Lade Login-Box.
Topthemen: BlitzerwarnerLoewe-InsolvenzNP-FirmenlaufGlobe-TheaterMordfall OttingerStromtrasse

Wirtschaft

Glyphosat-Klagewelle: Wird Monsanto zum Milliardengrab?

Der teure Zukauf Monsanto bringt Bayer immer stärker unter Druck. Wegen ihres umstrittenen Unkrautvernichters wurde die Tochter nun erneut zu hohem Schadenersatz verdonnert. Was bedeutet das 80-Millionen-Dollar-Urteil für den Leverkusener Dax-Riesen?



Bayer AG
Das Werk der Bayer AG im Chemiepark in Leverkusen.   Foto: Oliver Berg/Illustration » zu den Bildern

Eine weitere Niederlage vor einem US-Gericht bringt den Bayer-Konzern und dessen Chef Werner Baumann noch tiefer in die Bredouille.

Die erst im vergangenen Jahr für viel Geld übernommene US-Tochter Monsanto ist in kurzer Zeit vom Hoffnungsträger zum großen Risiko geworden. Grund sind zahlreiche Prozesse wegen Unkrautvernichtungsmitteln wie Roundup und Ranger Pro mit dem angeblich krebserregenden Wirkstoff Glyphosat.

Die Klagewelle in den USA kommt gerade erst in Fahrt, doch die Lage für Bayer scheint bereits höchst prekär. Wie geht es weiter?

Eine große Überraschung war es nicht, aber dennoch eine weitere herbe und brisante Schlappe für Bayer: Beim Großprozess am Bundesbezirksgericht in San Francisco urteilte die Jury, dass Monsanto für Krebsrisiken des Unkrautvernichters Roundup haftbar ist und dem 70-jährigen Kläger Edwin Hardeman Schadenersatz in Gesamthöhe von 80,3 Millionen Dollar (71,4 Mio Euro) zahlen muss. Zuvor waren die Geschworenen bereits zu dem Schluss gekommen, dass Roundup ein wesentlicher Faktor für die Lymphdrüsenkrebserkrankung Hardemans sei.

Die Gesamtsumme, die weitgehend aus sogenanntem Strafschadenersatz besteht, der im US-Recht als Zusatzsanktion bei besonders schwerwiegenden Entschädigungsfällen verhängt werden kann, liegt damit in etwa auf dem Niveau eines ersten Glyphosat-Urteils aus dem Vorjahr. Im August war Bayers Saatgut-Tochter Monsanto ursprünglich zu einer Zahlung von 289 Millionen Dollar an Schmerzensgeld und Entschädigung verdonnert worden, danach wurde die Summe auf 78 Millionen Dollar reduziert. Der Fall brachte in den USA eine regelrechte Klagelawine gegen Bayer ins Rollen.

Ende Januar lagen dem Konzern Klagen von 11.200 US-Klägern vor. Angesichts der Erfolge, die gegen Bayer vor Gericht errungen wurden, dürften weitere Klagen folgen. Experten der US-Bank JPMorgan rechnen damit, dass die Zahl mindestens 15.000 erreichen wird. Anleger würden die drohenden Rechtskosten derzeit auf 15 bis 20 Milliarden Dollar taxieren. Für eine verlässliche Schätzung sei es jedoch zu früh - zunächst müssten weitere Prozesse abgewartet werden. Letztlich läuft es bei solch massenhaften Klagen gegen Konzerne im US-Recht meist auf einen Vergleich hinaus, auch wenn Bayer sich bislang dagegen sträubt.

Bayer zeigte sich enttäuscht vom aktuellen Urteil und kündigte an, Berufung einzulegen. Dennoch ändere die Entscheidung nichts «am Gewicht von über vier Jahrzehnten umfangreicher wissenschaftlicher Arbeit und den Schlussfolgerungen von Regulierungsbehörden weltweit, welche die Sicherheit unserer glyphosatbasierten Herbizide und die Schlussfolgerung stützen, dass diese nicht krebserregend sind». Das Urteil habe keinen Einfluss auf zukünftige Fälle - jedes Verfahren sei auf Basis der jeweiligen Umstände gesondert zu betrachten.

Dennoch ist der Fall für Bayer hochbrisant, da es sich um einen richtungsweisenden «Bellwether Case» handelt. Damit ist im US-Recht eine Art Musterfall in einem Massenverfahren gemeint. Mehrere dieser repräsentativen Fälle sind angesetzt. Sie sollen den Streitparteien helfen, das Ausmaß von Schäden und die Höhe denkbarer Vergleichszahlungen besser abschätzen zu können. Insgesamt sind bei dem zuständigen US-Richter Vince Chhabria mehrere Hundert Klagen von Landwirten, Gärtnern und Verbrauchern gebündelt.

Unter Anlegern ist die Nervosität hoch: Der Aktienkurs von Bayer fiel am Donnerstag auf ein weiteres Tief seit 2012. Seit der Prozessschlappe vergangenen August haben die Aktien rund 40 Prozent eingebüßt. Der Börsenwert des Konzerns liegt mit knapp 52 Milliarden Euro mittlerweile deutlich unter den rund 63 Milliarden Dollar (56 Mrd Euro), die sich die Leverkusener den Monsanto-Kauf hatten kosten lassen. Trotz aller Probleme verteidigt Bayer-Chef Werner Baumann die Übernahme. «Der Monsanto-Kauf war und ist eine gute Idee», sagte er kürzlich der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» (FAS).

Verschnaufpausen gibt es für Bayer keine. An diesem Donnerstag soll bereits ein weiteres Verfahren - allerdings bei einem Landgericht - im kalifornischen Oakland starten. Bei den Klägern handelt es sich um ein krebskrankes Rentnerehepaar, das jahrelang mit Roundup hantierte und den Unkrautvernichter für sein Leiden verantwortlich macht. Viele der US-Klagen stützen sich auf eine Studie der Internationalen Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation, die Monsantos Unkrautvernichter 2015 als «wahrscheinlich krebserregend» für Menschen einstufte.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
28. 03. 2019
16:06 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bayer Bayer-Chefs Carcinogenität Dollar Karzinomkranke Krebsrisiken Milliarden Dollar Millionen Dollar Monsanto Schadensersatz und Schadensersatzrecht Weltgesundheitsorganisation Werner Baumann
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Glyphosat

vor 22 Stunden

Keine Entspannung bei Bayer wegen Glyphosat

Mit der Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto hat Bayer sich viel Ärger ins Haus geholt. Bei einer von zahlreichen Glyphosat-Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken reduzierte ein Richter nun zwar die Strafe erheblich, a... » mehr

Monsanto

20.03.2019

Schlappe in Prozess: Wie gefährlich wird Monsanto für Bayer?

Die US-Tochter Monsanto entwickelt sich zur großen Belastung für den Bayer-Konzern. In einem wichtigen US-Großprozess stufte die Jury Monsantos Unkrautvernichter Roundup als krebserregend ein. Damit geht die Gerichtsverh... » mehr

Monsanto

20.03.2019

Bayer-Tochter Monsanto unterliegt in US-Glyphosat-Prozess

Die US-Tochter Monsanto entwickelt sich zur großen Belastung für den Bayer-Konzern. In einem wichtigen US-Großprozess stufte die Jury Monsantos Unkrautvernichter Roundup als krebserregend ein. Damit geht die Gerichtsverh... » mehr

Roundup

04.06.2019

Neuer Ärger für Bayer wegen Monsantos Unkrautvernichter

Die Kritik an Bayer nach der Übernahme von Monsanto lässt nicht nach. Nachdem der Konzern eine Milliarden-Strafe an ein Rentnerpaar in den USA gezahlt hatte, steht nun in einem anderen Land juristischer Ärger vor der Tür... » mehr

Bayer-Tochter Monsanto

26.02.2019

Glyphosat-Prozess gegen Monsanto beginnt turbulent

Bayers über 60 Milliarden Dollar teurer US-Zukauf Monsanto muss sich in den USA erneut wegen seiner Unkrautvernichter mit dem umstrittenen Herbizid Glyphosat als Wirkstoff vor Gericht verantworten. Der Großprozess in San... » mehr

Bayer

25.04.2019

Bayer mit gutem Start zum Jahresauftakt

Seit vergangenem Jahr ist Monsanto eigentlich Geschichte. Damals schluckte der Leverkusener Bayer-Konzern den US-Konkurrenten und erbte damit eine Menge juristischer Probleme. Doch rein betriebswirtschaftlich läuft es gu... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Vernissage Sommerduett

Vernissage Sommerduett | 16.07.2019 Kronach
» 14 Bilder ansehen

Baustart am Brockardt-Areal steht an

Baustart am Brockardt-Areal | 16.07.2019 Coburg
» 12 Bilder ansehen

Bulldog-Treffen Ebern

Bulldog-Treffen in Ebern | 14.07.2019 Ebern
» 9 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
28. 03. 2019
16:06 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".