Lade Login-Box.
Corona Ticker
Topthemen: CoronavirusVideosCoburger OB-Kandidaten vor der KameraCotubeBlitzerwarner

Wirtschaft

Deutschlands Autozulieferer in tiefer Krise

Sie gelten als Innovationstreiber und Jobmaschinen - die Zulieferer sind im Schlepptau der Autohersteller eine feste Größe. Drei der fünf weltgrößten Zulieferer kommen aus Deutschland. Die Branchenflaute bringt sie reihenweise ins Schleudern.



Bosch-Schriftzug
Bei Bosch seien Stellenkürzungen praktisch unausweichlich, sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung, Volkmar Denner.   Foto: Uli Deck

Eine mobile Branche geht am Stock: Abbau von Arbeitszeitkonten, Personalreduzierung, Standortverlagerung - sogar Werksschließungen - die Autozulieferer in Deutschland diskutieren landauf landab, wie sie sich am sinnvollsten gegen die Branchenflaute wappnen.

Die Firmenchefs gehen längst nicht mehr von einer vorübergehenden Konjunkturdelle aus. Denn die Automobilindustrie und damit die Zulieferer hat mit der möglichen Abkehr vom Verbrennungsmotor sowie Marktproblemen in China, Indien und den USA eine saftige Strukturkrise ereilt. Und zwar viel schneller, als einige Konzernlenker erwartet hatten.

Dass in Bauteilen der größten deutschen Autozulieferer Continental und Bosch nun auch noch zu hohe Mengen an Blei festgestellt wurden, passt in das wenig rosige Gesamtbild. Wenn sich die Branche vom 10. September an zur Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt trifft, dürfte sich dort vor allem nachdenkliche Gesichter zeigen. Ein Überblick über die wichtigsten deutschen Zulieferer:

BOSCH: Der Vorsitzende der Bosch-Geschäftsführung, Volkmar Denner, hat es der «Süddeutschen Zeitung» jüngst vorgerechnet: Der Zulieferer setzt für das Einspritzsystem eines Dieselmotors zehn Mitarbeiter ein. Bei einem Benziner sind drei Bosch-Beschäftigte beteiligt, bei einem Elektrofahrzeug einer. Stellenkürzungen seien praktisch unausweichlich.

Die Stuttgarter beschäftigen weltweit 410.000 Menschen. 50.000 Arbeitsplätze, davon allein 15.000 in Deutschland, hängen vom Diesel ab. Allerdings ist der größte Autozulieferer der Welt auch noch in anderen Sparten aktiv, etwa im Maschinenbau.

CONTINENTAL: Der Hannoveraner Traditionshersteller hat große Probleme, die Spur zu halten. «Derzeit ist das Marktumfeld sehr herausfordernd», sagte Vorstandschef Elmar Degenhart zuletzt, er sprach von einem tiefgreifenden, sich dramatisch beschleunigenden und «teilweise disruptiven» Wandel in der Branche. Es brauche nun «Kostendisziplin» - was für Conti auch heißen dürfte: Stellen streichen! Wie viele der fast 245.000 Conti-Mitarbeiter es treffen werde, sei Gegenstand von Diskussionen mit der Gewerkschaft. An der Börse zeigt die Kurve der Conti-Aktie seit Wochen nach unten. Auch Verkäufe von Firmenteilen schloss Degenhart nicht aus. Das Reifengeschäft ist für Continental weiter ein fester Ertragspfeiler.

ZF: Der Hersteller unter anderem von Getrieben aus Friedrichshafen ist breit aufgestellt - spürt aber dennoch den Gegenwind der Branche. Der ZF-Vorstand nahm seine noch im April geäußerte Umsatzerwartung um eine satte Milliarde Euro zurück - auf 36 bis 37 Milliarden Euro. Der Gewinn brach im ersten Halbjahr 2019 drastisch auf die Hälfte des Vorjahreswertes ein. Chef Wolf-Henning Scheider musste einräumen, ZF liege deutlich unter Plan. In China reagierte ZF bereits mit Entlassungen. In Deutschland soll es dazu nicht kommen - es würden ausgleichende Maßnahmen wie etwa Gleitzeit reichen, heißt es von ZF.

MAHLE: Auch bei den 79.000 Mitarbeitern von Mahle geht die Angst um. Der Betriebsrat des Stuttgarter Unternehmens hat ein Strategiepapier vorgelegt, das zu einem Entlassungsstopp bis 2025 führen soll. Die Geschäftsleitung hatte zuvor den Abbau von 380 der 4300 Stellen in Stuttgart und die Schließung eines Werks in Öhringen angekündigt. Mahle hat bisher vor allem mit Filtern und Kolben Geschäfte gemacht. Inzwischen versuchen die Stuttgarter, den Hebel herumzureißen und stärker auf Elektromobilität zu setzen - auch bei Fahrrädern.

SCHAEFFLER: Der größte fränkische Auto-Zulieferer aus Herzogenaurach sieht bisher noch keine Notwendigkeit für drastische Maßnahmen, will aber dennoch kürzer treten. So sollen etwa nach Brückentagen in der zweiten Jahreshälfte die Bänder still stehen. Im März hatte das Unternehmen bereits einen Abbau von 700 Stellen in Deutschland und 200 im europäischen Ausland bekanntgegeben sowie vier Standorte auf den Prüfstand gestellt.

BROSE: Das Coburger Familienunternehmen musste ebenfalls Federn lassen und will mit «Kapazitätsanpassungen» reagieren. Man habe ein Programm zur Kostensenkung gestartet. Im ersten Quartal 2019 lagen die Umsätze um fünf Prozent unter dem Vorjahr. Langfristig sieht Brose allerdings in den neuen Mobilitätstrends mehr Chancen als Risiken und will in neue Technologien kräftig investieren - mit 1,5 Milliarden Euro in den nächsten drei Jahren immerhin rund ein Viertel eines Jahresumsatzes.

LEONI: Der im SDax notierte Nürnberger Zulieferer ist wohl einer der bisher am stärksten Betroffenen der Branche in Deutschland. Firmenchef Aldo Kamper musste sich zuletzt schon gegen Untergangsszenarien wehren. «Wir brauchen keinen Arzt und keinen Pfarrer», sagte der Niederländer. Stattdessen setzt er trotz der anhaltenden Krise auf die Selbstheilungskräfte des Unternehmens. Während die meisten Firmen der Branche zwar Einbußen wegstecken, aber immer noch gut über der Nulllinie wirtschaften, steckt der Kabel- und Bordnetzexperte bereits tief in den roten Zahlen. Im ersten Halbjahr liefen unter dem Strich 176 Millionen Euro Verlust auf.

Veröffentlicht am:
16. 08. 2019
11:59 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Autobranche Automobilausstellungen Autozulieferer Diesel Dieselmotoren Internationale Automobil-Ausstellung Krisen Leoni AG Mahle Filtersysteme GmbH Maschinenbau Produktionsunternehmen und Zulieferer SDax
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Ladesäulen

04.09.2019

Nach Atom und Kohle: Kommt der Benzin- und Diesel-Ausstieg?

Die Klimadebatte verstärkt die Hoffnung, die auf E-Autos ruht. Eine Fülle neuer Modelle ist angekündigt. Doch elektrisch ist nicht sofort umweltfreundlicher. Und der Weg zum Verbrenner-Ausstieg ist lang. » mehr

Automesse

03.03.2020

München bekommt die IAA - Berlin und Hamburg gehen leer aus

Die Internationale Automobilausstellung IAA zieht in den Süden, mit neuem Konzept: Raus aus den Messehallen, mitten in der Stadt. München punktet als Autostadt auch mit dem Rückhalt von Bevölkerung und Politik. Die erste... » mehr

IAA-Bewerbungen

28.02.2020

Vor IAA-Enscheidung: Münchner Messechef siegessicher

München, Hamburg oder Berlin? Die Entscheidung über den künftigen Standort der Automesse IAA soll am Dienstag fallen, in Genf, wo sich die Autobauer treffen beim Salon d'Automobiles. Der Münchner Messechef sagt schon mal... » mehr

IAA

29.01.2020

Automesse IAA verlässt Frankfurt

Die Messe soll keine reine Autoschau mehr sein und an neuer Adresse neu beginnen. In einigen Wochen wird feststehen, wo die IAA nächstes Jahr über die Bühne geht. Drei Städte dürfen sich Hoffnung machen. » mehr

Leoni

25.02.2020

Leoni-Verlust höher als erwartet

Ein Verlust war erwartet worden - aber nicht in dieser Höhe. Der Nürnberger Kabel- und Bordnetz-Spezialisten Leoni strauchelt vor allem wegen eines Großprojektes. » mehr

IAA 2019

11.09.2019

Problem-IAA legt wunde Punkte der Autoindustrie offen

Für die deutsche Autobranche liegt derzeit vieles im Ungewissen: Die laufende Konjunktur, die Akzeptanz breiter Gesellschaftsgruppen, die Zukunft mit Elektroautos - und selbst die jahrzehntealte Institution der Automesse... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Stichwahl in Coburg Coburg

Stichwahl 2020 Coburg und Kronach | 29.03.2020 Coburg
» 22 Bilder ansehen

Rad-Reisebericht

Ehepaar aus den Haßbergen erkundet Jerusalem mit Rad | 24.03.2020 Jerusalem
» 15 Bilder ansehen

SPD-Wahlparty in der Loreley Coburg

Kommunalwahl 2020 Coburg | 15.03.2020 Coburg
» 27 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
16. 08. 2019
11:59 Uhr



^