Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: CoronavirusVideosCotubeBlitzerwarner

Wirtschaft

Coronavirus: Lieferengpässe in Industrie und Handel

Deutschland ist Exportweltmeister - doch kaum ein deutsches Produkt wird noch zur Gänze aus in Deutschland gefertigten Teilen hergestellt. Das ist in der Coronakrise ein Problem.



Lieferengpässe
Container im Hamburger Hafen. Das neuartige Coronavirus trifft die Wirtschaft erheblich.   Foto: Axel Heimken/dpa

Die Folgen der Coronavirus-Epidemie in China werden in den nächsten Wochen verstärkt Deutschlands Industrie und Handel treffen.

Da viele chinesische Fabriken über Wochen stillstanden und auch derzeit nur eingeschränkt arbeiten, fehlen Vorprodukte, Teile oder komplette Erzeugnisse, die hierzulande verarbeitet beziehungsweise verkauft werden. Betroffen ist unter anderem die Elektronikbranche. Gestört sind nicht nur Importe, sondern auch Lieferungen nach China.

Eigentlich wollten die EU-Handelsminister am Donnerstag über das Thema beraten, doch das Treffen ist abgesagt. Die durchschnittliche Transportdauer von China nach Europa auf dem Seeweg beläuft sich auf sechs Wochen, über Land per Güterzug auf der Neuen Seidenstraße sind es etwa drei Wochen. Daher schlagen die Auswirkungen des chinesischen Coronastillstands nun mit Verzögerung auf Produktion und Handel in Europa durch.

Mit Importen von 52 Milliarden Euro sei China der «mit Abstand größte ausländische Lieferant für den deutschen Elektromarkt», sagt Andreas Gontermann, der Chefvolkswirt des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). «Die Lieferschwierigkeiten betreffen die Branche nicht flächendeckend», sagt er. «Etliche Unternehmen berichten aber über Störungen in den Liefer- und Produktionsketten.»

Gontermann beziffert das Volumen der aus China nach Deutschland gelieferten Vorleistungsprodukte auf einen Wert von 10 Milliarden Euro im Jahr. «Wie viel davon liefergefährdet ist, lässt sich schwer abschätzen», sagt Gontermann. Und damit ist es noch nicht getan: «Hinzu kommt, dass Vorleistungen aus anderen Ländern ebenfalls chinesische Vorleistungen enthalten können», erklärt er. So laufen auch die japanische und die südkoreanische Wirtschaft derzeit nur gebremst, beide Länder sind sehr wichtig für die Elektronikbranche.

Auch die Verbraucher werden aller Voraussicht nach die Auswirkungen in den Elektromärkten spüren. «Aktuell lassen sich noch keine Lieferengpässe durch die Restriktionen des Coronavirus feststellen, derzeit rechnen wir für April mit ersten möglichen Lieferengpässen und steigenden Wareneinstandspreisen», sagt Alexander Maier, Senior Vice President bei Ingram Micro, einem im Münchner Vorort Aschheim ansässigen Großhändler für Elektro- und Elektronikerzeugnisse. «Wir arbeiten aktuell an Strategien, um auf diese Auswirkungen schnell reagieren zu können und unseren Kunden auch weiterhin die bestmögliche Warenverfügbarkeit zu bieten.»

Besorgt ist auch die Autoindustrie. «Derzeit läuft die Produktion an allen Standorten», sagt eine Audi-Sprecherin in Ingolstadt. «Es ist natürlich nicht abzusehen, wie sich die Lage mittelfristig - insbesondere mit Blick auf die Lieferkette - entwickeln wird. Eventuell drohende Engpässe versuchen wir durch gezielte Maßnahmen abzufedern.»

Audi sitzt in Bayern, wo die Unternehmen besonders abhängig vom Ausland sind und mehr als die Hälfte ihrer Umsätze außerhalb der deutschen Grenzen erwirtschaften. «Lieferketten zwischen China und Bayern sind unterbrochen und werden aus heutiger Sicht in den kommenden Wochen noch stärker unterbrochen, wenn zum Beispiel Vorkrisenprodukte verarbeitet sind und keine weiteren nachkommen», sagt Bertram Brossardt, der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw).

Die wichtigsten Importgüter aus China für die bayerische Wirtschaft sind Datenverarbeitungsgeräte, elektronische und optische Erzeugnisse, elektrische Ausrüstungen und Maschinen. «Wir erwarten eine Unterbrechung der Lieferketten in etwa proportional zum Volumen der einzelnen Warengruppen», sagt Brossardt. Das dürfte analog für UNternehmen im Rest der Republik gelten, die aus China beliefert werden.

Für Außenstehende nicht abzuschätzen sind die Auswirkungen auf die Versorgung mit Medikamenten. Nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn gibt es derzeit keine Coronavirus-bedingten Engpässe. Doch hat Indien - wo viele Nachahmermedikamente für den Weltmarkt hergestellt werden - vergangene Woche die Ausfuhr 26 gängiger Wirkstoffe begrenzt, darunter Paracetamol und mehrere Antibiotika.

Ein bedeutender Großhändler für Medikamente ist die in Mannheim ansässige Phoenix Pharmahandel - und das Unternehmen mauert: «Das Thema Ihrer Anfrage können wir nicht bewerten», teilt ein Sprecher mit. Der Pharmaverband Progenerika erklärt, man gehe nicht davon aus, «dass es bis zum Sommer 2020 aufgrund von Corona zu Engpässen in der Versorgung in Deutschland kommt». Was dann kommt? «Derzeit noch nicht abzusehen.»

Veröffentlicht am:
12. 03. 2020
07:59 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Audi Chefvolkswirte Großhändler Handel und Vertrieb Ingram Micro Holding GmbH Kunden Lieferungen Medikamente und Arzneien Medizinprodukte Pharmahandel Phoenix Pharmahandel AG & Co KG
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Arzneimittel

18.11.2019

Spahn will stärker gegen Arznei-Lieferengpässe vorgehen

Bei bestimmten Arzneien bleiben Regale in Apotheken immer wieder leer. Das liegt auch an Lieferketten rund um die Erde. Die Politik will gegensteuern, um Patienten langes Warten zu ersparen. » mehr

Online-Händler Amazon

31.01.2020

Amazon glänzt im Weihnachtsquartal - «Prime»-Service boomt

Beim weltgrößten Online-Händler Amazon laufen die Geschäfte rund. Die hohen Investitionen in noch schnelleren Warenversand zahlen sich aus - es kommen scharenweise «Prime»-Kunden hinzu. Das kommt auch an der Börse gut an... » mehr

Kupfergeld

03.02.2020

Trotz Lieferstopp: Nordseeinsel hält an Kupfergeld fest

Im Geldbeutel sind die kleinen, braunen Münzen lästig - und wer sie an der Kasse zusammenklaubt, kann einigen Unmut auf sich ziehen. Nicht aber auf Wangerooge, wo sich Einzelhändler seit einem Lieferstopp der Bank über K... » mehr

Supermarkt

02.05.2020

Vor allem Junge haben in Corona-Krise gehamstert

Toilettenpapier, Seife, Nudeln, Arzneien: Verbraucher haben aus Angst vor dem Coronavirus Vorräte angelegt. Eine Studie zeigt: Vor allem junge Menschen hamsterten. Unterschiede gab es aber auch bei Bildungsgrad und Einko... » mehr

Zwangspause für Krabbenfischer

29.03.2020

Krabbenfischer starten in ungewisse Saison

Erstmals fahren Krabbenkutter gar nicht mehr raus - Zwangsstopp. Die globale Corona-Krise trifft auch die Fischer an der Nordseeküste. Dafür gibt es verschiedene Gründe. » mehr

Arzneimittel

07.04.2020

Verbraucher decken sich mit Arzneien ein

Hamsterkäufe in der Corona-Krise gibt es nicht nur bei Toilettenpapier, Nudeln und Seife. Auch bei Medikamenten greifen Verbraucher verstärkt zu. Pharmafirmen berichten von einem riesigen Andrang. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Lkw bleibt in Unterführung stecken

Lkw bleibt in Unterführung stecken | 09.07.2020 Coburg
» 13 Bilder ansehen

Lagerhalle in Geiselwind brennt völlig aus Geiselwind

Lagerhalle brennt völlig aus | 23.06.2020 Geiselwind
» 31 Bilder ansehen

BMW und Motorrad stoßen auf der B 173 zusammen Redwitz an der Rodach

BMW und Motorrad stoßen auf der B 173 zusammen | 23.06.2020 Redwitz an der Rodach
» 8 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
12. 03. 2020
07:59 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.