Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: CoronavirusVideosCotubeBlitzerwarner

Wirtschaft

Corona-Prämie für Firmen bei Übernahme von Azubis

Wegen Corona droht auch auf dem Ausbildungsmarkt eine Krise. Hunderttausende Betriebe sind in Schwierigkeiten geraten. Die Azubis sollen die Auswirkungen aber nicht spüren.



Prämie für Übernahme von Azubis
Ein Auszubildender steht mit einem Hammer an einem Schraubstock. Betriebe, die Azubis von insolvent gegangenen Firmen übernehmen, sollen eine staatliche Prämie bekommen.   Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Bund, Länder, Wirtschaft und Gewerkschaften wollen einen Einbruch auf dem Lehrstellenmarkt in der Corona-Krise verhindern. Dazu haben sie in der sogenannten Allianz für Aus- und Weiterbildung gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit verschiedene Maßnahmen vereinbart.

So sollen Betriebe, die Azubis von insolventen Firmen übernehmen, eine staatliche Prämie bekommen. Zudem soll die Beratung von Jugendlichen und Betrieben noch gezielter werden - auch mit mehr digitalen Formaten.

Die Übernahmeprämie soll es zunächst befristet bis zum Ende des Jahres geben. Wie hoch sie ausfällt, ist noch unklar. Die Details dazu würden derzeit innerhalb der Bundesregierung abgestimmt, hieß es aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Die Wirtschaft hielt sich mit konkreten Forderungen zur Höhe zurück.

Wegen der Corona-Krise sind Hunderttausende Firmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Besonders betroffen ist zum Beispiel die Hotel- und Gastronomiebranche. Befürchtet wird, dass Firmen als Ausbildungsbetriebe wegbrechen und dass andere aus Verunsicherung wegen der Krise ihre Ausbildungsaktivitäten zurückfahren. Schon Anfang Mai hatte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) von einem Minus von acht Prozent bei den Ausbildungsplätzen im Vergleich zum Mai 2019 gesprochen.

«Die Partner der Allianz für Aus- und Weiterbildung sind sich einig, dass die Corona-Krise nicht zu einer Krise auf dem Ausbildungsmarkt führen darf, mit negativen Auswirkungen auf die berufliche Zukunft junger Menschen und die Fachkräftesicherung», hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung vom Dienstag.

Hinzu kommt, dass die Situation auf dem Lehrstellenmarkt auch ohne Corona schon problematisch war. Laut dem kürzlich veröffentlichten jährlichen Berufsbildungsbericht boten die Betriebe 2019 rund 11.000 Ausbildungsstellen weniger an als 2018. Das Angebot lag bei knapp 578.000. Gleichzeitig sank aber auch die Zahl der Bewerber von 556.000 auf knapp 550.000. Die Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge ging um 6300 auf 525.100 zurück. Rechnerisch bestand damit zwar weiterhin ein Überangebot, aber sinkende Azubizahlen bedeuten auch sinkenden Fachkräftenachwuchs.

Hans-Jürgen Urban, Vorstandsmitglied der IG Metall, sagte am Dienstag, gemeinsames Ziel müsse es nun sein, einen Corona-Jahrgang junger Menschen ohne Berufsabschluss zu verhindern. Insbesondere die Unternehmen müssten Verantwortung übernehmen und auf die in einigen Betrieben bereits angekündigte pandemiebedingte Reduzierung von Ausbildungsstellen verzichten.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) begrüßte die geplante Prämie für Unternehmen, die Azubis von insolventen Betrieben übernehmen, forderte aber weitergehende Hilfen. Ein gutes Beispiel sei Mecklenburg-Vorpommern, wo die Landesregierung 80 Prozent der Ausbildungsvergütungen in Unternehmen übernehme, wenn diese trotz Kurzarbeit die Ausbildung fortsetzten, sagte die stellvertretende NGG-Vorsitzende Claudia Tiedge.

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, kündigte verstärkte Vermittlungsbemühungen der Wirtschaft an: Kammern und Verbände würden zum Beispiel «virtuelle Speed Datings» ausprobieren, ihre Lehrstellenbörsen ausbauen und «sich intensiv dafür einsetzen», dass Auszubildende trotz schwieriger Rahmenbedingungen ihre Abschlussprüfungen ablegen könnten.

Entlastung für die Ausbildung forderte der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Dies sei notwendig, «damit die Ausbildungskette nicht reißt und Betriebe auch in der Zukunft in der Lage sind, Ausbildung zu stemmen», sagte ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke. Einer Umfrage unter Handwerksbetrieben im April zufolge will ein Viertel der befragten Betriebe im Herbst weniger Ausbildungsplätze anbieten.

Veröffentlicht am:
26. 05. 2020
17:19 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Anja Karliczek Ausbildungsplätze Auszubildende Berufsausbildungsverträge und Lehrverträge Bundesagentur für Arbeit Bundesbildungsminister Bundesministerium für Wirtschaft CDU Deutsche Industrie Deutscher Industrie- und Handelskammertag Gewerkschaften Handwerk Handwerksbetriebe IG Metall Lehrstellenmarkt Unternehmen Zentralverband des Deutschen Handwerks
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Auszubildende

06.05.2020

Corona-Krise verschärft Lage auf Ausbildungsmarkt

Auch ohne Corona-Krise hat es auf dem Lehrstellenmarkt schon geknirscht. Die Lage dürfte sich nun weiter verschärfen. Gewerkschaften und Wirtschaft fordern Unterstützung für Unternehmen, damit nicht weitere Ausbildungspl... » mehr

Ausbildung

24.06.2020

Staat will Unternehmen Corona-Prämien für Ausbildung zahlen

Aus der Wirtschaftskrise soll nicht auch noch eine Ausbildungskrise werden. Deshalb hat das Bundeskabinett Hilfen für angeschlagene Unternehmen auf den Weg gebracht, die trotzdem ihre Azubis halten und weiter ausbilden. » mehr

Schwieriges Ausbildungsjahr

02.07.2020

Das schwierige Corona-Ausbildungsjahr - DIHK erwartet Delle

Das Ausbildungsjahr 2020 findet unter erschwerten Bedingungen statt. Die Zahl der Lehrstellen wird voraussichtlich niedriger ausfallen. Politik und Wirtschaft wollen aber gegensteuern. » mehr

Steinmeier

23.06.2020

Steinmeier und Wirtschaft rufen Betriebe zur Ausbildung auf

Droht in der Corona-Pandemie ein Ausbildungsdesaster? Die Befürchtung besteht. Denn viele Betriebe, die bislang ausgebildet haben, sind jetzt in Schwierigkeiten. Das hat auch den Bundespräsidenten auf den Plan gerufen. » mehr

Ausbildungsplätze im Handwerk

04.05.2020

DIHK fordert vom Bund Bonus für zusätzliche Azubi-Plätze

Die deutsche Wirtschaft bangt in der Corona-Krise um die Zukunft der Ausbildung. Das könnte den Mangel an Fachkräften in bestimmten Berufen verschärfen. Welche Vorschläge die Wirtschaft nun hat. » mehr

Baustelle

28.06.2020

Viele Betriebe noch weit von Normalität entfernt

Verbands-Umfragen belegen es: Viele Betriebe werden länger kämpfen müssen, um die Folgen der Corona-Krise zu bewältigen. Das wird auch Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt haben, wie Ökonomen vorhersagen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Lkw bleibt in Unterführung stecken

Lkw bleibt in Unterführung stecken | 09.07.2020 Coburg
» 13 Bilder ansehen

Lagerhalle in Geiselwind brennt völlig aus Geiselwind

Lagerhalle brennt völlig aus | 23.06.2020 Geiselwind
» 31 Bilder ansehen

BMW und Motorrad stoßen auf der B 173 zusammen Redwitz an der Rodach

BMW und Motorrad stoßen auf der B 173 zusammen | 23.06.2020 Redwitz an der Rodach
» 8 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
26. 05. 2020
17:19 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.