Lade Login-Box.
Corona Ticker
Topthemen: CoronavirusVideosCoburger OB-Kandidaten vor der KameraCotubeBlitzerwarner

Wirtschaft

Handel kämpft an vielen Fronten

Mit einem Vorstoß gegen Billiglebensmittel geht Ministerin Klöckner auf Konfrontationskurs mit dem Handel. Der kämpft daneben mit den üblichen Herausforderungen - und blickt dennoch zufrieden aufs vergangene Jahr.



Julia Klöckner gibt ein Pressestatement
Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) gibt ein Pressestatement.   Foto: Paul Zinken/dpa

Darbende Innenstädte, immer mehr Online-Bestellungen oder unübersichtliche Sonntagsöffnungszeiten - auch im vergangenen Jahr hatte der deutsche Einzelhandel wieder mit zahlreichen Herausforderungen zu kämpfen.

Doch zu den Dauerthemen ist zuletzt eine weitere Debatte hinzugekommen: über Lebensmittelpreise in Supermärkten. Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) will Billiglebensmittel im Handel zurückdrängen und die Branche in die Pflicht nehmen. «Hähnchenschenkel für 20 Cent pro 100 Gramm, das ist unanständig», sagte sie vor wenigen Wochen dem «Tagesspiegel». «Wie soll ein Bauer davon leben und dann noch höchste Tierwohlstandards einhalten können?»

Am Freitag nun ging der Handelsverband Deutschland (HDE) bei seiner Jahrespressekonferenz auf die Vorwürfe ein. «Lebensmittel werden hier nicht verschleudert», sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Gent. Deutschland liege bei Lebensmittel-Preisen rund zwei Prozentpunkte über dem Durchschnitt der 28 EU-Mitgliedstaaten. «Man muss deutlich sehen, dass unsere landwirtschaftliche Produktion auf Export ausgelegt ist, dass wir hier globale Preisabhängigkeiten haben, die man gar nicht in Deutschland steuern und verändern kann», sagte er.

Noch deutlicher wurde HDE-Präsident Josef Sanktjohanser: «Mit ihren Forderungen nach Mindestpreisen für Lebensmittel im Einzelhandel überschreiten Vertreter der Bundesregierung und der Parteien eine rote Linie», teilte er mit. «Offensichtlich ist einigen Politikern der ordnungspolitische Kompass verloren gegangen, der die Vorteile der sozialen Marktwirtschaft und das Ziel, Wohlstand für alle zu schaffen, in den Mittelpunkt stellt.»

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will an diesem Montag mit dem Einzelhandel und der Ernährungsindustrie über «faire Preise» für Lebensmittel sprechen. An dem Treffen sollen unter anderem auch Klöckner und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (beide CDU) teilnehmen, wie Regierungssprecher Steffen Seibert mitteilte.

Trotz der vielen Herausforderungen blickt der Handelsverband zufrieden auf das vergangene Jahr und vor allem das Weihnachtsgeschäft zurück: Auf knapp 102 Milliarden Euro stieg der Umsatz der Monate November und Dezember. Das waren rund 2,5 Prozent mehr als im selben Zeitraum des Vorjahres. Dabei schnitt der Dezember schlechter ab als der November. «Die Adventswochenenden sind sehr gut gelaufen», sagte Genth. «Aber besonders in der Woche war das Geschäft eher verhalten.» Im November lagen mit den Aktionstagen Black Friday sowie dem Cyber Monday wichtige Umsatzbringer.

Die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt, eine solide Sparquote und steigende Löhne sorgten auch im Gesamtjahr 2019 für ein Umsatzwachstum von 3,2 Prozent auf 543,6 Milliarden Euro. Davon profitierten vor allem der Handel mit Fahrrädern sowie der Versand- und Internethandel. Umsatzeinbußen von rund drei Prozent verzeichnete hingegen der Spielwarenhandel. Für das kommende Jahr geht der HDE von einem erneuten Gesamtwachstum von 2,5 Prozent aus.

Zwar wächst der Online-Handel weiter deutlich stärker als der stationäre Handel. Mit rund 58 Milliarden Euro Umsatz im vergangenen Jahr ist sein Anteil am Gesamtumsatz aber weiter vergleichsweise niedrig. «Den Menschen, der nur online einkauft, gibt es nicht», sagte Hauptgeschäftsführer Genth.

Er forderte am Freitag von der Politik zudem mehr Verlässlichkeit bei Sonntagsöffnungen. Es gehe nicht darum, jeden Sonntag zu öffnen. «Sondern wir brauchen verlässliche Sonntagsgenehmigungen, die wir heute nicht haben», sagte Genth. Viele Sonntage würden von Gewerkschaften «weggeklagt». Der bislang geltende sogenannte Anlass-Bezug sei faktisch nicht mehr umsetzbar. Demnach sind Sonntagsöffnungen im Handel nur bei bedeutenden, überregionalen Anlässen möglich.

Ähnlich hatte sich in der «Welt» (Freitag) auch HDE-Präsident Sanktjohanser geäußert: «Der Königsweg ist eine Grundgesetzänderung», sagte er mit Blick auf den Anlass-Bezug. «Denn die darin verankerten Vorschriften stammen letztlich noch aus der Zeit der Weimarer Republik.» Die Zeiten hätten sich geändert «und die Menschen auch.»

Auch die FDP-Bundestagsfraktion rief dazu auf, die Regelungen zu den Sonntagsöffnungszeiten zu lockern. «Da müssen wir ran», teilte Einzelhandelssprecher Manfred Todtenhausen mit.

Veröffentlicht am:
31. 01. 2020
15:02 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundeskanzlerin Angela Merkel CDU Gewerkschaften Julia Klöckner Kanzler Landwirtschaft Lebensmittelwirtschaft Löhne und Einkommen Manfred Todtenhausen Minister Peter Altmaier Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland Regierungssprecher Soziale Marktwirtschaft Steffen Seibert Wirtschaftsminister
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Streit um Lebensmittelpreise

03.02.2020

Billigangebote für Lebensmittel: Merkel spricht mit Handel

Seit Monaten rollen Bauern mit Traktoren in die Städte, um für mehr Wertschätzung zu demonstrieren. Und die beweist sich letztlich an der Ladenkasse. Die Regierung will jetzt den Handel sensibilisieren. » mehr

Protest gegen Lebensmittelpreise

03.02.2020

Merkel lehnt staatliche Eingriffe in Lebensmittelpreise ab

Nach den Bauern empfängt die Kanzlerin die Handelsriesen, die viele Landwirte mit Schnäppchenaktionen empören. Konkret will die Politik vor allem Praktiken unterbinden, die Lieferanten zu schaffen machen. » mehr

Kurzarbeit

18.03.2020

Politik schnürt Corona-Notpakete für Beschäftigte und Firmen

Fast stündlich verschärfen sich in der Coronakrise die Folgen für die Wirtschaft. Das trifft Tausende Firmen quer durch alle Branchen und Millionen von Beschäftigten. Und was ist mit Menschen, die wegen Schul- und Kitasc... » mehr

Frank Werneke

13.03.2020

Gewerkschaften und Wirtschaft fordern umfassende Hilfen

Umsatzeinbrüche, Angst vor einer Rezession: Die Regierung will gegen negative Wirtschaftsfolgen der Coronakrise ansteuern. Gewerkschaften und Wirtschaft mahnen eine Reaktion im Milliardenmaßstab an. » mehr

Bauernproteste

17.01.2020

Bundesweite Bauernproteste: Tausende Traktoren unterwegs

Wie Bauern Fleisch und Milch produzieren, ist für Supermarktkunden eine fremde Welt - trotz aller Siegel und Kampagnen. Die Grüne Woche soll Brücken bauen. Doch die Menschen sind auf der Straße. » mehr

Coronakrise

18.03.2020

Arbeitsminister Heil: Lohnausfälle möglichst gering halten

Die Bundesregierung will mit Kurzarbeitergeld und Hilfskrediten für Firmen die Folgen der Coronavirus-Krise für die Wirtschaft dämpfen. Arbeitsminister Heil sieht aber auch die Unternehmen in der Pflicht, um Lohnausfälle... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Stichwahl in Coburg Coburg

Stichwahl 2020 Coburg und Kronach | 29.03.2020 Coburg
» 22 Bilder ansehen

Rad-Reisebericht

Ehepaar aus den Haßbergen erkundet Jerusalem mit Rad | 24.03.2020 Jerusalem
» 15 Bilder ansehen

SPD-Wahlparty in der Loreley Coburg

Kommunalwahl 2020 Coburg | 15.03.2020 Coburg
» 27 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
31. 01. 2020
15:02 Uhr



^