Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: CoronavirusVideosCotubeBlitzerwarner

Wirtschaft

EU-Parlament für höhere Entschädigung bei verspäteten Zügen

Mehr als zwei Stunden zu spät, weil der Zug nicht kam? Bislang gibt es bei solchen Verspätungen in Deutschland höchstens die Hälfte des Ticketpreises zurück. Das EU-Parlament will europaweit deutlich mehr für Bahnreisende rausholen.



Verspätungen bei der Bahn
Hinweise für Bahnreisende im Magdeburger Hauptbahnhof.   Foto: Jens Wolf

Bahnreisende sollen nach dem Willen des EU-Parlaments künftig deutlich höhere Entschädigungen bei verspäteten oder ausgefallen Zügen bekommen.

Die Europaabgeordneten stimmten in Straßburg für entsprechende Vorschläge. Demnach sollen Bahnunternehmen bei Verspätungen von mehr als einer Stunde die Hälfte des Ticketpreises zurückerstatten. Drei Viertel würden bei mehr als eineinhalb Stunden und der komplette Ticketpreis bei mehr als zwei Stunden fällig. Bislang haben Bahnreisende in Deutschland maximal Anspruch auf die Hälfte des Ticketpreises.

Ob das Parlament mit diesen Forderungen Erfolg hat, steht noch nicht fest. Bevor die neuen EU-Regeln in Kraft treten können, müssen die Abgeordneten einen Kompromiss mit dem Rat der Mitgliedstaaten finden. Bei dem Gesetzesvorhaben geht es darum, die seit 2009 bestehenden Regeln zu den Fahrgastrechten zu aktualisieren.

Der Europäische Verbraucherverband begrüßte die Position des Parlaments. «Es ist nur gerecht, dass Verbraucher angemessen entschädigt werden, wenn ihr Zug sich verspätet oder ausfällt, denn solche Verkehrsstörungen wirken sich auf die Pläne der Menschen aus», teilte die Generalsekretärin des Verbands, Monique Goyens, mit. Der CDU-Europaabgeordnete Dieter-Lebrecht Koch erklärte: «Mit diesen neuen Regeln bringen wir die europäischen Eisenbahnunternehmen dazu, pünktlicher und effizienter zu werden.»

Das EU-Parlament will außerdem erreichen, dass Bahnreisende bei Fahrten über Staatsgrenzen hinweg leichter Entschädigungen bekommen können - und das auch, wenn für die Reise Tickets bei verschiedenen Anbietern gekauft wurden. Dann soll trotzdem für die gesamte Strecke ein Entschädigungsanspruch bestehen. Wer also einen Thalys in Belgien wegen eines verspäteten ICE verpasst, müsste auch die Kosten für dieses Ticket teilweise oder ganz erstattet bekommen.

Der Grünen-Abgeordnete Michael Cramer erklärte dazu: «Wir brauchen verbindliche Angebote von sogenannten Durchgangsfahrtkarten von A nach B, unabhängig von der Anzahl der Umstiege oder beteiligten Bahnanbietern.» Die Irrfahrt durch den Tarifdschungel müsse ein Ende haben. Um Sprachproblemen vorzubeugen, fordert das EU-Parlament daneben, dass Verbraucher in jedem EU-Land den Entschädigungsantrag auf Englisch stellen dürfen.

Eine umstrittene Klausel strichen die Parlamentarier aus dem ursprünglichen Vorschlag der EU-Kommission. Die Passage sah vor, dass Bahnunternehmen im Falle von gravierenden Unwettern oder Terroranschlägen von Entschädigungszahlungen verschont werden. «Diese Ausnahmen zu erlauben, hätte einen wirklichen Verlust für die Fahrgastrechte bedeutetet», teilte der Verbraucherverband mit. Klauseln zu höherer Gewalt sorgten bei verspäteten Fliegern schon jetzt regelmäßig für Probleme bei Erstattungen.

Ähnlich sieht es die SPD-Abgeordnete Kerstin Westphal aus dem Verbraucherschutzausschuss: «Egal aus welchem Grund ein Zug so viel Verspätung hat - Bahnreisende haben Anspruch auf halbwegs pünktliche Züge», erklärte sie.

Die Deutsche Bahn hat in diesem Jahr mit einer größeren Zahl an Verspätungen zu kämpfen. Vor allem das Wetter machte dem Verkehrsunternehmen in diesem Jahr zu schaffen. So richtet der Orkan «Friederike» im Januar so große Schäden an, dass die Bahn den Fernverkehr in ganz Deutschland mehrere Stunden einstellte. Der lange, heiße Sommer führte zu zahlreichen Störungen an Fahrzeugen und im Schienennetz. Im August sank der Anteil pünktlicher Fernzüge sogar auf unter 70 Prozent.

Im ersten Halbjahr wurden rund eine Million Fahrgastrechte-Formulare eingereicht, mit denen Kunden ihre Entschädigungsansprüche geltend machen. Im gesamten Jahr 2017 erhielt die Bahn 1,5 Millionen solcher Anträge. Die Entschädigungssumme betrug nach Angaben der Bahn im vorigen Jahr 30 Millionen Euro.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
15. 11. 2018
16:42 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Abgeordnete des europäischen Parlaments Deutsche Bahn AG Dieter-Lebrecht Koch Eisenbahnunternehmen Entschädigungsanspruch Europäische Kommission Europäisches Parlament Kerstin Westphal Ländergrenzen Sprachprobleme Ticketpreise Verbraucherverbände
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Kollektivklagen

23.06.2020

Verbraucher werden gestärkt: Sammelklagen kommen in der EU

Als Einzelner kann man gegen Großunternehmen wenig ausrichten - das haben viele Verbraucher in Deutschland nicht zuletzt beim Abgasskandal zu spüren bekommen. Das wird sich bald jedoch EU-weit ändern. » mehr

Elektroschrott

01.10.2019

Neue Regeln für Haushaltsgeräte: Reparieren statt wegwerfen

Geht die Waschmaschine kaputt, steht man oft vor einer schwierigen Entscheidung: Lohnt sich eine Reparatur überhaupt noch? Für die Umwelt allemal, sagen Experten. Neue EU-Regeln sollen helfen, dass auch die Haushaltskass... » mehr

Deutsche Bahn

26.05.2020

Rechnungshof kritisiert Milliardenhilfen für die Bahn

Wochenlang ist kaum jemand Bahn gefahren, viele Züge waren trotzdem unterwegs. Nun soll die Rechnung dafür beglichen werden. Doch es gibt Zweifel, ob sauber abgerechnet wird. » mehr

EU will in die Offensive

17.06.2020

EU will mehr Schutz vor Übernahmen aus dem Ausland

Nein, nein, die Vorschläge richteten sich nicht gezielt gegen China, betont die EU-Kommission. Die Behörde dringt auf faire Bedingungen im Wettbewerb. Peking dürfte über die Vorschläge aus Brüssel dennoch nicht erfreut s... » mehr

Güterverkehr

10.05.2020

Güterwagen der Deutschen Bahn immer älter

Weniger Waggons, die immer älter sind: Die Grünen kritisieren den Zustand der Güterwagenflotte bei der Deutschen Bahn. Doch in der Corona-Krise haben die Eisenbahnunternehmen noch ganz andere Probleme. » mehr

Verspätungen

06.06.2019

Keine Bahn-Entschädigung mehr bei «höherer Gewalt»?

Haben Bahnfahrer bei Unwettern ein Recht auf Schadenersatz? Bislang schon, künftig könnten derlei Ansprüche in der EU jedoch empfindlich eingeschränkt werden. Nun diskutieren die zuständigen Minister darüber. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Lagerhalle in Geiselwind brennt völlig aus Geiselwind

Lagerhalle brennt völlig aus | 23.06.2020 Geiselwind
» 31 Bilder ansehen

BMW und Motorrad stoßen auf der B 173 zusammen Redwitz an der Rodach

BMW und Motorrad stoßen auf der B 173 zusammen | 23.06.2020 Redwitz an der Rodach
» 8 Bilder ansehen

Motorradunfall bei Sonnefeld

Motorradunfall bei Sonnefeld | 23.06.2020 Sonnefeld
» 7 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
15. 11. 2018
16:42 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.