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Wirtschaft

Große Auslandspläne: Streetscooter steuert China und USA an

In Sachen klimaschonende Paketzustellung fährt die Deutsche Post DHL vorneweg - schon jeder fünfte Transporter in Deutschland fährt elektrisch. Dennoch war der Streetscooter bisher keine lupenreine Erfolgsgeschichte. Doch nun gibt es eine gute Nachricht aus Fernost.



Streetscooter der Post
Die Deutsche-Post-Tochter Streetscooter will mit einem Elektro-Kleinlaster in den chinesischen Markt einsteigen.   Foto: Oliver Berg

Beim Verkauf ihres Elektrotransporters Streetscooter kam die Deutsche Post jahrelang nicht sehr weit voran - bald aber könnte der Absatz anziehen.

Denn am Freitag wurde bekannt, dass das Aachener Unternehmen groß einsteigen will in den chinesischen Markt. Zusammen mit dem dortigen Automobilhersteller Chery plant die Post einen angepassten Elektrolieferwagen speziell für China und möglicherweise weitere Länder. Laut der Absichtserklärung ist ab 2021 in China eine Serienproduktion von bis zu 100.000 E-Fahrzeugen pro Jahr geplant.

Wie hoch diese Zahl ist, verdeutlicht ein Vergleich mit den bisherigen Verkaufszahlen. Erst vor einer Woche feierte die Bonner Konzernmutter den 10.000. Elektrolaster, den sie ihrer Aachener Tochterfirma abgekauft hatte und nun zur Paketzustellung auf die Kölner Straßen schickt. Die ersten Streetscooter für den Regelbetrieb hatte die Deutsche Post DHL 2014 übernommen, im selben Jahr hatte der Konzern das 2010 gegründete Start-up gekauft.

Zu der Eigennutzung kommt eine nicht bekannte Zahl von externen Verkäufen, etwa an Stadtwerke. Allzu viele waren das aber nicht. Nach Auswertung von Behördenzahlen durch die Universität Duisburg-Essen sind in Deutschland insgesamt nur etwa 11.700 Streetscooter zugelassen.

Zwar gewährt die Post-Tochter keinen Einblick in seine betriebswirtschaftlichen Zahlen. Nach Schätzung von Experten schreibt die Firma aber seit langem tiefrote Zahlen, was bei Elektro-Start-ups allerdings nicht unüblich ist, siehe Tesla.

Es ist schon ein paar Jahre her, dass das Wort Streetscooter leuchtende Augen und große Begeisterung hervorrief beim Bonner Konzern. Damals wurde der Ex-Staatsmonopolist dafür gefeiert, mit dem Start-up den etablierten Autobauern ein Schnippchen geschlagen zu haben.

Doch der Wind wurde rauer. Vergangenes Jahr musste ein für Streetscooter zuständiges Bonner Vorstandsmitglied seinen Hut nehmen, in diesem Frühjahr wiederum kam es zum Chefwechsel bei Streetscooter selbst. Seit längerem erwägt die Konzernspitze einen Verkauf der Sparte oder eine Zusammenarbeit mit einer anderen Firma. Kurzum: Der Lack ist etwas ab von der glänzenden Erfolgsstory.

Mit dem chinesischen Partner könnte sich das Blatt wenden. «Der Einstieg in den chinesischen Markt ist ein bedeutender Meilenstein in der noch jungen Geschichte von Streetscooter», freute sich der neue Chef des Stromer-Herstellers, Jörg Sommer - nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt feiert er seinen ersten Erfolg.

Der Partner Chery, der auf Chinas Markt für Elektromobilität eine große Nummer ist, äußerte sich ebenfalls positiv. Dessen Chef Yin Tongyue betonte die strategische Bedeutung: «Die enge Zusammenarbeit zwischen Chery und Streetscooter wird Möglichkeiten für beide Seiten schaffen, um den Weltmarkt zu erschließen, insbesondere die EU und China.»

Perspektivisch geht Streetscooter von einer Gesamtinvestition von bis zu 500 Millionen Euro aus. Dabei komme die Finanzierung von der chinesischen Seite, hieß es seitens der Post. Streetscooter bringe sein Know-how, das geistige Eigentum und seine Produktionserfahrung bei leichten Nutzfahrzeugen ein.

Experten werteten das China-Vorhaben als guten Schritt. «Damit positioniert sich Streetscooter in einem riesengroßen Markt, der in Sachen Elektrifizierung eine Vorreiterrolle hat», sagt Peter Fuß von der Unternehmensberatung Ernst & Young. Die Post-Tochter würde nicht nur einen Stück vom großen Kuchen des chinesischen Marktes abbekommen, sondern sie sende auch eine Botschaft an andere Weltregionen.

Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen sprach von einer «großen Chance für Streetscooter». Der Professor sieht die Autobauer-Aktivitäten der Deutschen Post generell eher kritisch - die Stückzahlen seien bisher zu niedrig und Produktionskosten zu hoch. «Durch Chery könnte man wegkommen von der teuren Manufakturarbeit und hin zu einer industriellen Serienproduktion».

Derzeit führt die Post nach eigenen Angaben Gespräche mit potenziellen Investoren. Chery ist das nicht, wie ein Post-Sprecher auf Nachfrage betonte: «Ob das chinesische Investorenkonsortium Teil der Option für die Suche nach Partnern für die eigentliche Umsetzung der Wachstumsstrategie von Streetscooter ist, wird sich zeigen.»

Das Ausland wäre für den Streetscooter kein komplettes Neuland - im März wurde beispielsweise bekanntgegeben, dass ein japanisches Logistikunternehmen 500 Fahrzeuge kauft. Die China-Produktion wäre aber eine ganz andere Liga.

Wie stark der neue Streetscooter-Chef die Internationalisierung der Aachener vorantreibt, lässt sich auch aus einer weiteren Wortmeldung vom Freitag ableiten: Die Firma erwägt auch eine Fertigungsstätte in den USA. Eine spezielle US-Version des Elektro-Lieferwagens solle in den kommenden zwei bis drei Jahren in den Vereinigten Staaten vom Band laufen, sagte ein Post-Sprecher.

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dpa

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Veröffentlicht am:
06. 09. 2019
16:53 Uhr

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06. 09. 2019
16:53 Uhr



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