Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Wirtschaft

Investmentberater: Druck auf «schmutzige» Firmen erhöhen

Nachhaltige Geldanlagen werden immer beliebter, sind aber weiter eine Nische. Doch angesichts des Klimawandels machen sich Investmentfonds Gedanken, wie sie den Umstieg auf «saubere» Anlagen forcieren können.



Kohlekraftwerk
Kohlekraftwerk in Niedersachsen. Die Europäische Union will den Ausstoß an Treibhausgasen in der EU bis 2030 im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent senken. Laut Schätzungen müssten dafür jährlich etwa 180 Milliarden Euro klimafreundlich investiert werden.   Foto: Julian Stratenschulte/dpa » zu den Bildern

Keine Waffen, kein Tabak, keine Kohle - nachhaltige Geldanlagen werden immer beliebter. Ein wichtiger Investmentberater setzt nun auf die geballte Macht von Investmentfonds, um den Druck auf Unternehmen weiter zu erhöhen, die dennoch «schmutzige» Produkte anbieten.

«Wir wollen eine Gemeinschaft gleichgesinnter Investoren aufbauen», sagte Rich Nuzum, Chef-Investmentberater für Großkunden beim Beratungsunternehmen Mercer, der Deutschen Presse-Agentur.

Wenn ein Fonds alleine sich aus nicht nachhaltigen Anlagen zurückziehe, werde sich nichts ändern. «Wenn aber genügend Fonds mitmachen, falls die Standardindizes etwa die Investitionen in Kohle verringern oder aus Militärinvestments aussteigen, aus Waffen, dann würden die Kapitalkosten für diese Unternehmen steigen», sagte Nuzum am Rande der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in Davos.

Das hätte zur Folge, dass Firmen höhere Preise verlangen müssten oder Löhne senken müssten. Das operative Geschäft werde schwieriger, sagte Nuzum. Er verwies als Beispiel auf Fonds, die Ende der 1980er, Anfang der 1990er wegen der Apartheidspolitik in Südafrika auf Firmenanteile aus diesem Land verzichtet hatten. «Letztlich wurde die Wirtschaft getroffen und die Politik änderte sich», sagte Nuzum.

Eine wichtige Rolle bei nachhaltigen Anlagen komme milliardenschweren Staatsfonds zu, etwas aus Norwegen, sagte der Berater. «Indem ein Staatsfonds solch eine Investition tätigt, löst er Innovationen aus, die die Kosten für einen graduellen Wandel zu kohlenstoffarmer Wirtschaft verringern und macht diesen wahrscheinlicher und schneller.» Gerade Fonds von Staaten, die von Öl- und Gaseinnahmen abhingen, müssten in nachhaltige Anlagen investieren. Dabei gehe es nicht nur um Diversifizierung, sondern auch darum, das Risiko eines Preises für Kohlenstoff zu minimieren, so Nuzum.

Auch von Regierungen erwartet der Investmentexperte Hilfe. «So könnten etwa Sicherheitsregulatoren verlangen, dass Unternehmen über Kohlenstoffemissionen, Arbeitspraktiken oder Wasserverbrauch berichten», sagte er. «Mehr Einheitlichkeit würde wirklich helfen.» Gefragt seien vor allem Länder mit großer Marktmacht wie die USA oder China, aber auch einzelne Regionen wie der US-Bundesstaat Kalifornien könnten einiges bewirken. «Wenn Kalifornien beispielsweise seine Emissionsstandards über die US-Norm erhöht, hat das Auswirkungen, denn Autobauer werden nicht auf diesen Markt verzichten wollen.»

Wichtig sei für Investmentfonds aber, zusammen mit Indexanbietern einen Index zu erstellen, der klare Kriterien festlege, sagte Nuzum. Dafür seien wichtige Fragen zu klären. Wann sei ein Konzern etwa ein Waffenhersteller - wenn Waffen 5, 10 oder 50 Prozent vom Umsatz ausmachten? Ziele man auf den Endhersteller oder auch auf Zulieferer?

Noch schwieriger sei es bei Kohle. Hier sei ein sofortiger Ausstieg kompliziert, dies werde noch 20 bis 30 Jahre dauern. Möglich sei eher, Unternehmen zu belohnen, die versuchten, Kohle so sauber wie möglich zu verbrennen. «Wenn man gute Absichten in einem schmutzigen Sektor belohnt und andere Unternehmen folgen, tut man vielleicht mehr für die Emissionen», sagte Nuzum. «Ja, man investiert in Kohle, aber schafft Anreize für den Kohlesektor, sauberer zu sein, das könnte in Hinsicht auf Emissionen helfen. Der Teufel liegt im Detail.»

Nachhaltige Geldanlagen werden in Deutschland immer beliebter. Nach Angaben des Fondsverbands BVI hat sich das verwaltete Vermögen in nachhaltigen Publikumsfonds, in die private und Profi-Anleger investieren dürfen, binnen fünf Jahren mehr als verdoppelt: Von 15 Milliarden Euro Ende September 2014 auf 31 Milliarden Euro im Herbst 2019. Dazu kommen gut 50 Milliarden Euro in offenen Spezialfonds rein für Großinvestoren. Bislang sind nachhaltige Fonds aber eine Nische: Gemessen am Gesamtvermögen in Publikumsfonds von 1,079 Billionen Euro Ende September kamen sie auf rund 3 Prozent Marktanteil.

Auch die Politik macht Druck. So will die EU den Ausstoß an Treibhausgasen in der EU bis 2030 im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent senken. Laut Schätzungen müssten dafür jährlich etwa 180 Milliarden Euro klimafreundlich investiert werden. Bankberater könnten nach EU-Plänen schon 2021 verpflichtet sein, Sparer zu fragen, ob sie ihr Geld nachhaltig anlegen wollen. Auch zwingende Hinweise auf mögliche Klimafolgen von Investments werden diskutiert.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
05. 02. 2020
11:02 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bankberater Berater Beratungsunternehmen Deutsche Presseagentur Europäische Union Finanzinvestoren und Anleger Investmentfonds Sparer Staatsfonds Unternehmen Vermögensanlage und Vermögensbildung Weltwirtschaftsforum
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Deutsche Start-ups erleben Boom

14.01.2020

Deutsche Start-ups boomen - und sind vom Ausland abhängig

Deutsche Gründer erhielten 2019 erneut Rekordsummen von Investoren. Doch große Beträge kommen fast immer von ausländischen Geldgebern. Das birgt Gefahren für den hiesigen Technologiestandort. » mehr

Fondsvermögen auf Rekordhoch

11.02.2020

Börsenboom treibt Fondsvermögen auf Rekordhoch

Fondsgesellschaften verzeichnen Rekordwerte. Allerdings wandert nach wie vor der größte Teil der Spargelder in Deutschland in renditeschwache Anlagen. » mehr

Goldbarren

27.07.2020

Comeback des «Krisenmetalls»: Goldpreis auf Rekordhoch

Es ist eine der abgedroschensten Floskeln an den Finanzmärkten, aber sie passt: Gold glänzt wieder. Noch vor Kurzem sah das ganz anders aus. Doch die Pandemie verunsichert Anleger immer mehr. » mehr

Kritik aus Österreich

03.02.2020

Merkel: Werden weiter über Steuer auf Aktienkäufe verhandeln

Die Einnahmen sind längst verplant, doch die Steuer auf Aktienkäufe ist in der EU noch längst nicht beschlossen. Österreichs Kanzler Sebastian Kurz meint, die deutschen Pläne träfen die Falschen. Das will man hier nicht ... » mehr

Bankschließfächer

17.01.2020

Privates Geldvermögen trotz Zinsflaute auf Rekordhoch

Statistisch gesehen schwimmen die deutschen Haushalte im Geld: Trotz weiterhin konservativer Anlagestrategien ist das private Geldvermögen auf 6302 Milliarden Euro gestiegen - das ist fast doppelt so viel wie das Bruttoi... » mehr

SpinLab

07.04.2020

Corona-Pandemie bedroht viele Start-ups in ihrer Existenz

Lange Zeit floss das Geld für Gründer üppig - dank der guten Konjunktur und risikofreudiger Investoren. Doch mit der Corona-Pandemie dürfte sich nun das Blatt drehen. Auf einige Start-ups kommen schwere Zeiten zu. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Der Coburger Bahnhof der Zukunft Coburg

Der Coburger Bahnhof der Zukunft | 03.08.2020 Coburg
» 21 Bilder ansehen

Fridays for Future und Critical Mass in Coburg Coburg

Fridays for Future und Critical Mass in Coburg | Coburg
» 32 Bilder ansehen

Repatatur des Windrades bei Untermerzbach

Reparatur des Windrads bei Untermerzbach |
» 7 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
05. 02. 2020
11:02 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.