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Wirtschaft

Einzelhandel diskutiert über Umsätze und Sonntagsöffnungen

Viele öffnen, manche warten, andere verkleinern sich: Der Handel stellt sich auf die neuen Vorgaben der Politik ein, doch die wirtschaftliche Not bleibt groß. Das führt zu alten Forderungen im neuen Gewand.



Geschäft
Schaufensterpuppen eines Kleidungsgeschäftes stehen vor einem geöffneten Laden in Hamburg.   Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Trotz der Wiedereröffnung vieler Geschäfte in der Corona-Krise bleibt die wirtschaftliche Situation des Handels angespannt.

«Da, wo viele Läden am Montag wiedereröffnen durften, blieben die Umsätze im Vergleich zu den Zeiten vor Corona eher gering», teilte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth, mit. «Ursache ist sicherlich die insgesamt sehr schlechte Konsumstimmung. Die Menschen haben Angst um ihre Jobs oder sind bereits in Kurzarbeit.»

Wegen der wochenlangen Schließung von Geschäften jenseits des Lebensmittelhandels in der Corona-Krise sind dort die Erlöse weggebrochen. Deshalb werden erneut Forderungen nach neuen Regeln für die Sonntagsöffnungszeiten laut - zuletzt geäußert vom Chef der Buchhandelskette Thalia Bücher, Michael Busch. «Um die Kundenströme zu entzerren, wünsche ich mir eine Flexibilisierung an Sonntagen, befristet bis Ende Januar des nächsten Jahres», sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. «Der Einzelhandel könnte auf diese Weise den verlorenen Umsatz ein Stück weit zurückholen.»

Auch der Handelsverband hatte in einem Positionspapier vor wenigen Wochen eine ähnliche Forderung erhoben. «Bei der Sonntagsöffnung geht es darum, den Nicht-Lebensmittelhändlern die Möglichkeit zu geben, wenigstens einige der durch die Ladenschließungen weggefallenen Umsätze zu kompensieren», teilte HDE-Chef Genth auf Anfrage mit. Dem Verband schwebt ebenfalls eine auf das laufende Jahr befristete Regelung vor.

Allerdings sei die Einzelhandelswelt in der Frage gespalten, teilte Genth weiter mit. «Während die Sonntagsöffnung im Non-Food-Bereich eine sinnvolle Maßnahme sein kann, brauchen die Lebensmittelhändler mit ihrem Personal und der Logistik sicherlich eher einen freien Sonntag zum Durchschnaufen.»

Die Gewerkschaft Verdi wies die Forderungen dennoch umgehend zurück. «Die Corona-Krise wird jetzt missbraucht, alten Wein in neuen Schläuchen zu verkaufen», teilte Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger am Dienstag mit. «Die Behauptung, man könne Arbeitsplätze durch eine Verlängerung der Ladenöffnungszeiten sichern, ist eine Mär.» Die Ausweitungen der Ladenöffnungszeiten hätten in der Vergangenheit Arbeitsplätze gekostet. «Dazu wurden viele Vollzeitarbeitsplätze auch noch in Teilzeitarbeitsplätze umgewandelt.»

Im Rahmen der Wiedereröffnungen im Handel betonte Nutzenberger, der Schutz der Beschäftigten müsse «höchste Priorität haben». Dafür müssten bundesweit einheitliche Maßnahmen zwischen Betriebsräten und Arbeitgebern beschlossen werden.

Was die Regeln für die Öffnungen jenseits des Lebensmittelhandels angeht, war die Situation in den Bundesländern zuletzt weiter äußerst unterschiedlich. Als eines der letzten Bundesländer beschloss Berlin am Dienstag die Öffnung von Geschäften jenseits des Lebensmittelhandels mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern. Allerdings darf sich pro 20 Quadratmetern nur eine Person im Geschäft aufhalten, heißt es in der Verordnung.

Hintergrund ist die Einigung zwischen Bund und Ländern aus der vergangenen Woche, worin Ladenöffnungen nur für Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern zugelassen sind. In den meisten Bundesländern können aber auch größere Geschäfte öffnen, sofern sie ihre Flächen entsprechend reduzieren. Diesen Weg ging nun auch Berlin mit Blick auf die Kauf- und Warenhäuser.

Die Essener Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof hat unter dieser Vorgabe inzwischen bundesweit knapp 50 ihrer insgesamt 170 Filialen mit eingeschränkter Verkaufsfläche wieder geöffnet. Unter anderem in Hessen, Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern stehen Standorte den Kunden wieder zur Verfügung, wie aus einer Übersicht des zur österreichischen Holding Signa gehörenden Unternehmens hervorgeht. Auf einer reduzierten Verkaufsfläche werde das gesamte Sortiment angeboten, heißt es dort.

Der Möbelriese Ikea hat inzwischen angekündigt, in Nordrhein-Westfalen am Mittwoch seine Möbelhäuser wieder zu öffnen. NRW ist das einzige Bundesland, in dem das für Möbelgeschäfte wieder möglich ist.

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dpa

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Veröffentlicht am:
21. 04. 2020
17:15 Uhr

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