Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 30 Jahre WiedervereinigungCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Wirtschaft

EZB: Keine Ausweitung des Anti-Krisen-Kurses

Mit Milliarden stemmen sich Europas Währungshüter gegen die Folgen der Corona-Krise. Die EZB ist zum Nachlegen bereit. Vorerst jedoch hält sich die Notenbank zurück.



Christine Lagarde
«Wir können aktuell bis Ende des Jahres über eine Billion Euro einsetzen»: EZB-Präsidentin Christine Lagarde.   Foto: Adrian Petty/EZB/dpa

Trotz eines beispiellosen wirtschaftlichen Schocks für den Euroraum verzichten Europas Währungshüter vorerst auf weitere Notmaßnahmen gegen die Corona-Krise.

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) bestätigte bei seiner Sitzung am Donnerstag weitgehend den bisherigen Kurs. Neu ist ab Mai lediglich ein zusätzliches Programm mit besonders günstigen Langfristfinanzierungen für Banken, um die Kreditvergabe anzukurbeln.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde bekräftigte in einer Videokonferenz jedoch die Entschlossenheit der Notenbank, notfalls etwa bei Anleihenkäufen nachzulegen. «Wir können aktuell bis Ende des Jahres über eine Billion Euro einsetzen», sagte Lagarde. Der EZB-Rat sei bereit, den Umfang des Notkaufprogramms PEPP («Pandemic Emergency Purchase Programme») «so weit und so lange wie nötig anzupassen».

Die EZB erneuerte ihre Entschlossenheit, im Rahmen des Notkaufprogramms zunächst 750 Milliarden Euro für Staats- und Unternehmenspapiere in die Hand zu nehmen. Das Programm soll solange laufen, bis der EZB-Rat die Corona-Krise für bewältigt hält - in jedem Fall mindestens bis zum Ende dieses Jahres.

Die Käufe helfen Staaten wie Unternehmen: Sie müssen als Anbieter der Wertpapiere nicht so hohe Zinsen bieten, wenn eine Zentralbank als großer Käufer am Markt auftritt. Auch andere Notenbanken stemmen sich mit Anleihenkäufen und Zinssenkungen gegen die Krise. Bei den Zinsen hat die EZB jedoch relativ wenig Spielraum.

Nach Einschätzung der EZB müssen sich die 19 Länder im Euroraum auf einen Konjunktureinbruch in diesem Jahr einstellen. Der Währungsraum sei «mit einem wirtschaftlichen Rückgang in einer Größenordnung und Geschwindigkeit konfrontiert, der in Friedenszeiten beispiellos ist», sagte Lagarde. Die Experten der Notenbank halten einen Einbruch der Wirtschaftsleistung um fünf bis zwölf Prozent in diesem Jahr für möglich. Bereits im ersten Quartal 2020, das nur teilweise von Maßnahmen zur Eindämmung des Virus beeinträchtigt war, schrumpfte die Wirtschaft im Euroraum zum Vorquartal um 3,8 Prozent.

Die EZB ist seit Jahren im Anti-Krisenmodus. Der Leitzins im Euroraum bleibt weiterhin auf dem Rekordtief von null Prozent. Auf diesem Niveau liegt der Zins seit nunmehr vier Jahren. Banken müssen weiterhin 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken. Dieser Negativzins soll Kreditinstitute dazu bewegen, die Gelder lieber in Form von Krediten an Verbraucher und Unternehmen auszureichen, um so die Wirtschaft anzukurbeln.

Die laufenden Kaufprogramme der Notenbank für Anleihen haben mit gut 2,78 Billionen Euro bereits ein gewaltiges Volumen erreicht. Um für die Notfallkäufe in der Corona-Krise mehr Spielraum zu haben, ist die EZB bereit, ihre selbst gesetzten Grenzen aufzuweichen. Bislang galt zum Beispiel die Obergrenze, dass die EZB maximal ein Drittel der Staatsanleihen eines Eurolandes kaufen darf. Nun ist mit einer Ausnahmeregelung zudem auch der Ankauf von Staatsschulden Griechenlands möglich.

Volkswirte hatten von der EZB-Sitzung am Donnerstag keine größeren neuen Maßnahmen erwartet. Notenbanker hatten zuletzt mehrfach signalisiert, dass sie jetzt vor allem die Regierungen am Zug sehen. Für möglich halten manche Ökonomen eine Ausweitung des Notkaufprogramms bei der Ratssitzung am 4. Juni, wenn die EZB ihre aktuellen Konjunkturprognosen vorlegt.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
30. 04. 2020
17:18 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Anleihenkäufe Banken Bayerische Landesbank Christine Lagarde Euro Europäische Zentralbank Eurozone Kreditinstitute Leitzinsen Notenbanker Weltgesundheitsorganisation Währungsräume Zentralbanken Zinssenkungen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Europäische Zentralbank

10.09.2020

EZB bleibt in Alarmbereitschaft - Starker Euro macht Sorge

Europas Währungshüter stemmen sich bereits mit Milliarden gegen die wirtschaftlichen Verwerfungen der Corona-Pandemie. Vorerst legt die EZB nicht nach. Doch die Risiken für die Konjunktur bleiben groß. » mehr

EZB Frankfurt

27.05.2020

EZB bereitet Boden für weitere Nothilfen

Die Virus-Pandemie trifft die Wirtschaft im Euroraum hart. Die EZB will mit aller Macht gegensteuern. Legen die Währungshüter schon Anfang Juni nach? » mehr

EZB-Präsidentin Lagarde

12.03.2020

Notkredite und Anleihenkäufe: EZB stemmt sich gegen Pandemie

Europas Währungshüter verschärfen ihren Anti-Krisen-Kurs angesichts der Ausbreitung des Coronavirus erneut. Weitere Anleihenkäufe sollen die schwächelnde Konjunktur stützen. Die Medizin ist umstritten. » mehr

Christine Lagarde

21.10.2020

EZB beginnt Meinungsaustausch mit gesellschaftlichen Gruppen

Europas Währungshüter überprüfen ihre geldpolitische Strategie. Dabei ist ihnen auch die Sicht verschiedenster Organisationen wichtig. Nicht alle sind mit der Politik der EZB einverstanden. » mehr

EZB-Chefin Christine Lagarde

30.09.2020

EZB-Präsidentin Lagarde plädiert für neues Inflationsziel

Seit Jahren verpasst die EZB ihr selbstgesetztes Inflationsziel - nun könnte es Änderungen geben. Sie ist schon lange im Krisen-Modus. Notenbank-Präsidentin Lagarde treibt die Überprüfung der geldpolitischen Strategie vo... » mehr

Christine Lagarde

19.10.2020

EZB-Präsidentin deutet weitere Konjunkturhilfe an

Im Sommer erholte sich die europäische Konjunktur langsam vom Corona-Einbruch. Laut EZB-Chefin Lagarde allerdings «ungleichmäßig, ungewiss und unvollständig». Die Notenbank könnte erneut gegensteuern. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Flensburg - HSC 2000 Coburg

Flensburg - HSC 2000 Coburg | 25.10.2020 Flensburg
» 114 Bilder ansehen

BBC vs. Oberhaching

BBC - Oberhaching | 25.10.2020 Coburg
» 32 Bilder ansehen

Tödlicher Bahnunfall in Kronach Kronach

Tödlicher Bahnunfall in Kronach | 24.10.2020 Kronach
» 4 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
30. 04. 2020
17:18 Uhr



^