Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Wirtschaft

IWF-Prognose: Handelskrieg bremst das globale Wachstum

Erst kürzlich verkündete Präsident Trump einen Waffenstillstand im Zollkonflikt mit China. Doch das reicht nach Ansicht des IWF längst nicht aus. Kanzlerin Merkel wirbt erneut für einen Kurs der offenen Märkte.



IIWF
Es handelt sich dabei dem IWF zufolge um das langsamste Wachstum der Weltwirtschaft seit der globalen Finanzkrise.   Foto: Jim Lo Scalzo/EPA/dpa

Der von US-Präsident Donald Trump angezettelte Handelskonflikt zwischen den USA und China lastet weiter auf der Weltwirtschaft.

Daran wird nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) auch die jüngst verkündete Teileinigung der beiden größten Volkswirtschaften kaum etwas ändern. Der IWF senkte am Dienstag seine globale Wachstumsvorhersage für dieses Jahr auf nunmehr 3 Prozent - es war die vierte Reduzierung in Folge. Im Juli hatte der IWF noch ein Wachstum von 3,2 Prozent vorausgesagt. Auch für Deutschland wurde die Konjunkturprognose leicht gesenkt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete die Konjunkturentwicklung derweil als «besorgniserregend». Die CDU-Politikerin verwies bei einem Maschinenbau-Treffen in Berlin auf Handelskonflikte und Unsicherheiten über den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. «Wir werden bis zur letzten Minute daran arbeiten, dass ein geregelter Austritt Großbritanniens erfolgt», sagte sie. Deutschland sei aber auch auf den anderen Fall vorbereitet.

Ein ungeordneter Brexit könnte die Wirtschaft Großbritanniens innerhalb von zwei Jahren um 3 Prozent bis 5 Prozent einbrechen lassen, warnte IWF-Chefvolkswirtin Gita Gopinath in Washington vor Journalisten. Der IWF rechne in seiner jüngsten Wirtschaftsprognose aber mit einem geordneten Austritt Großbritanniens, sagte sie.

Neben dem Klimawandel, Brexit und anderen geopolitische Risiken - etwa im Nahen Osten - bezeichnete der IWF vor allem die Handelskonflikte als Wachstumsbremse. Für das kommende Jahr schraubte der IWF seine Prognose ebenfalls leicht herunter - auf jetzt 3,4 Prozent. 2018 war die Weltwirtschaft noch um 3,6 Prozent gewachsen.

Der IWF geht davon aus, dass der Handelskonflikt zwischen den USA und China die globale Wirtschaftsleistung bis 2020 um bis zu 700 Milliarden US-Dollar - oder 0,8 Prozent der Wirtschaftsleistung - schwächen könnte. Angesichts der jüngst verkündeten Teileinigung der Konfliktparteien würden es eventuell nur 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung sein, erklärte IWF-Chefökonomin Gopinath. Vieles sei aber noch unklar. «Wir sind gespannt auf die Einzelheiten des Handelsabkommens», sagte Gopinath. Sollten die bereits für Dezember geplanten Strafzölle - wider Erwarten - wegfallen, würde das Wachstum wohl nur um 0,6 Prozent geschwächt, erklärte sie weiter.

Eine für Dienstag geplante Anhebung von US-Strafzöllen von 25 auf 30 Prozent auf chinesische Importe wurde in der Folge der Einigung auf Eis gelegt. Damit kommt zumindest Entspannung in den seit mehr als einem Jahr andauernden Konflikt, gelöst ist er aber noch lange nicht. Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt hatten sich in dessen Verlauf immer weiter gegenseitig mit Strafzöllen überzogen.

Merkel warb erneut für weltweit offene Märkte. Mit Blick Trumps Kurs sagte sie, es gebe derzeit erhebliche Schwierigkeiten beim Multilateralismus. Sie werde sich mit aller Kraft dagegen stemmen. Auch der IWF mahnte, Länder müssten Handelsstreitigkeiten gemeinsam lösen und Hemmnisse abbauen. «Multilaterale Zusammenarbeit ist unverzichtbar, um einige der kurz- und langfristigen Probleme zu bewältigen.» Entscheidungsträger müssten zusammenarbeiten, «um Spannungen im Handel zu beseitigen, die die globale Konjunktur geschwächt und Vertrauen verletzt haben», erklärte der IWF.

Das schwächere Wirtschaftswachstum in China sei nicht nur auf die «eskalierenden Strafzölle» zurückzuführen, sondern auch auf eine sinkende Nachfrage im Land, betonte der IWF. Für 2019 wird ein leicht nach unten korrigiertes Wachstum von 6,1 Prozent in der Volksrepublik erwartet, im kommenden Jahr von 5,8 Prozent. Vergangenes Jahr hatte die chinesische Wirtschaft noch um 6,6 Prozent zugelegt.

Für Deutschland sei die internationale Nachfrage nach Produkten «Made in Germany» in der ersten Jahreshälfte geringer gewesen als erwartet. Deshalb sei die Prognose leicht nach unten korrigiert worden, hieß es. Nun wird ein Wachstum von lediglich 0,5 Prozent erwartet. 2020 soll das Plus dann 1,2 Prozent betragen. Das sind 0,5 Prozentpunkte weniger als in der vorangegangenen IWF-Prognose im Juli. Für die Eurozone sagt der IWF ein Wachstum von 1,2 Prozent voraus. Im Juli lag die Prognose bei 1,3 Prozent. 2020 sollen es 1,4 Prozent werden.

Auch für die USA sagt der IWF schwächeres Wachstum voraus: Nach einem Plus von 2,9 Prozent im vergangenen Jahr wird 2019 nur noch ein Zuwachs von 2,4 Prozent erwartet. Die Prognose liegt für 2020 bei 2,1 Prozent und damit geringfügig besser als noch im Juli erwartet (1,9 Prozent). Sowohl Konsum als auch die Beschäftigung hätten sich positiv entwickelt. IWF-Chefsvolkwirtin Gopinath warnte allerdings, sowohl in der Eurozone als auch in den USA zeige der wichtige Dienstleistungsbereich bereits Schwächen.

Die neue Konjunkturprognose wurde im Rahmen der Jahrestagung von IWF und Weltbank in Washington vorgestellt. Bei dem mehrtägigen Treffen beraten Zentralbanker, Finanzminister und Chefs von Großbanken aus aller Welt über die Herausforderungen für die Weltwirtschaft.

Veröffentlicht am:
15. 10. 2019
17:16 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Brexit Bundeskanzlerin Angela Merkel Donald Trump Europäische Union Finanzminister Globale Konjunktur Handelskonflikte Handelskriege Internationaler Währungsfonds Notenbanker Strafzölle Weltbank Weltwirtschaft Währungsfonds
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
IWF

13.10.2019

Treffen in schwierigen Zeiten: Tagung von IWF und Weltbank

Für eine Woche wird Washington zum Mittelpunkt der globalen Finanzwelt: In einer kritischen Phase für die Weltwirtschaft treffen sich Währungsfonds und Weltbank. Kurz zuvor haben die USA und China ihren Handelskonflikt e... » mehr

Containerterminal Tollerort

02.03.2020

OECD warnt wegen Covid-19-Epidemie vor drohender Rezession

Aus Paris kommt ein ungewöhnlich deutlicher Warnruf: Staaten müssten handeln, um die Folgen der vom neuartigen Coronavirus ausgelösten Epidemie zu lindern. Können es die Notenbanken richten? » mehr

Trump in Davos

23.01.2020

Trump will sich EU vorknöpfen - und gibt Thunberg Tipps

Trotz eines ersten Gesprächs mit EU-Kommissionschefin von der Leyen gibt sich US-Präsident Trump im Handelsstreit hart. «Sie müssen sich jetzt beeilen», ruft er den Europäern zu. Aber auch für eine andere Kritikerin hat ... » mehr

Export

23.07.2019

IWF: Handelskonflikte bremsen Wachstum der Weltwirtschaft

Die globale Wirtschaft wächst schwächer. Die von US-Präsident Trump angetriebenen Handelskonflikte belasten die Konjunktur. Der Weltwährungsfonds sieht aber auch andere Risiken. » mehr

Containerumschlag

09.08.2019

Ausfuhren brechen im Juni ein - magere Halbjahresbilanz

Die Serie trüber Konjunkturdaten aus Deutschland reißt nicht ab. Globale Konflikte hinterlassen inzwischen deutliche Spuren - auch beim Export. » mehr

Christine Lagarde

02.04.2019

IWF warnt: Die Weltwirtschaft kommt an einen heiklen Punkt

Die WTO warnt genauso wie der Internationale Währungsfonds: Die Weltwirtschaft ist in unbeständiges Wetter geraten. Donald Trumps «America First» ist einer der Gründe - aber nicht der einzige. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Parking Day in Coburg

Parking Day in Coburg | 18.09.2020 Coburg
» 23 Bilder ansehen

Schaeffler Aktionstag in Eltmann Eltmann

Schaeffler Aktionstag in Eltmann | 16.09.2020 Eltmann
» 7 Bilder ansehen

WG: Totschlags-Prozess Coburg

Gerichtsprozess in Coburg | 14.09.2020 Coburg
» 16 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
15. 10. 2019
17:16 Uhr



^