Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Wirtschaft

Deutscher Arbeitsmarkt wehrt sich gegen die Konjunkturflaute

Der Arbeitsmarkt in Deutschland bleibt auch im August robust - wenngleich die schwächelnde Konjunktur ihn nicht mehr völlig unberührt lässt. Die Zahl der Arbeitslosen stieg auf 2,319 Millionen. Und dennoch werden noch immer Leute gesucht - auch Auszubildende.



Arbeitslosenzahl steigt leicht
Die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern bewegt sich laut der Bundesagentur für Arbeit auf hohem Niveau, gibt aber weiter nach.   Foto: Julian Stratenschulte

Die sich abschwächende Konjunktur in Deutschland hinterlässt erste sichtbare Spuren auf dem Arbeitsmarkt: Im August stieg die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Juli um 44.000 auf 2,319 Millionen Menschen, wie die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg bekanntgab.

Zu dem saisonal üblichen Anstieg kamen in diesem Jahr auch konjunkturelle Effekte hinzu: Saisonbereinigt errechnete die Bundesagentur einen Anstieg um immerhin 4000.

«Die konjunkturelle Schwächephase hinterlässt auch am Arbeitsmarkt leichte Spuren, insgesamt zeigt er sich aber robust», sagte der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur, Detlef Scheele. Panik wollte Deutschlands oberster Arbeitsmarktexperte nicht verbreiten: Im August waren noch immer 31.000 Menschen weniger arbeitslos als im August 2018. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 5,1 Prozent und lag damit um 0,1 Punkte unter dem Vorjahresniveau. Das Beschäftigungswachstum halte an, verliere aber etwas an Schwung.

Volkswirte sehen die Lage weniger entspannt. Nachdem das Statistische Bundesamt für das zweite Quartal einen leichten Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozentpunkte errechnet hatte, wird sogar eine «technische Rezession» nicht mehr ausgeschlossen - die würde dann eintreten, wenn im Folgequartal von Juli bis September die Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Vorquartal noch einmal nachließe.

Neben den Außeneinflüssen - wie die vom Handelskrieg mit den USA geschwächten Absatzmärkte in China oder die Brexit-Unwägbarkeiten in Großbritannien - machen vor allem die schwächelnde Autoindustrie und ihre Zulieferer Sorgen. Hier macht sich die der technologische Wandel weg vom Verbrennungsmotor bemerkbar. Die Produktionszahlen gehen zurück.

Scheele musste einräumen, dass der Ausblick für die nähere Zukunft nicht besonders rosig aussieht. Die Zahl der Anzeigen für Kurzarbeit steige, bekannte er. Im August registrierten die Nürnberger Statistiker zunächst nur einen leichten Anstieg: 45.000 Kurzarbeiter im Vergleich zu 42.000 im Juli. «Wir sehen an dem Frühindikator Kurzarbeit zur Zeit nicht, dass es ganz schwer wird», sagte Scheele.

Auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil gab sich angesichts des Konjunkturtales entspannt: Der Arbeitsmarkt sei robust, sagte er in Berlin. «Wir haben die Schutzschirme und Schutzwesten, um Deutschlands Beschäftigte beispielsweise mit dem Kurzarbeitergeld zu schützen und mit zukunftsorientierter Weiterbildung zu fördern», betonte der Minister.

Die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern bewege sich noch immer auf hohem Niveau, gebe aber weiter nach, teilte die Behörde mit. Im August waren 795.000 Arbeitsstellen bei der BA gemeldet, 33.000 weniger als vor einem Jahr. Saisonbereinigt hat sich der Bestand der bei der BA gemeldeten Arbeitsstellen um 8000 Stellen verringert.

Die Unterbeschäftigung, die im Gegensatz zur Arbeitslosigkeit auch Menschen erfasst, die derzeit beispielsweise an einer Weiterbildung teilnehmen, nahm leicht um 3000 zu auf 3,203 Millionen Personen. Im Vorjahresvergleich ging die Zahl um 29.000 zurück.

Die Zahl der Erwerbstätigen ist weiter gestiegen und lag nach aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes im Juli bei 45,29 Millionen - das waren 14.000 mehr als im Vormonat, im Vergleich zum Vorjahr waren es 374.000 Erwerbstätige mehr.

Das Plus beruht laut BA weitgehend auf einer höheren Zahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Arbeitnehmer. Insgesamt hatten laut Hochrechnung der BA im Mai 33,39 Millionen Menschen einen regulären Job. Saisonbereinigt war das von Mai auf Juni ein Plus von 11.000.

Scheele bezeichnete den zum Jahresbeginn gestarteten so genannten Sozialen Arbeitsmarkt als großen Erfolg. Mit den Maßnahmen auf der Grundlage des Teilhabechancengesetzes seien seit Januar knapp 30.000 Langzeitarbeitslose in den Arbeitsmarkt vermittelt worden, sagte Scheele. Viele davon hätten ohne die neue Regelungen keine Chance gehabt. Nach dem Gesetz werden Arbeitgebern nach unterschiedlichen Staffelungen die Lohnkosten erstattet, wenn sie Menschen einstellen, die längere Zeit ohne Job waren.

Zu Beginn des Ausbildungsjahres 2019/2020 zeigt sich bei den Lehrstellen ein Überhang: 556.000 gemeldeten Ausbildungsplätzen stehen 497.000 Bewerber gegenüber. Im August waren noch 157.000 Stellen unbesetzt und auf der anderen Seite 134.000 junge Leute auf der Suche. Vor allem die Lehrmeister in Handwerksberufen wie Bäcker, Heizungsbauer, Fleischer, in der Gastronomie und auf dem Bau suchen noch Leute. Zu wenige Lehrstellen gibt es dagegen vor allem in Berlin, Hessen und Nordrhein-Westfalen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
29. 08. 2019
12:59 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitslose Arbeitslosenquote Arbeitslosigkeit Arbeitsmarkt Arbeitsmarktexperten Arbeitsstellen Bundesagentur für Arbeit Bundesminister für Arbeit und Soziales Detlef Scheele Erwerbstätige Hubertus Heil Kurzarbeit Kurzarbeitergeld Mitarbeiter und Personal Statistisches Bundesamt
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Produktion

30.09.2019

Arbeitslosenzahl auf niedrigstem September-Stand seit 1990

Landauf, landab häufen sich die Hiobsbotschaften aus der Wirtschaft: Kurzarbeit, Personalabbau, Werkschließungen. Doch der Arbeitsmarkt hält bisher stand. Die Frage ist: Wie lange noch? » mehr

Jobcenter in Leipzig

31.07.2019

Arbeitsmarkt trotzt im Juli der Konjunkturflaute

Jahrelang hatte ein Rekordtief das andere gejagt - inzwischen stellt sich selbst die Bundesagentur auf steigende Arbeitslosenzahlen ein. Zu sehr hat sich in den zurückliegenden Monaten die Konjunktur eingetrübt. » mehr

Arbeitsmarkt

01.07.2019

Arbeitslosenzahl leicht gesunken

Die Konjunktur kühlt sich ab, aber der deutsche Arbeitsmarkt zeigt sich bisher noch in guter Verfassung. Die Schwächephase trifft bislang vor allem schlecht oder gar nicht ausgebildete Zeitarbeiter. » mehr

Agentur für Arbeit

30.10.2019

Zahl der Arbeitslosen sinkt im Oktober - aber nur leicht

Die Wirtschaftsflaute hinterlässt Spuren auf dem Arbeitsmarkt - bisher jedoch geringe. Die Zahl der Arbeitslosen wird auch bis Jahresende voraussichtlich weiterhin sinken. » mehr

Bauarbeiter

30.04.2019

April-Arbeitslosigkeit sinkt auf Rekordtief

Mit den steigenden Temperaturen sinkt traditionell die Zahl der Jobsucher in Deutschland. Vor allem am Bau, in Gärtnereien und der Gastronomie finden wieder mehr Menschen einen Job. Doch der Rückgang fällt nicht ganz so ... » mehr

Arbeitsagentur

31.01.2019

Januar-Arbeitslosigkeit auf Rekordtief

Typisch Januar: Die Zahl der Arbeitslosen ist zum Jahresauftakt wieder deutlich gestiegen. Grund dafür ist das kalte Winterwetter, bei dem die Arbeit im Freien oft ruht. Die Aussichten für das Jahr bleiben aber positiv -... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Schwerer Unfall bei Ebensfeld Ebensfeld

Schwerer Unfall in Ebensfeld | 14.11.2019 Ebensfeld
» 9 Bilder ansehen

Festakt 30 Jahre Mauerfall in Ludwigsstadt

Festakt 30 Jahre Mauerfall | 13.11.2019 Probstzella
» 25 Bilder ansehen

Neugestaltung Bahnhof Coburg

Neugestaltung Bahnhof Coburg | 13.11.2019 Coburg
» 6 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
29. 08. 2019
12:59 Uhr



^