Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Wirtschaft

Die EZB ebnet den Weg für Lockerung der Geldpolitik

Die Konjunkturabkühlung und schwache Inflation zwingen Europas Währungshüter zum Handeln. Eine weitere Lockerung der Geldpolitik steht im Raum. Zinserhöhungen im Euroraum sind damit für absehbare Zeit vom Tisch.



Europäische Zentralbank
Fahnen wehen vor der EZB-Zentrale im Frankfurter Osten.   Foto: Arne Dedert

Eine von Sparern erhoffte und von Kreditnehmern befürchtete Zinswende im Euroraum rückt in weite Ferne. Die Europäische Zentralbank (EZB) öffnet angesichts düsterer Wirtschaftsaussichten und schwacher Inflation die Tür für eine weitere Lockerung der Geldpolitik.

Europas Währungshüter gehen davon aus, dass die Zinsen mindestens über die erste Hälfte des Jahres 2020 auf ihrem aktuellen Niveau oder «darunter» bleiben werden, wie die Notenbank im Anschluss an eine Ratssitzung in Frankfurt mitteilte.

Damit sind Zinssenkungen eine Möglichkeit. Geprüft werden sollen zudem Optionen für neue Anleihenkäufe. «Alle Instrumente sind auf dem Tisch», sagte der Ende Oktober scheidende EZB-Präsident Mario Draghi.

Angesichts der weltweiten Konjunkturabkühlung und der Schwäche des Welthandels, der unter internationalen Handelskonflikten leidet, seien «signifikante geldpolitische Impulse» notwendig, sagte der EZB-Präsident, dessen Nachfolgerin die frühere Chefin des Internationalen Währungsfonds Christine Lagarde werden soll.

Erste Entscheidungen dürfte die Notenbank bei der Ratssitzung im September treffen, wenn aktuelle Konjunktur- und Inflationsprognosen für den Euroraum vorliegen.

Am Donnerstag beließen die Währungshüter den Leitzins auf dem Rekordtief von null Prozent. Banken erhalten somit frisches Geld bei der Notenbank zum Nulltarif. Auch an den 0,4 Prozent Strafzinsen, die Kreditinstitute zahlen müssen, wenn sie Geld bei der EZB parken, rüttelte die Notenbank nicht. Es gilt als möglich, dass die EZB den Strafzins erhöhen könnte. Um die Institute nicht zu sehr zu belasten, sollen verschiedene Optionen geprüft werden, darunter eine Staffelung des Negativzinses.

Der Negativzins soll Geschäftsbanken davon abhalten, Geld zur Notenbank zu tragen. Die Währungshüter wollen die Institute stattdessen dazu bringen, mehr Kredite zu vergeben. Dies soll die Wirtschaft ankurbeln und zugleich die Inflation anheizen. Das kostet die Branche Milliarden - und das in Zeiten, in denen vielen Instituten das Geldverdienen wegen des Zinstiefs ohnehin schwerfällt

«Auch wenn die EZB heute einen gefährlichen Aktionismus vermieden hat, bleibt die Botschaft unzweideutig: Die EZB wird ihre Politik der Null- und Negativzinsen, wahrscheinlich im Verbund mit neuen Anleihekäufen, noch auf Jahre hinaus weiterführen», sagte ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann.

Nach Einschätzung von Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater sind positive Zinsen «in der ersten Hälfte der zwanziger Jahre so gut wie ausgeschlossen, wenn nicht für die gesamte kommende Dekade».

«Wenn die Negativzinsphase weiter anhält oder gar noch weiter verschärft wird, wird das für die Wirtschaft und für jeden in diesem Land deutlich spürbar werden», warnte Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV). Auch der Bankenverband (BdB) und der Verband öffentlicher Banken (VÖB) warnten vor Risiken und Nebenwirkungen einer extrem lockeren Geldpolitik.

Oberstes Ziel der EZB ist eine mittelfristige Teuerungsrate nahe von 2,0 Prozent - weit genug entfernt von der Nullmarke. Dauerhaft niedrige oder auf breiter Front sinkende Preise können Unternehmen und Verbraucher verleiten, Investitionen aufzuschieben. Das bremst die Wirtschaft. Im Juni lag die Teuerungsrate im gemeinsamen Währungsraum bei 1,3 Prozent.

Auch der Kauf frischer Staats- und Unternehmensanleihen zur Ankurbelung von Konjunktur und Inflation im Euroraum soll Draghi zufolge geprüft werden. Das vor allem in Deutschland umstrittene Programm hatte die EZB Ende vergangenen Jahres eingestellt, nachdem sich Konjunktur- und Inflationsausblick zunächst verbessert hatten. Die Gelder aus auslaufenden Papieren werden aber vorerst wieder investiert.

Seit Beginn der Anleihenkäufe im März 2015 bis Ende 2018 hatte die Notenbank Wertpapiere im Volumen von rund 2,6 Billionen Euro erworben. Kommende Woche verhandelt das Bundesverfassungsgericht über die Staatsanleihen-Käufe. Kritiker werfen den Währungshütern verbotene Staatsfinanzierung vor.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
25. 07. 2019
16:19 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundesverfassungsgericht Christine Lagarde Deutscher Sparkassen- und Giroverband EZB-Präsidenten Europäische Zentralbank Eurostat Eurozone Handelskonflikte Inflation Internationaler Währungsfonds Kreditinstitute Leitzinsen Mario Draghi Statistisches Bundesamt Währungsfonds Währungspolitik Zentralbanken
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Wechsel an der EZB-Spitze

01.11.2019

Erste Frau an der EZB-Spitze: Lagarde tritt Amt an

Klima-Aktivisten und Globalisierungskritiker protestieren zum Amtsantritt von Christine Lagarde gegen die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Eine Kehrtwende unter der neuen EZB-Präsidentin zeichnet sich vorerst je... » mehr

Christine Lagarde und Mario Draghi

28.10.2019

EZB-Chef Mario Draghi verabschiedet sich

Die Europäische Zentralbank (EZB) bekommt erstmals eine Chefin: Die Französin Christine Lagarde löst Mario Draghi zum 1. November ab. » mehr

Mario Draghi

12.09.2019

EZB zieht alle Register: Höherer Strafzins und Anleihenkäufe

Die Europäische Zentralbank sieht sich wegen der Konjunkturschwäche zum Handeln gezwungen. Sogar die umstrittenen Anleihenkäufe nimmt die Notenbank wieder auf. Höhere Zinsen für Sparer rücken in weite Ferne. » mehr

EZB

24.10.2019

EZB bekräftigt ultralockeren Kurs

Der scheidende EZB-Präsident Draghi lässt seiner Nachfolgerin wenig Spielraum: Das Zinstief im Euroraum ist auf Jahre hinaus zementiert. Sparer sollten nicht auf eine baldige Trendwende hoffen. » mehr

Lagarde soll EZB-Präsidentin werden

03.07.2019

Begrenzter Spielraum für künftige EZB-Führung

Mario Draghi hat als EZB-Präsident Maßstäbe gesetzt. Bringt sein Abschied die Wende in der europäischen Geldpolitik? Zweifel sind angebracht. » mehr

Christiane Lagarde

22.11.2019

EZB-Präsidentin Lagarde: Europa braucht gemeinsame Antworten

Digitalisierung, Handelsstreitigkeiten und Konjunkturflaute. Die Antwort auf die Herausforderungen für Europa ist aus Sicht der neuen EZB-Präsidentin klar. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

VfL Lübeck-Schwartau - HSC 2000 Coburg

VfL Lübeck-Schwartau - HSC 2000 Coburg | 06.12.2019 Lübeck
» 65 Bilder ansehen

Frankenwald-Advent in Nordhalben

Frankenwald-Advent in Nordhalben | 04.12.2019 Nordhalben
» 18 Bilder ansehen

Weihnachtsmarkt in Mitwitz

Weihnachtsmarkt in Mitwitz | 30.11.2019 Mitwitz
» 33 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
25. 07. 2019
16:19 Uhr



^