Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 30 Jahre WiedervereinigungCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Wirtschaft

Gekaufte Fake-Bewertungen auf Reiseportal sind rechtswidrig

Fake-Bewertungen im Internet sind ärgerlich - für Online-Shopper ebenso wie für Webportale, deren Ruf leidet. In einem exemplarischen Fall schreitet das Münchner Landgericht ein.



Internet-Bewertungen
Das Internetportal Holidaycheck setzte sich gegen die Firma Fivestar Marketing durch, die gute Internet-Bewertungen verkauft hatte.   Foto: Stephan Jansen/dpa

In einem Urteil mit Signalcharakter hat das Münchner Landgericht gekaufte Fake-Bewertungen im Internet für rechtswidrig erklärt. Das Gericht gab mit der Entscheidung am Donnerstag einer Klage des Urlaubsportals Holidaycheck gegen erfundene Bewertungen statt.

Die im südamerikanischen Kleinstaat Belize ansässige Firma Fivestar Marketing hatte solche Bewertungen an mehrere Hoteliers verkauft. Fivestar darf künftig keine Bewertungen mehr von Menschen verkaufen, die nicht tatsächlich in dem jeweiligen Hotel oder Ferienhaus übernachtet haben. Das Unternehmen muss dafür Sorge tragen, dass die entsprechenden Fake-Bewertungen gelöscht werden.

Fivestar muss außerdem dem zum Medienkonzern Burda gehörenden Urlaubsportal Auskunft geben, von wem die erfundenen Bewertungen stammten. Die Entscheidung erging in Form eines so genannten Versäumnisurteils. Trotz Ladung war kein Vertreter von Fivestar zur Verhandlung erschienen.

Zielgruppe von Fivestar sind Firmen, die ihre Umsätze durch positive Bewertungen aufbessern wollen. «Durch Fivestar erhalten Sie hochwertige Rezensionen Ihrer Produkte, Ihrer Dienstleistungen oder Ihres Shops», wirbt Fivestar auf der eigenen Webseite.

Gekaufte Amazon-Bewertungen sind mit einem Preis ab 19,40 Euro am teuersten, Bewertungen kann die Kundschaft aber auch für Google, Facebook oder Arbeitgeberbewertungsportale kaufen - im Paket billiger. Fivestar warb in der Vergangenheit damit, dass Spitzenbewertungen verkauft werden, hat diesen Hinweis aber mittlerweile gestrichen.

Die Aktivitäten von Fivestar sind auch anderen Online-Konzernen aufgefallen. Der US-Konzern Amazon ist ebenfalls sehr darauf bedacht, Fake-Bewertungen einen Riegel vorzuschieben. In Deutschland habe Amazon ein Dutzend Gerichtsentscheidungen gegen Unternehmen erwirkt, die Bewertungen verkaufen, erklärte ein Sprecher auf Anfrage. «Unter anderem haben wir zwei einstweilige Verfügungen gegen Fivestar Marketing erreicht, von denen eine bereits durch ein rechtskräftiges Urteil bestätigt wurde.»

Die Geschäftspraxis von Fivestar unterscheidet sich von anderen Bewertungsfirmen, die bei Fake-Rezensionen im Internet auf automatisierte Verfahren setzen. «Nach unseren Schätzungen sind mehr als 90 Prozent der nicht authentischen Bewertungen computergeneriert», sagte der Amazon-Sprecher. «Wir arbeiten mit Prüfteams und automatisierten Systemen, um unechten Rezensionen vorzubeugen, sie aufzuspüren und Maßnahmen gegen die Betreiber dieses Missbrauchs zu ergreifen.»

Fivestar nutzt dagegen keine Computerautomaten, sondern heuert freie Mitarbeiter an. Im speziellen Münchner Fall verbietet das Urteil des Landgerichts Fivestar nicht generell, Bewertungen auf Holidaycheck zu verkaufen - verboten sind jedoch Rezensionen von Fivestar-Bewertern, «die das Hotel nie von außen, geschweige denn von innen gesehen haben», wie der Vorsitzende Richter Gawinski formulierte.

Das beklagte Unternehmen hat seine Rechtsform kürzlich in eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) geändert, wie der Richter vortrug. Ebenfalls verurteilt wurde der ehemalige Geschäftsführer, der für die neue Fivestar nicht mehr tätig ist. Ein neuer Geschäftsführer ist im Handelsregister nicht eingetragen, das wird dem Unternehmen aber nicht helfen, den Ansprüchen der siegreichen Holidaycheck zu entgehen. «Das ist wie eine Geschlechtsumwandlung», sagte Richter Gawinski zur Änderung der Rechtsform. «Das bedeutet nicht, dass es die Firma nicht mehr trifft.»

Veröffentlicht am:
14. 11. 2019
16:40 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Amazon Bereich Hotels Einstweilige Verfügungen Facebook Google Handelsregister Hoteliers Läden und Shops Rechtsformen Reiseportale Unternehmen Webportale Webseiten
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Amazon

24.08.2020

Sorge wegen Dominanz großer Online-Plattformen

Die großen Online-Plattformen werden immer mächtiger auf dem Markt und das Bundeskartellamt kann nur bedingt dagegen vorgehen. Verbraucherschützer fordern nun, dass die Bundesregierung endlich ihr neues Wettbewerbsrecht ... » mehr

Softwarekonzern SAP

vor 2 Stunden

SAP kürzt seine Ziele zusammen - und stürzt an der Börse ab

Deutschlands vom Börsenwert größter Konzern SAP kassiert überraschend seine Jahresziele und will auch von einer jüngst groß ausgerufenen Profitabilitätszusage nichts mehr wissen. Die Anleger reagieren schockiert und schi... » mehr

Bundeskartellamtspräsident Andreas Mundt

02.09.2020

Bundeskartellamt rechnet mit Welle von Firmenfusionen

Einen Pandemie-Bonus soll es für Zusammenschlüsse von Unternehmen nicht geben, kündigt Behördenchef Mundt an. Genau im Blick haben die Wettbewerbshüter außerdem die Internetgiganten. Denn deren Marktmacht sei durch die P... » mehr

Tönnies

30.07.2020

Tönnies weist Kritik zu neuen Firmen zurück

15 Firmen ließ der Tönnies-Konzern zuletzt ins Handelsregister eintragen. Normal, um die Einstellung von bisherigen Werkvertragsarbeitern vorzubereiten, sagt ein Sprecher. Die Gewerkschaft NGG hat Zweifel. » mehr

Jeff Bezos

31.07.2020

Tech-Riesen trotzen der Corona-Krise mit Milliardengewinnen

In einer ungewöhnlichen Konstellation präsentierten vier Tech-Schwergewichte an einem Tag ihre Quartalszahlen. Alle übertrafen die Erwartungen - auch wenn einer den ersten Umsatzrückgang erlebte. » mehr

Mark Zuckerberg

30.07.2020

US-Abgeordnete schießen sich auf Tech-Schwergewichte ein

In einer einzigartigen Anhörung stellten sich die Chefs von vier Tech-Giganten Fragen von US-Abgeordneten zu ihrer Marktmacht. Während von Demokraten Vorwürfe unfairen Wettbewerbs kamen, prangerten Republikaner eine Unte... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Flensburg - HSC 2000 Coburg

Flensburg - HSC 2000 Coburg | 25.10.2020 Flensburg
» 114 Bilder ansehen

BBC vs. Oberhaching

BBC - Oberhaching | 25.10.2020 Coburg
» 32 Bilder ansehen

Tödlicher Bahnunfall in Kronach Kronach

Tödlicher Bahnunfall in Kronach | 24.10.2020 Kronach
» 4 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
14. 11. 2019
16:40 Uhr



^