Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Wirtschaft

Die Elektromobilität kommt - muss ja

Die Elektromobilität steht in den Startlöchern. Dank einer Mischung aus Förderung und Zwängen für die Industrie könnte dieses Jahr der Durchbruch kommen. Doch es gibt noch Schwachpunkte.



Nachfrage nach Elektroautos steigt
Ein Piktogramm zeigt einen Elektrofahrzeug-Parkplatz. Die Nachfrage nach Elektroautos und Hybriden in Deutschland ist deutlich gestiegen.   Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB

2020 muss das Jahr der Elektromobilität werden. Seit diesem Jahr zündet die Verschärfung der CO2-Grenzwerte der EU.

Ohne einen signifikanten Anteil von Elektroautos und Hybriden in der verkauften Flotte sind die kaum zu schaffen, auch wenn es dieses Jahr noch Erleichterungen gibt.

Trotz Anstiegen in den vergangenen Jahren führen die elektrifizierten Antriebe noch ein Schattendasein in den Zulassungszahlen. Doch es sieht so aus, als könnten sie gerade rechtzeitig kräftig vorankommen.

Einer der wichtigsten Gründe ist die eben erhöhte Kaufprämie für Elektroautos. «Das hat Euphorie entfacht, wir haben die Werbung sofort umgestellt», sagt Thomas Peckruhn, Skoda-Händler und Vizepräsident des Zentralverbands des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK). «Das frühere Argument, dass Elektromobilität deutlich teurer ist, greift jetzt nicht mehr.» Gerade bei kleineren, günstigeren Elektroautos werde die Prämie «Druck auf den Kessel bringen».

Dabei hat die seit längerem diskutierte Prämienerhöhung offenbar schon vor ihrer Einführung Wirkung entfaltet. Seit Sommer 2019 verzeichnet der Online-Neuwagenvermittler Meinauto.de einen starken Anstieg bei den Anfragen zu Elektroautos und Hybriden. Der Anteil dieser Antriebe hat sich fast verdreifacht, der bisherige Höhepunkt wurde mit knapp 18 Prozent aller Anfragen im Dezember erreicht.

Beim Konkurrenten Carwow liegt der Anteil von Stromern und Hybriden in den Anfragen mit zuletzt mehr als 29 Prozent sogar noch höher und drei Mal so hoch wie im vergangenen Sommer. Bei den Verkäufen über die Plattform war er mit 34 Prozent sogar noch deutlicher. «Wir sehen seit Oktober einen massiven Anstieg des Interesses», sagt Mitgründer Philipp Sayler von Amende.

Zwar ist nicht zu erwarten, dass sich diese Werte eins zu eins in den Neuzulassungen wiederfinden, schließlich sprechen die beiden Anbieter vor allem internetaffine Privatkäufer an. Doch der starke Anstieg der vergangenen Monate zeigt, wohin die Reise gehen könnte. Denn was heute bestellt wird, taucht erst eine monatelange Lieferzeit später in der Zulassungsstatistik auf. ZDK-Vizepräsident Peckruhn erwartet ebenfalls einen deutlichen Anstieg und sieht die elektrifizierten Antriebe künftig «stabil im zweistelligen Prozentbereich». In den Bestellungen sehe man das schon jetzt, bis zum Sommer könne es auch in den Zulassungen ankommen.

Die erhöhte Förderung, die bis zu 3000 Euro vom Staat plus einen Rabatt in mindestens gleicher Höhe durch die Hersteller umfasst, ist aber bei weitem nicht der einzige Treiber für die Elektromobilität: Denn auch die Hersteller hätten zuletzt angefangen, die Modelle stark zu pushen, sagt Sayler von Amende.

Teilweise bekomme man die Elektrovarianten von Modellen derzeit billiger als die Verbrenner. Dabei nehmen die Hersteller auch ihren Handel in die Pflicht. «Insbesondere die Marken, bei denen es schwierig werden könnte, die CO2-Ziele zu erreichen, machen riesigen Druck auf ihre Händler», sagt Peckruhn.

Und auch die Geschäftskunden, die in Deutschland für einen großen Teil der Neuzulassungen verantwortlich sind, zeigen verstärktes Interesse an elektrifizierten Autos. «Anders als die Privatkunden bevorzugen sie aber Plug-in-Hybride gegenüber reinen Stromern», sagt Rudolf Rizzolli. Er ist Chef der Mobility Holding zu der Meinauto.de gehört, aber auch der Fuhrparkdienstleister Mobility Concept. Entscheidender Treiber ist hier, dass die Mitarbeiter bei solchen Firmenwagen deutlich weniger Steuern für die Privatnutzung bezahlen. Auch der Flottendienstleister Arval bestätigt ein «kontinuierliches Ansteigen» bei Plug-in-Hybriden. Bei reinen Elektroautos seien die Firmen dagegen noch zögerlich - auch weil das Angebot noch gering sei.

Doch das Portfolio wächst - und das kommt laut Peckruhn auch bei den Kunden an. «Und ich kann als Händler auch nur das gut verkaufen, was ich habe. Die Leute wollen die Autos ausprobieren und anfassen. Wenn die neuen Autos in den Verkaufsräumen stehen, gibt das dem Geschäft einen weiteren Schub.»

Die nächste Frage wird dann allerdings sein, wie lange Kunden auf ihre Autos warten müssen. Carwow ermittelte zuletzt durchschnittliche Wartezeiten von einem knappen halben Jahr für Elektroautos - deutlich mehr als bei Verbrennern. «Ich glaube, dass das nochmal ein Thema wird», sagt Peckruhn. Bisher seien die Kunden aber geduldig und sprängen kaum ab, wenn sie länger warten müssten.

Veröffentlicht am:
24. 02. 2020
12:23 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Auto Elektroautos Europäische Union Geschäftskunden Händler Kunden Produktionsunternehmen und Zulieferer Staaten Verkaufsräume Verkäufe
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Auto-Zulassung

05.08.2020

«Geschäftsverhindernd»: Autohandel beklagt Zulassungsstau

In manchen Großstädten kann es Wochen dauern, bis die Behörden ein Auto zugelassen haben. Kfz-Händler sehen dadurch ihr Geschäft beeinträchtigt. » mehr

Volkswagen - Produktion von E-Autos

10.06.2020

VW ID.3 Elektroauto kommt im September

Aus «im Sommer» wurde letztlich «Anfang September». Der ID.3, das wichtigste Projekt von Volkswagen in diesem Jahr, soll mit leichter Verzögerung an die ersten Kunden gehen. Alle IT-Anwendungen können aber von Beginn an ... » mehr

Ladensterben

03.08.2020

Altmaier will Ladensterben in Innenstädten verhindern

Der Handel rechnet mit milliardenschweren Umsatzeinbußen, weil das Geschäft in Innenstädten nicht richtig in Schwung kommt. Bundeswirtschaftsminister Altmaier will gegensteuern - und setzt dabei auch auf Online-Shopping. » mehr

Geplante Tesla-Fabrik bei Berlin

24.07.2020

Tesla: Eigene Batterieproduktion für Fabrik in Grünheide

Manche deutschen Autohersteller steigen selbst in die Produktion von Batteriezellen ein, manche kaufen sie zu. Tesla-Chef Musk sagt, wie die Pläne seines Unternehmens für die Fabrik bei Berlin sind. » mehr

Volkswagen e-Golf

05.10.2019

Rabattstudie: Auf einmal wird der e-Golf von VW ganz billig

Bisher hat VW als größter Autohersteller Europas nur relativ wenige E-Fahrzeuge im Angebot. Mit dem neuen Elektro-Mittelklassewagen ID.3 soll nun das Massenpublikum erreicht werden, Auslieferungsstart ist nächstes Frühja... » mehr

Autobranche

03.07.2020

Corona-Krise setzt Autobranche weiterhin unter Druck

Die Corona-Krise hat die Autoindustrie in arge Bedrängnis gebracht: Geschlossene Autohäuser und gestörte Lieferketten sorgten im ersten Halbjahr für einen historischen Einbruch bei den Neuzulassungen. VDA-Chefin Müller n... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Muggendorfer Gebirgslauf

Muggendorfer Gebirgslauf | 05.08.2020
» 24 Bilder ansehen

Der Coburger Bahnhof der Zukunft Coburg

Der Coburger Bahnhof der Zukunft | 03.08.2020 Coburg
» 21 Bilder ansehen

Fridays for Future und Critical Mass in Coburg Coburg

Fridays for Future und Critical Mass in Coburg | Coburg
» 32 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
24. 02. 2020
12:23 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.