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Wirtschaft

Einigung in Chemie-Tarifgesprächen: 1,8 und 1,3 Prozent mehr

Mehr Geld, eine neue Pflegezusatzversicherung und ein Zukunftskonto zum Ansparen von Arbeitszeit: Mehr als eine halbe Million Chemie-Beschäftigte können sich über ein Bündel von Vorteilen freuen. Es gibt aber auch Wermutstropfen.



Auftakt zur Chemie-Tarifrunde
Handschlag zu Beginn der Gespräche: Georg Müller (l), Verhandlungsführer der Arbeitgeber, und Ralf Sikorski, Verhandlungsführer der Gewerkschaft IG BCE.   Foto: Sina Schuldt/dpa

Die 580.000 Beschäftigten in der deutschen Chemie- und Pharmabranche bekommen mehr Geld und eine neue arbeitgeberfinanzierte Pflegezusatzversicherung. Die Gewerkschaft IG BCE und der Arbeitgeberverband BAVC einigten sich auf ein Lohnplus von 1,5 Prozent von Juli 2020 an.

Von Juli 2021 an sollen die Bezüge um weitere 1,3 Prozent für neun Monate steigen, wie beide Seiten am Freitag in Wiesbaden mitteilten. Für das erste Halbjahr 2020 soll es Einmalzahlungen geben.

Zudem vereinbarten beide Seiten ein Zukunftskonto zum Ansparen von Arbeitszeit. Weiterbildungen sollen die Menschen in Deutschlands drittgrößter Industriebranche nach dem Auto- und Maschinenbau fit für die Digitalisierung machen. Die Arbeitgeber setzten sich dafür mit einer langen Laufzeit von bis zu 29 Monaten durch, die spätestens im März 2022 endet. Sie verwiesen zudem auf Leermonate für 2019.

IG BCE und der Bundesarbeitgeberverband Chemie hatten zum Auftakt der zweiten Runde vor komplexen Gesprächen gestanden, die vom kräftigen Umsatzrückgang in der Branche in diesem Jahr erschwert wurden. Die Chemie- und Pharmaindustrie hat Rekordjahre hinter sich, leidet aber unter Handelskonflikten und einer schwachen Industrienachfrage.

«Mit einer außerordentlich langen Laufzeit und sehr moderaten Entgelterhöhungen konnten wir unsere wichtigsten Ziele erreichen», sagte BAVC-Verhandlungsführer Georg Müller. Mit der längsten Laufzeit seit 1987 gebe die Einigung Betrieben eine lange Planungssicherheit.

Die IG BCE, die zuvor «spürbare» Lohnzuwächse über der Inflation gefordert hatte, musste sich nun mit moderaten Steigerungen begnügen. Dafür setzte die Gewerkschaft eine Pflegezusatzversicherung durch, die laut IG BCE zum Juli 2021 eingerichtet wird. Dabei zahlen die Arbeitgeber die Prämie für Arbeitnehmer mit über sechs Monaten Beschäftigungszeit. Bei einem Pflegefall kommt die Police für Kosten auf. Die IG BCE sprach von einer bundesweit einmaligen Regelung.

Ein neues Zukunftskonto gibt Chemie-Beschäftigten ferner Flexibilität, indem sie zusätzliche freie Tage nehmen, auf Langzeitkonten sparen oder für die Altersvorsorge verwenden können. Das Konto starte 2020 und wachse bis 2022 auf fünf freie Tage pro Jahr oder 23 Prozent eines tariflichen Monatseinkommens, so die IG BCE. Die Arbeitgeber betonten, dass aber auch individuell längere Einsatzzeiten vereinbart werden könnten. Das Erledigen der Arbeit werde in allen Betrieben sichergestellt.

Die Gewerkschaft habe einen «kräftezehrenden Verhandlungsmarathon» für die Belange der Beschäftigten hinter sich, sagte der stellvertretende IG-BCE-Chef Ralf Sikorski. Das habe sich gelohnt. «Nichts brennt ihnen so auf den Nägeln wie die wachsende Arbeitsverdichtung und die Frage finanzieller Sicherheit im Alter.»

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dpa

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Veröffentlicht am:
22. 11. 2019
17:25 Uhr

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22. 11. 2019
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