Lade Login-Box.
Topthemen: Coronavirus in BayernDie Videos der WocheDer BachelorCotubeBlitzerwarner

Wirtschaft

Deutsche Wohnen verpflichtet sich selbst zu Mietendeckel

Die Berliner Politik plant einen Gesetzentwurf für einen Mietendeckel. Einer der größten deutschen privaten Vermieter hat nun mit einer Selbstverpflichtung reagiert - schon ab 1. Juli.



Deutsche Wohnen
Zentrale der börsennotierten Wohnungsgesellschaft «Deutsche Wohnen» in Berlin.   Foto: Paul Zinken

In der Diskussion um vielerorts rasant steigende Mieten hat sich das börsennotierte Unternehmen Deutsche Wohnen für einen eigenen Weg entschieden.

Ab 1. Juli würden künftige Mieterhöhungen so begrenzt, dass ein Haushalt maximal 30 Prozent seines Nettoeinkommens für die Nettokaltmiete aufwenden müsse, kündigte das Unternehmen - einer der größten deutschen Immobilienkonzerne - am Samstag auf seiner Internetseite an. Ferner solle jede vierte neu zu vermietende Wohnung an Mieter mit Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein vergeben werden.

Die freiwillige Selbstverpflichtung der Deutsche Wohnen für zunächst fünf Jahre in ganz Deutschland gelte auch dann, wenn der Mietspiegel weitere Erhöhungen erlaube, heißt es in der Erklärung. Bereits bestehende individuelle Vereinbarungen zwischen der Deutsche Wohnen und ihren Mietern, die im Vergleich mit der neuen Selbstverpflichtung für die Mieter vorteilhafter sind, blieben selbstverständlich bestehen, heißt es weiter.

Und: Weitere «regulatorische Eingriffe in das Mietrecht» könnten dazu führen, dass die Selbstverpflichtung wieder zurückgenommen werde. Aus Sorge vor mehr Regulierung waren Aktien von Deutsche Wohnen jüngst eingebrochen.

Der Immobilienkonzern mit Sitz in Berlin hat rund 167 000 Wohnungen, 70 Prozent davon in der Bundeshauptstadt, in der Wohnungsmangel herrscht. Für viele Mieter wird es immer schwieriger, eine bezahlbare Bleibe zu finden - oder ihre Wohnung bei steigender Miete zu halten. Deutsche Wohnen ist der größte private Vermieter in der Hauptstadt. Mehrere Tausend Einheiten hält sie unter anderem im Rhein-Main-Gebiet, Dresden und Leipzig sowie Hannover und Braunschweig.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) begrüßte die Entscheidung der Deutsche Wohnen. «Sie verpflichtet sich zu sinnvollen und konkreten Maßnahmen für eine verantwortungsvollere Mietenpolitik», sagte Müller am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Das sei nicht nur wichtig für Mieter mit niedrigerem Einkommen. «Es ist auch ein wichtiges Signal der Deutschen Wohnen in der wohnungs- und mietenpolitischen Diskussion vor dem Hintergrund berechtigter Sorgen der Berlinerinnen und Berliner.»

Der rot-rot-grüne Senat hatte am Dienstag Eckpunkte für einen noch zu erarbeitenden Gesetzentwurf zu einem Mietendeckel beschlossen. Damit sollen die Mieten in Berlin fünf Jahre lang nicht steigen und überhöhte Mieten auf Antrag gesenkt werden können. Das soll dauerhaft bezahlbaren Wohnraum sichern. Möglicherweise könnte das Gesetz nach der Abstimmung im Abgeordnetenhaus dann im Januar 2020 in Kraft treten. Berlin wäre bundesweit das erste Bundesland mit einem solchen Mietenstopp.

Die Deutsche Wohnen versteht ihre Selbstverpflichtung offiziell nicht als umgehende Reaktion auf den geplanten Mietendeckel der rot-rot-grünen Berliner Koalition. Überlegungen dazu hätten bereits am Jahresanfang begonnen. Damals hatte Müller alle Wohnungsunternehmen aufgefordert, ihrer sozialen Verantwortung nachzukommen. Die Deutsche Wohnen nennt ihr Papier nun den Grundstein einer neuen Vermietungspraxis, mit der sie die rechtlichen Vorgaben deutlich übertreffe.

Beifall gab es am Samstag vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen. Das «Versprechen» sei eine klare Botschaft. Kein Mieter müsse sich Sorgen machen, die Wohnung zu verlieren. Damit könne Berlins größte Vermieterin beim Wort genommen werden, teilte der Verband am Samstag mit. Die Zusagen seien wegweisend und ein wichtiger Beitrag zum Erhalt des sozialen Friedens. Auch der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft begrüßte die Erklärung als «gutes Signal».

In Berlin steht der börsennotierte Konzern besonders in der Kritik. Dort hat die Bürgerinitiative «Deutsche Wohnen und Co enteignen» gut 77 000 Unterschriften gesammelt. Nun wird geprüft, ob die Unterschriften gültig sind und ein Volksbegehren eingeleitet wird. Am Ende könnte ein Volksentscheid stehen.

Veröffentlicht am:
22. 06. 2019
16:25 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Deutsche Presseagentur Kaltmieten Michael Müller Mieten Mieterinnen und Mieter Parlamente und Volksvertretungen SPD Senat Vermieter Wohnbereiche Wohnen Wohnungsbranche Wohnungsunternehmen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Baugenossenschaften in Berlin

03.02.2020

Mieten im eigenen Haus: Baugenossenschaften sind gefragt

75 Quadratmeter in guter Lage für 600 Euro warm? Das klingt für viele Städter nach einem Traum, wird durch Genossenschaften aber möglich. Niedrigzinsen und Wohnungsmangel gehen jedoch nicht spurlos an ihnen vorbei. » mehr

Katrin Lompscher

30.08.2019

Berlin schwächt Pläne für Mietendeckel ab

Acht Euro Höchstmiete - dieses Ziel des Berliner Senats hatte heftige Kritik ausgelöst. Nun will Rot-Rot-Grün die Grenze bei 9,80 Euro ziehen. Und längst nicht alle Mieter können sich auf sie berufen. » mehr

Horst Seehofer

02.02.2020

Seehofer fordert mehr Regulierung auf dem Wohnungsmarkt

Seit Donnerstag steht endgültig fest: Berlin bekommt einen Mietendeckel. Das ruft einen altbekannten Kritiker auf den Plan: Für Horst Seehofer geht der Deckel zu weit - aber ganz ohne Regulierung geht es seiner Ansicht n... » mehr

Mieterhöhung

30.08.2019

Jeder Siebte gibt über 40 Prozent für das Wohnen aus

Urlaub, Essen, Kleidung - alles kostet. Doch mancher gibt schon einen großen Batzen fürs Wohnen aus. In Berlin sind die Mieten im letzten Jahrzehnt ordentlich angestiegen. Die teuerste Großstadt für Mieter liegt aber im ... » mehr

Demo gegen den Mietendeckel

09.12.2019

Gutachten: Berliner Mietendeckel nicht verfassungswidrig

Nach mehreren Gutachten, denen zufolge der in Berlin geplante Mietendeckel verfassungswidrig sein könnte, kommen einige Rechtswissenschaftler nun zu einem anderen Ergebnis. » mehr

Deutsche Wohnen

13.08.2019

Deutsche Wohnen - Noch steigen die Mieten

«Deutsche Wohnen enteignen», fordern Zehntausende. Berlin will die Mieten einfrieren - der Immobilienkonzern spürt den Gegenwind. Und sucht neue Wege zum Geldverdienen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

VfL Gummersbach - HSC 2000 Coburg 24:24 (10:12) Gummersbach

VfL Gummersbach - HSC 2000 Coburg 24:24 (10:12) | 18.02.2020 Gummersbach
» 79 Bilder ansehen

Größte Jura-Schildkröte der Welt in Oberfranken Bamberg/Landkreis

Größte Jura-Schildkröte der Welt in Oberfranken | 18.02.2020 Bamberg/Landkreis
» 5 Bilder ansehen

Autonomes Fahren in der Region

Autonomes Fahren: Shuttle-Bus-Präsentation in Kronach | 18.02.2020 Kronach
» 45 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
22. 06. 2019
16:25 Uhr



^