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Wirtschaft

Deutsche Autozulieferer setzen auf Litauen

Der baltische Staat versucht seit einiger Zeit, Zulieferer der Automobilbranche ins Land zu holen. Nach der Ansiedlung von zwei Branchenriesen hofft die Regierung auf einen Sogeffekt.



Hella Litauen
Das Werk des deutschen Licht- und Elektronikspezialisten Hella im litauischen Kaunas.   Foto: Alexander Welscher

Litauen ist bisher ein nahezu weißer Fleck auf der Weltkarte der Automobilindustrie. Doch nun siedeln sich in dem Baltenstaat im Nordosten Europas zwei deutsche Zulieferer an.

Hella hat in Rekordzeit eine Produktionsstätte hochgezogen, Continental will sein erstes Werk in der zweiten Jahreshälfte 2019 in Betrieb nehmen. Die litauische Regierung hofft nun im internationalen Standortwettbewerb auf einen Sogeffekt und die Ansiedlung weiterer Zulieferer.

«Der Automobilzuliefersektor ist schrittweise gewachsen und hat einen Schub durch Hella und Continental bekommen», sagte der litauische Wirtschaftsminister Virginijus Sinkevicius der Deutschen Presse-Agentur in Vilnius. Mindestens 120 Millionen Euro wollen die beiden deutschen Branchengrößen in der Wirtschaftszone der zweitgrößten Stadt Kaunas investieren, bis zu 3000 Arbeitsplätze sollen in den kommenden Jahren entstehen. Doch soll dies erst der Anfang sein: Sinkevicius setzt auf die Herausbildung eines Clusters - also eine Ballung verbundener Branchen-Unternehmen an einem Standort.

Litauen versucht seit einiger Zeit, Zulieferer ins Land zu holen. Mehr als 40 Unternehmen, die Autoteile herstellen und 2018 einen Gesamtumsatz von 400 Millionen Euro erzielten, sind bereits im größten Baltenstaat aktiv. Fast die Hälfte davon haben sich im Baltic Automotive Components Cluster vereint, darunter bekannte Namen wie Yazaki, Schmitz Cargobull oder Littelfuse.

Angelockt wurden viele von den niedrigen Arbeitskosten, die weit unter dem Niveau in Deutschland und auch unter dem anderer klassischer Standorte der Automobilindustrie in Osteuropa liegen. Nach Angaben der britischen Unternehmensberatung Cushman & Wakefield kostet Arbeit in Litauen 14 Prozent weniger als in Polen und sogar 30 Prozent weniger als in Tschechien - nicht zuletzt wegen der angespannten Arbeitsmarktlage in beiden Ländern.

Auch für den Licht- und Elektronikspezialisten Hella aus Lippstadt ist der Personalaspekt einer der ausschlaggebenden Gründe für den neuen Standort in Litauen gewesen. «Hier sind gut qualifizierte und motivierte Arbeitskräfte zu - aus unserer Sicht - fairen Lohnkosten verfügbar», sagte Michael Jarecki, Geschäftsführer von Hella Litauen, bei einem Rundgang durch das im Juli 2018 eröffnete Werk.

Kaunas sei logistisch vorteilhaft, besitze Tradition im Maschinenbau und verfüge mit der Technischen Universität über eine Hochschule mit Werkbankanschluss, so Jarecki. Hochautomatisiert stellt Hella unweit des Flughafens der 300.000-Einwohner-Stadt Lichtelektronik-Baugruppen her, in Kürze soll die Produktion erweitert werden.

Ähnliche Argumente waren auch für Continental entscheidend, das nur einen Steinwurf von Hella entfernt ein neues Werk errichtet. Fertigen will der Dax-Konzern aus Hannover Elektronikkomponenten, die Produktion soll noch 2019 starten. Mit einem Volumen von 95 Millionen Euro gilt das Werk als größte Neuerrichtung einer Produktionsstätte in der litauischen Geschichte.

Mit der Schweizer Mikron Gruppe, die Automatisierungslösungen für die Autoindustrie produziert, kündigte im Frühjahr ein weiteres Unternehmen den Bau einer Produktionsstätte in Kaunas an. «Die Karawane der Automobilindustrie zieht nach Litauen», titelte dazu die «Neue Züricher Zeitung». Aus Sicht Jareckis kommt diese Aussage «noch etwas zu früh». Er sieht in seiner Firma und den beiden Mitbewerbern aber durchaus die «Pioniere eines potenziellen Clusters».

Offen bleibt, welche Auswirkungen die Ansiedlung weiterer Zulieferer haben wird. Deutsche Wirtschaftsvertreter beklagen seit längerem einen spürbaren Fachkräftemangel in Litauen, der die bislang verhältnismäßig hohe Produktivität beeinträchtigt und den Kostenvorteil sinken lässt. Der Durchschnittslohn stieg 2018 um 10 Prozent auf 960 Euro, Ende des ersten Quartals 2019 lag er bereits bei über 1250 Euro pro Monat.

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dpa

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Veröffentlicht am:
03. 08. 2019
12:59 Uhr

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03. 08. 2019
12:59 Uhr



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