Achterbahnen lange Schlangen, doch der Grund ist ein trauriger: Wegen der Corona-Pandemie und den Gegenmaßnahmen steht der Betrieb still. «Das Coronavirus hat uns aus voller Fahrt abgebremst», sagte die Geschäftsführerin des Legolands in Günzburg, Manuela Stone.

Die Vorbereitungen für die Saison seien so gut wie abgeschlossen gewesen: Blumen gepflanzt, die Fahrzeuge der Attraktionen wieder an Ort und Stelle. «Wir können jederzeit starten», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. «Von unseren kleinen und großen Fans bekommen wir viele Nachrichten, wie sehr sie sich schon auf den Besuch im Legoland freuen.» Der Wunsch in den Familien nach ein bisschen Entspannung sei also groß, auch wenn Hygieneregeln gelten.

Stattdessen bedeutet der Stillstand für die Beschäftigten im Legoland erst einmal Kurzarbeit, wie Stone, berichtete: «Derzeit sind über 700 saisonale wie festangestellte Mitarbeiter in Kurzarbeit Null mit Aufstockung des gesetzlichen Betrags um den freiwilligen, arbeitgeberseitigen Zuschuss.» Am Standort seien 80 Mitarbeiter inklusive Auszubildender. Sie erledigten unter anderem Verwaltungsaufgaben und beantworteten Anfragen von Kunden.

Damit steht das Legoland nicht alleine da, wie der Geschäftsführer des Verbands Deutscher Freizeitparks und Freizeitunternehmen (VDFU), Jürgen Gevers, sagte. Überall in Deutschland stehen Achterbahnen und Wasserrutschen still. Nicht absehbar sei auch, wie sich die Nachfrage entwickle, wenn die Parks wieder öffnen. Wegen Kurzarbeit hätten manche Menschen unter der Woche vielleicht im Moment mehr Zeit, sie achteten womöglich aber auch mehr als sonst aufs Geld.

Manch ein Freizeitpark droht deswegen für immer schließen zu müssen, machte Gevers deutlich: Wenn auf den ausgefallenen Saisonstart in den Osterferien auch ein Besuchsverbot in den Sommerferien folgen sollte, könnte das für rund 40 Prozent der Parks das Aus bedeuten. «Mit rund sieben Monaten, in denen Geld verdient wird, ist die Saison kurz.»

Seine Mitglieder hätten akute Probleme mit der Finanzierung. Die Sofortmittel der Regierung reichten nicht aus. Und an dringend benötigte Kredite kämen die überwiegend mittelständischen Familienunternehmen nur schwer, so Gevers. Banken forderten eine hundertprozentige Sicherheit, die es nicht gebe.

Schutzmaßnahmen sind nach Ansicht des Verbandsgeschäftsführers in den Parks relativ gut einzuhalten: «Die Betreiber haben Hausrecht und können entscheiden, dass man nur mit Mundschutz reinkommt.» An den Eingängen könnte die Besucherzahl reguliert werden. Und die Reinigung etwa von Toiletten könnte häufiger gemacht werden als sonst.

Beim Heide-Park Soltau hofft man, nicht unter «Großveranstaltungen» zu fallen, die nach dem jüngsten Bund-Länder-Beschluss bis 31. August verboten bleiben sollen. «Wir sehen uns nicht als Großveranstaltung und sind aktuell in der Klärung, was dies für eine, hoffentlich baldige, Öffnung des Heide Park Resorts bedeutet», schreibt der Betreiber auf seiner Homepage. Der Besuch eines weitläufigen Freizeitparkgeländes berge ein geringeres Infektionsrisiko als der Gang durch eine Fußgängerzone oder ein Einkaufszentrum.

Rund 150 000 Arbeitsplätze sind nach Gevers' Angaben inklusive der Zulieferer mit der Branche verknüpft. Gerade Parks mit Tieren könnten die laufenden Kosten nicht einfach senken. «Auch wir sind der Meinung, Gesundheit steht über der Wirtschaft», betonte Gevers. Doch wo ein Freizeitpark schließe, mache nicht so schnell ein anderer auf. Und in strukturschwächeren Regionen seien sie durchaus ein Jobmotor.

Legoland-Chefin Stone sagte: «Unser Ziel ist es, Arbeitsplätze zu erhalten und die wirtschaftlichen Auswirkungen auf unsere Mitarbeiter so gering wie möglich zu halten.» Der Playmobil-FunPark in Zirndorf bei Nürnberg teilte mit, Mitarbeiter bauten Überstunden ab oder nähmen Urlaub. «Wir ermöglichen den Aufbau von Minusstunden.» Etwas mehr als 100 Menschen plus Saisonkräfte seien dort beschäftigt. Die Zeit jetzt werde etwa für Pflaster- und Malerarbeiten genutzt. 

Der Skyline Park im Allgäu klärt auf seiner Homepage schon mal über «Vorkehrungen zum Schutz des Wohlergehens unserer Gäste und Mitarbeiter» auf - dazu gehören Abstand halten beim Husten und Niesen, Händeschütteln vermeiden, regelmäßig seine Hände mit Seife waschen oder Desinfektionsmittel verwenden.

«Ein Start ist für uns jederzeit möglich, sobald die Lage sich entspannt und die Regierung hierfür grünes Licht gibt», erklärte ein Sprecher des Playmobil-FunParks. Die Außensaison dauere regulär bis Anfang November, dann folge der Winterzauber. «Wir hoffen darauf, dass viele Familien ihren Besuch zu einem späteren Zeitpunkt nachholen, wenn die Maßnahmen gelockert werden können.» Und auch Deutschlands größter Freizeitpark, der Europa-Park in Rust bei Freiburg, macht Hoffnung: die Showprogramme seien ausgearbeitet, die Attraktionen in Startposition und die Gartenanlagen zeigten sich in voller Pracht. «Unser größter Wunsch ist es, Sie liebe Besucher, baldmöglichst wieder lachend hier vor Ort begrüßen zu dürfen.»

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dpa

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Veröffentlicht am:
21. 04. 2020
12:24 Uhr

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21. 04. 2020
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