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Wirtschaft

Flaute der Autokonjunktur kostet mehr Jobs bei Zulieferern

Stottert die Autokonjunktur, bekommen es als erstes die Zulieferer zu spüren. In den vergangenen Monaten häuften sich die Nachrichten über Stellenabbau und Werksschließungen - im Herbst könnte es noch schlimmer kommen.



Bosch
Logo und Schriftzug von Bosch am Bosch-Zentrum für Forschung und Vorausentwicklung.   Foto: Sebastian Gollnow

Klarer könnten die Worte des Bosch-Chefs kaum sein. «Nein, das ist keine kurzfristige Delle, die schnell wieder aufgeholt werden kann», sagte Volkmar Denner der «Süddeutschen Zeitung». «Der Rückenwind ist weg.»

Schon im Juli hatte sein Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer in der «Börsen-Zeitung» gewarnt: Der Rückgang der weltweiten Automobilproduktion 2019 dürfte mit fünf Prozent noch deutlicher ausfallen als zu Jahresbeginn erwartet.

Der Zulieferer mit Sitz in Gerlingen bei Stuttgart steht damit nicht alleine da. In einer Befragung der Strategieberatung Berylls gehen die 30 der weltweit führenden Autozulieferer davon aus, dass sich ihre Lage noch verschärft. Nach einem Umsatzrückgang von fünf Prozent im ersten Halbjahr 2019 dürften es in der zweiten Jahreshälfte fünf bis zehn Prozent sein.

«Zu dem konjunkturell bedingten Rückgang kommen die Probleme mit dem Verbrenner und dem Diesel», sagt Berylls-Partner Jan Dannenberg. Das macht insbesondere Bosch zu schaffen. Gerade in Europa und Indien trifft der schrumpfende Marktanteil den Zulieferer, bei dem weltweit etwa 50.000 der 410.000 Arbeitsplätze vom Diesel abhängen. In Deutschland sind es gut 15 000.

Schon im vergangenen Jahr hatte Bosch 600 Stellen in dem Bereich abgebaut, indem befristete Verträge nicht verlängert oder Mitarbeiter etwa in Altersteilzeit geschickt wurden. Die weitere Entwicklung hatte Denner vom Marktverlauf abhängig gemacht. Nun sagte er: «Natürlich müssen wir auf die zurückgehende Nachfrage reagieren. Wir werden noch sehen, in welchem Umfang.» Es werde aber alles getan, um das sozialverträglich umzusetzen, betonte er und sprach von Zeitkonten, Abfindungsprogrammen, Vorruhestandsregelungen oder der Reduzierung der Zahl der temporär Beschäftigten. Der Gesamtbetriebsratschef rechnet zum Jahresende mit etwa 1000 Stellen weniger in dem Bereich.

Die Dieselkrise, der Umbau zur E-Mobilität und nun die Delle in der Autokonjunktur: Vielerorts in der Branche stehen derzeit Stellen auf dem Spiel. Kuka, deren Roboter in fast jeder Autofabrik stehen, will 380 Jobs in Augsburg streichen. Marquardt, ein Spezialist für Schalt- und Bediensysteme, verlagert Hunderte Arbeitsplätze ins Ausland. Beim Filterspezialisten Mann+Hummel sollen weltweit 1200 Stellen wegfallen. Der österreichische Anlagenbauer Andritz streicht bei seiner deutschen Tochterfirma, dem Pressenhersteller Schuler, rund 500 Stellen. Und der Anlagenbauer Eisenmann aus Böblingen, der unter anderem Lackieranlagen für die Autobranche herstellt, meldete jüngst Insolvenz an. Grund: Hohe Verluste wegen Problemen mit Großprojekten.

Der fränkische Automobilzulieferer Schaeffler kündigte erst am Montag an, dass an mehreren Standorten in der zweiten Jahreshälfte tageweise der Betrieb stillstehen könnte. Dafür kämen etwa Brückentage zwischen Feiertagen und Wochenenden infrage. Schon im März hatte Schaeffler auch einen Stellenabbau bekannt gemacht. Für die Zukunft sei auch Kurzarbeit nicht ausgeschlossen, sagte eine Unternehmenssprecherin.

Damit bildet die Firma aus Herzogenaurach die Ausnahme - noch: «Wir sehen noch keine Kurzarbeit im größeren Stil», sagt Berater Dannenberg. «Sollte sich der Trend fortsetzen, ist das aber sehr wahrscheinlich.» Der Chef der baden-württembergischen Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit sieht das ähnlich: Bislang sehe man nur einen leichten Anstieg in den Anzeigen von Kurzarbeit, jedoch einen deutlichen Anstieg in der Beratung. «Richtig relevant wird das nach den Betriebsferien», erwartet Christian Rauch. «Ich rechne kurzfristig aber nicht mit einem Anstieg auf das Niveau, das wir in den Jahren 2008 und 2009 gesehen haben.»

Andere Unternehmen greifen bereits zu drastischeren Maßnahmen: Mahle - spezialisiert auf Motorkomponenten - streicht nicht nur 380 Stellen in Stuttgart, sondern schließt auch ein Werk in Öhringen, das stark an der Verbrenner-Technologie hängt. Continental hat ebenfalls das Aus für ein Werk verkündet, das seit Jahren Verluste schrieb.

In Ländern mit hohen Löhnen dürften sich die Werksschließungen auch fortsetzen, erwartet Dannenberg. «Das ist keine Reaktion auf die kurze Delle. Die Firmen nutzen aber diese Zeit, um solche Maßnahmen umzusetzen.»

Zudem muss die Branche den Strukturwandel hin zur Elektromobilität vollziehen. Was das für die Beschäftigten bedeutet, rechnet Bosch-Chef Denner vor: «Wenn wir bei einem Dieseleinspritzsystem zehn Mitarbeiter beschäftigen, sind es bei einem Benzinsystem drei und bei einem Elektrofahrzeug nur noch einer», sagte Denner. In einer Umfrage der Gewerkschaft IG Metall rechnen die Betriebsräte in jeder zweiter Firma der Auto und Zulieferbranche deshalb mit einem Jobabbau.

Dass sich zumindest die Konjunktur schnell bessert, ist nicht zu erwarten. Während sich der Automarkt in den USA bereits wieder stabilisiert, geht es in China und Europa noch bergab. «Ich rechne 2020 mit keiner grundlegenden Besserung», sagt Dannenberg. «Das sieht auch die Mehrheit der von uns befragten Zulieferer so.»

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dpa

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06. 08. 2019
15:02 Uhr

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