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Wirtschaft

Deutsche Bank führt Negativzinsen für hohe Einlagen ein

Nach fünf Verlustjahren in Folge sollte 2020 endlich wieder ein Erfolgsjahr für die Deutsche Bank werden. Der Auftakt war besser als allgemein erwartet. Allerdings führt das Geldhaus jetzt Negativzinsen für hohe Einlagen ein.



Deutsche Bank
Trotz eines überraschend guten Jahresstarts steht in der Zwischenbilanz der Deutschen Bank für das erste Quartal unterm Strich ein Verlust.   Foto: Boris Roessler/dpa

Die Deutsche Bank führt Negativzinsen für hohe Einlagen von Privatkunden ein. «Der anhaltende Druck durch Negativzinsen macht es notwendig, dass die Deutsche Bank bei Neuverträgen für hohe Einlagen jenseits eines Freibetrags von 100.000 Euro je Konto ab 18. Mai 2020 Verwahrentgelte berechnen wird», teilte ein Konzernsprecher am Mittwoch in Frankfurt mit.

Damit müssen wohlhabende Kunden künftig eine Abgabe an die Bank bezahlen, anstatt Zinsen für ihr Geld auf dem Konto zu bekommen.

Die neue Regelung gelte aber «ausschließlich für Neuverträge» im Privatkundengeschäft bei der Deutschen Bank und der Postbank, hieß es. Von der Maßnahme betroffen sind demnach etwa Giro- und Tagesgeldkonten. Bereits bestehende Kontoverträge und Einlagen unterhalb der Grenze von 100.000 Euro blieben verschont. «Im breiten Kundengeschäft mit relativ gesehen geringeren Einlagen gibt die Deutsche Bank keine Verwahrentgelte für Einlagen an die Kunden weiter», so der Sprecher. Zuvor hatte das «Handelsblatt» berichtet.

Bislang hatte die Deutsche Bank nur großen Firmenkunden und sehr vermögenden Privatkunden Minuszinsen auf hohe Einlagen berechnet. Mit dem Schritt reagiert das Geldhaus auf die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Parken Banken Gelder bei der EZB, müssen sie Strafzinsen zahlen - das kostet die Branche Milliarden. Daher führen immer mehr Banken Negativzinsen für Privatkunden ein, teilweise auch bei niedrigeren Freibeträgen als 100.000 Euro. An Firmenkunden geben viele Banken die Kosten schon länger weiter.

Die Deutsche Bank stellt sich nach fünf Verlustjahren in Folge angesichts der Corona-Pandemie auch 2020 auf Rückschläge ein.

«Zumindest sind wir jetzt mit einem guten Rückenwind in das Jahr gestartet, aber die Unsicherheit ist natürlich da», sagte Konzernchef Christian Sewing in einem Interview der RTL/ntv-Redaktion auf die Frage, ob der Vorstand nach wie vor für das Gesamtjahr einen Vorsteuergewinn anpeile. «Natürlich werden wir im zweiten oder dritten Quartal sicherlich Corona-Effekte sehen», sagte Sewing anlässlich der Veröffentlichung des detaillierten Zwischenberichts für das erste Vierteljahr am Mittwoch.

Finanzvorstand James von Moltke bekräftigte in einer Telefonschalte, es sei zu früh für Aussagen zur Profitabilität. Trotz des überraschend guten Jahresstarts steht in der Zwischenbilanz des größten deutschen Geldhauses für das erste Quartal unter dem Strich ein Verlust. Zwar kommt die Bank - wie am Sonntag vorab mitgeteilt - zunächst auf 66 (Vorjahreszeitraum: 201) Millionen Euro Gewinn. Davon müssen aber noch Zinszahlungen für bestimmte Anleihen abgezogen werden, so dass für die Deutsche-Bank-Aktionäre letztlich ein Minus von 43 (plus 97) Millionen Euro in den Büchern steht.

«Die globale Bankenbranche dürfte in 2020 durch die weltweite Rezession infolge der Covid-19-Pandemie hart getroffen werden», prognostiziert die Bank in ihrem Zwischenbericht. Es sei zu erwarten, dass die Provisionserträge in den meisten Geschäftsbereichen «drastisch zurückgehen».

In den ersten drei Monaten legte das Geldhaus mit 506 Millionen Euro deutlich mehr Geld für mögliche Kreditausfälle zurück als ein Jahr zuvor (140 Mio Euro). Die Hälfte davon sei auf die Corona-Krise zurückzuführen, erklärte die Bank. In einem Schreiben an die Mitarbeiter verwies Sewing auf die gute Qualität des Kreditbuchs. In dem Fernsehinterview sagte er: «Natürlich werden tendenziell gegenüber 2019 die Kreditausfälle steigen. Darauf sind wir vorbereitet, aber da sind wir auch stark genug, das wegzustecken.»

Angesichts stabiler Erträge - also Gesamteinnahmen - von 6,35 Milliarden Euro äußerte sich Sewing insgesamt zufrieden: «In der aktuellen Krise konnten wir robuste Zahlen präsentieren und haben eine starke Leistung dabei gezeigt, unsere Kunden in all unseren Kerngeschäften zu unterstützen.»

Sewing hatte im Juli 2019 eine grundlegende Neuaufstellung der Bank auf den Weg gebracht: Tausende Jobs werden gestrichen, das Investmentbanking wird gestutzt. Kern des Instituts, das in diesem Jahr auf eine 150-jährige Geschichte zurückblickt, ist die neue Unternehmensbank, die sich um Mittelständler, Familienunternehmen und multinationale Konzerne kümmert.

Die bis zum Jahr 2022 erwarteten Belastungen des Konzernumbaus sind nach Angaben vom Mittwoch inzwischen zu 73 Prozent abgearbeitet. Die Zahl der Vollzeitstellen im Konzern sank auf 86.667 Ende März. Bis Ende 2022 sollen es weltweit noch 74.000 Vollzeitstellen sein.

In ihren Kerngeschäftsfeldern zeigte sich die Bank im ersten Quartal profitabel. In der Investmentbank stiegen die Erträge dank eines regen Handels mit festverzinslichen Wertpapieren und Währungen, im Privatkundengeschäft erwies sich das Geschäft mit Vermögenskunden als Treiber. Dazu kam die kräftige Nachfrage nach Krediten oder anderen Finanzierungen für Unternehmen in der Corona-Krise.

Trotz der wirtschaftlichen Verwerfungen infolge der Corona-Pandemie rechnet die Deutsche Bank im Gesamtjahr weiterhin mit stabilen Erträgen im Kerngeschäft. Im Konzern insgesamt erwartet der Vorstand unverändert einen leichten Ertragsrückgang - vor allem deswegen, weil Risiken vermindert und daher einige Geschäfte zurückgefahren werden.

Bereits am Sonntag hatte die Bank angekündigt, sie sei bereit, bei ihren Zielen für Kapitalpuffer und Verschuldungsquote vorübergehend Abstriche zu machen. Um ausreichend Spielraum für die Kreditvergabe zu haben, könnte bei der harten Kernkapitalquote vorübergehend das Ziel von mindestens 12,5 Prozent leicht unterschritten werden.

Ende März wies die Deutsche Bank eine harte Kernkapitalquote von 12,8 Prozent aus. Der Vorstand betonte, die Kapitalausstattung liege «weiterhin deutlich über den Mindestanforderungen der Aufsichtsbehörden»: um rund 2,4 Prozentpunkte. Auch bei der Liquidität liege das Institut mit 205 Milliarden Euro deutlich über den Anforderungen. Europas Bankenaufseher erlauben Geldhäusern wegen der Corona-Krise zeitweise dünnere Kapitalpuffer, damit die Institute Unternehmen ausreichend mit Krediten versorgen können.

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dpa

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Veröffentlicht am:
29. 04. 2020
18:18 Uhr

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dpa

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29. 04. 2020
18:18 Uhr



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