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Wirtschaft

Corona lässt Energieverbrauch und CO2-Ausstoß sinken

Eine Wirtschaft auf Sparflamme wegen der Corona-Pandemie bedeutet weniger Energiebedarf, bei Erdöl merken Verbraucher den Preiseffekt schon deutlich. Auch für das Klima ist der Rückgang der Nachfrage positiv. Die Frage ist, ob und wie lange die Entwicklung trägt.



Energieverbrauch und CO2-Ausstoß
Ein Windrad im Dampf der Uniper Kraftwerke.   Foto: Fabian Strauch/dpa

Produktion und Verkehr sind in der Corona-Krise vielerorts auf ein Minimum zurückgefahren - Energieverbrauch und Ausstoß von Treibhausgasen sind dadurch zuletzt spürbar gesunken.

Dies teilte die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover zur Vorstellung ihrer neuen jährlichen Energiestudie am Mittwoch mit. Besonders bei Erdöl, dessen Preis stark abgerutscht und bei Termingeschäften sogar ins Negative gedreht war - sprich die Anbieter zahlten den Käufern Geld für die Abnahme -, sei der Einbruch der globalen Nachfrage beträchtlich.

Infolge des Öl-Überangebots sänken auch die CO2-Emissionen. Ob der positive Effekt für das Klima anhalte, könne man aber noch nicht sagen: Es sei «nicht absehbar, ob diese Entwicklung den langfristigen Trend eines weltweit wachsenden Energiebedarfs brechen wird», so die BGR.

In Deutschland waren bis Ende 2018 - bis dahin reichen die Basisdaten der Analyse - die erneuerbaren Energien weiter auf dem Vormarsch. In der Erzeugung machten Wind-, Solar- und Bioenergie rund 35 Prozent am Strommix aus. Regenerative Träger waren damit laut BGR «wichtigste heimische Energiequelle». Beim Verbrauch von Elektrizität war der Anteil mit 14 Prozent noch deutlich geringer. Das lag auch daran, dass weiterhin viel Strom etwa aus Kohle und Erdgas genutzt wird.

«Aufgrund der Schließung der letzten zwei Steinkohlebergwerke Ende 2018 muss Deutschland von nun an seinen Bedarf komplett über Importe decken», erklärte die BGR, die für das Bundeswirtschaftsministerium Analysen zur Rohstoffabhängigkeit durchführt. Indes dürften sich die Einfuhren hier weiter verringern, sie gingen 2018 bei Steinkohle bereits deutlich um fast 10 Prozent zurück. Die Bundesrepublik bleibe aber weiter auf den globalen Rohstoffhandel angewiesen: «Auch für Deutschland ist trotz der hohen Wachstumsraten bei den Erneuerbaren eine Zunahme der hohen Importabhängigkeit bei fossilen Energierohstoffen absehbar.»

Insgesamt bildeten Öl und Gas sowie Stein- und Braunkohle 2018 mit 79 Prozent den größten Anteil am sogenannten Primärenergieverbrauch Deutschlands - also dem Verbrauch aus den ursprünglichen Quellen nach Abzug von Verlusten durch Erzeugung und Transport. Geothermie bleibe dabei immer noch unter ihren Möglichkeiten, es gebe nur zehn größere Erdwärmekraftwerke. Bei der Windkraft gibt es Befürchtungen, der für das Erreichen der Klimaziele nötige Zubau könne zum Erliegen kommen.

Weltweit kamen 2018 rund 18 Prozent des Verbrauchs an Primärenergie aus den Erneuerbaren, besonders aus Biomasse und Wasserkraft. Der geringere Anteil von Wind- und Solarkraft dürfte absehbar steigen: Es gebe hier einen «sehr hohen Zubau» in der globalen Stromerzeugung.

Die BGR verwies auf die entscheidende Rolle der Schwellen- und Entwicklungsländer. Der Wirtschaftsriese China setze immer stärker auf den Ausbau regenerativer Energien. Die Volksrepublik sei «beim Ausbau der erneuerbaren Energien mit Abstand führend», erklärte der Co-Autor der Studie, Michael Schauer. Das gelte vor allem für die Solarkraft. In Russland dagegen reißt der coronabedingte Absturz der Öl- und Gaspreise derzeit Milliardenlöcher in den Staatshaushalt.

Insgesamt bleibe es schwierig, «wirtschaftliche Entwicklung und steigenden Wohlstand mit dem Klimaschutz in Balance zu bringen», so die BGR. «Die weltweit wachsende Bevölkerung und die Erhöhung des allgemeinen Lebensstandards werden trotz höherer Energieeffizienz voraussichtlich auch langfristig einen steigenden Energiebedarf zur Folge haben.» So sei Indiens in Steinkohle-Einheiten ausgedrückter Energiebedarf von 2010 bis 2018 um mehr als die Hälfte gestiegen. Und auch in der EU blieben viele Länder - trotz eines um 4,4 Prozent gesunkenen Energieverbrauchs - auf fossile Träger angewiesen.

Die Experten schätzen, dass Erdgas als «Brückenträger» eine wichtige Funktion beim Umstieg erfüllen kann. Seine Verbrennung setzt im Vergleich zu anderen fossilen Trägern wie Öl und Kohle weniger CO2 frei. Die Umstellung auf Öko-Energien komme in Europa schrittweise voran, sagte Dieter Franke von der BGR. «Ihr Anteil am europäischen Energieverbrauch wuchs zwischen 2010 und 2018 von 13 auf 18 Prozent.»

Aber auch die Atomkraft spiele - ungeachtet des deutschen Ausstiegs - international eine wichtige Rolle. «Weltweit besteht weiterhin ein wachsendes Interesse an der energetischen Nutzung von Kernbrennstoffen», berichtete die BGR. Ende 2018 waren 55 neue Nuklearreaktoren im Bau. «In Asien, aber auch im Nahen Osten, wird die Nachfrage nach Uran langfristig weiter steigen.»

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dpa

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29. 04. 2020
07:57 Uhr

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