Lade Login-Box.
Corona Ticker
Topthemen: CoronavirusVideosCoburger OB-Kandidaten vor der KameraCotubeBlitzerwarner

Wirtschaft

Korruptionsvorwürfe: Airbus zahlt 3,6 Milliarden Euro Strafe

Ex-Konzernchef Tom Enders hatte die Airbus-Mitarbeiter schon vor Jahren auf «erhebliche Strafen» wegen Korruptionsvorwürfen eingeschworen. Das ist nun eingetreten - Airbus muss nach einer Einigung mit Behörden tief in die Tasche greifen.



Airbus-Produktion
Airbus-Werk in Hamburg-Finkenwerder: Der Flugzeugbauer mus wegen Korruptionsvorwürfen 3,6 Milliarden Euro Strafe zahlen.   Foto: Christian Charisius/dpa

Mit einer beispiellosen Milliardenstrafe hat Airbus langjährige Korruptionsermittlungen in drei Ländern beendet. Nach einer Einigung mit Behörden will der europäische Flugzeugbauer zusammen 3,6 Milliarden Euro in Frankreich, Großbritannien und den USA zahlen.

Das bestätigte die Finanzstaatsanwaltschaft in Paris am Freitag. Der Löwenanteil wird dabei in Frankreich fällig - Airbus muss dort innerhalb von zehn Tagen 2,1 Milliarden Euro Strafe zahlen. In Großbritannien beläuft sich die Geldbuße auf knapp 984 Millionen Euro, die USA sollen knapp 526 Millionen Euro bekommen.

Bereits Anfang der Woche war bekannt geworden, dass Airbus sich in den Untersuchungen zu Bestechungs- und Korruptionsvorwürfen in den drei großen Ländern auf einen Milliarden schweren Kompromiss geeinigt hatte. Die schon seit Jahren laufenden Untersuchungen hatten den Luftfahrtkonzern mit Hauptquartier im französischen Toulouse unter Druck gesetzt. Die nun vereinbarte Riesensumme übersteigt den Gewinn des Konzerns aus dem Jahr 2018, der 3,05 Milliarden Euro betragen hatte. Zahlen für das Gesamtjahr 2019 liegen noch nicht vor.

Auslöser der Ermittlungen war eine Selbstanzeige des Unternehmens. Die Behörden untersuchten Bestechungsvorwürfe im Zusammenhanghang mit Verträgen beim Verkauf von Zivilflugzeugen und Satelliten, wie es von der französischen Finanzstaatsanwaltschaft hieß. Die Vorwürfe betreffen demnach Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit Mittelsmännern.

«Airbus hat sich über mehrere Jahre eines massiven Korruptionssystems bedient, um seine Geschäftsinteressen durch Bestechung in China und in anderen Ländern zu fördern und die Bestechungsgelder zu verheimlichen», teilte das US-Justizministerium mit. Dazu habe Airbus etwa «wissentlich und vorsätzlich» Zahlungen an einen Geschäftspartner in China geleistet, die als Bestechungsgelder für Regierungsbeamte gedacht gewesen seien und verschleiert worden wären, so der Vorwurf des Ministeriums. Ziel war der Kauf und Verkauf von Airbus-Flugzeugen an staatliche und staatlich kontrollierte Fluggesellschaften.

Airbus bestätigte die Strafzahlungen, erklärte aber, dass der Konzern aus rechtlichen Gründen keine Stellungnahme zu den von den Ermittlungsbehörden veröffentlichten Tatsachendarstellungen abgeben könne. Mit Frankreich und Großbritannien habe man sich auf ein Schuldeingeständnis geeinigt. Man habe «tiefgreifende Reformschritte zum Ausschluss von Wiederholungsfällen» unternommen, hieß es. «Die (...) erzielten Einigungen sind ein sehr wichtiger Meilenstein für uns. Sie erlauben es Airbus, nun nach vorne zu schauen und weiterhin nachhaltig und verantwortungsvoll zu wachsen», betonte Airbus-Chef Guillaume Faury.

Der frühere deutsche Konzernchef Thomas Enders hatte in der Vergangenheit die Mitarbeiter des Luft- und Raumfahrtkonzerns auf die Möglichkeit «erheblicher Strafen» eingestimmt. Schwerwiegende Konsequenzen seien nicht auszuschließen, insbesondere das Risiko erheblicher Geldstrafen, hatte es in einem Brief geheißen, den das französische Internetmagazin «Mediapart» 2017 veröffentlichte.

Airbus einigte sich am Freitag außerdem mit dem US-Außenministerium auf ein weiteres - allerdings deutlich geringeres - Bußgeld. Der Konzern will 10 Millionen US-Dollar für Verstöße gegen Waffenexportkontrollgesetze zahlen. Airbus muss demnach auch für drei Jahre einen externen Prüfer bestellen, der die Einhaltung der Vereinbarung überwachen wird. Airbus hatte die Verstöße selbst angezeigt, erklärte das Ministerium in Washington.

In der übernächsten Woche will Airbus schließlich seine Jahreszahlen für 2019 vorlegen. Im April vergangenen Jahres hatte Faury das Ruder von Enders als Konzernchef übernommen - und damit auch die Ermittlungen zu den Korruptions- und Bestechungsvorwürfen geerbt.

Auch ein anderer Schatten liegt über dem Unternehmen: der Zollstreit zwischen den USA und der Europäischen Union. Grund sind illegale Staatshilfen für die beiden Flugzeugbauer Airbus und Boeing. Der US-amerikanische Erzrivale Boeing befindet sich derzeit wegen der mit Flugverboten belegten Unglücksjets 737 Max allerdings in einer schweren Krise.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
31. 01. 2020
19:17 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Airbus GmbH Airbus-Chefs Boeing Bußgelder Deutsche Presseagentur Europäische Union Flugzeugbauer Geldstrafen Konzernchefs Luftfahrtkonzerne Ministerien Raumfahrtkonzerne Strafarten Thomas Enders US-Außenministerium US-Justizministerium
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Airbus einigt sich mit Behörden wegen Korruptionsvorwürfen

28.01.2020

Korruptionsvorwürfe: Airbus einigt sich mit Behörden

Untersuchungen zu Korruptionsverdacht belasten Airbus seit langem. Nun ist der Weg für eine Einigung geebnet. Es sind aber noch Hürden zu überwinden. » mehr

Airbus A320-200

13.02.2020

Airbus: Milliardenstrafe überschattet Erfolgsjahr

Erstmals seit Jahren hat Airbus 2019 mehr Flugzeuge als Erzrivale Boeing ausgeliefert. Was für ein Erfolg für den europäischen Flugzeugbauer. Doch davon war wenig zu spüren, als Airbus nun einen Milliardenverlust präsent... » mehr

Produktion bei Airbus

08.04.2020

Airbus kappt Flugzeugproduktion um ein Drittel

Die Corona-Pandemie trifft die Luftfahrtbranche enorm. Airlines sparen an allen Ecken - das hat Folgen auch für die großen Flugzeugbauer. » mehr

Airbus einigt sich mit Behörden

28.01.2020

Airbus einigt sich mit Behörden nach Korruptionsvorwürfen

Es geht um den Vorwurf der Korruption im Flugzeuggeschäft - dazu gab es Vorwürfe gegen Airbus in mehreren Ländern. Jetzt teilt das Unternehmen mit, dass es eine Einigung gibt. » mehr

Ausschuss kritisiert Boeing und FAA scharf

07.03.2020

737-Max-Abstürze: Scharfe Kritik an Boeing und FAA

Der Airbus-Rivale Boeing ist nach zwei Flugzeugabstürzen mit insgesamt 346 Toten mit heftigen Anschuldigungen konfrontiert. Die Rede ist von «einer Kultur des Verheimlichens». Auch die Aufsicht FAA wird in einem vorläufi... » mehr

Airbus

15.02.2020

Washington erhöht Strafzölle auf EU-Flugzeugimporte

Im Streit um rechtswidrige EU-Subventionen für den europäischen Flugzeugbauer Airbus erhöht Washington die Strafzölle auf EU-Flugzeugimporte von 10 auf 15 Prozent. Die Maßnahme trete am 18. März in Kraft, teilte das Büro... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Stichwahl in Coburg Coburg

Stichwahl 2020 Coburg und Kronach | 29.03.2020 Coburg
» 22 Bilder ansehen

Rad-Reisebericht

Ehepaar aus den Haßbergen erkundet Jerusalem mit Rad | 24.03.2020 Jerusalem
» 15 Bilder ansehen

SPD-Wahlparty in der Loreley Coburg

Kommunalwahl 2020 Coburg | 15.03.2020 Coburg
» 27 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
31. 01. 2020
19:17 Uhr



^