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Wirtschaft

Kreise, Sterne, Ampelfarben - Neues Nährwert-Logo gesucht

In welchem Müsli sind weniger «Dickmacher»? Welcher Joghurt hat mehr Zucker? Supermarktkunden sollen das leichter auf der Packung sehen können - am besten auf einen Blick. Gibt es geeignete Vorbilder?



Nutri-Score
Mit Nutri-Score sollen Verbraucher auf einen Blick erkennen können, wie ausgewogen oder unausgewogen verarbeitete Lebensmittel sind.   Foto: Christophe Gateau

Eine «Nährwertampel» mit Rot, Gelb und Grün, schwarze Warnsymbole oder ein Siegel mit Sternen: Damit Verbraucher einfacher erkennen können, ob viel Zucker, Fett oder Salz in Fertigprodukten steckt, gibt es in einigen Ländern extra Kennzeichnungen.

Die große Koalition will so etwas auch für Deutschland in Angriff nehmen. Doch wie soll das aussehen? Ein Favorit in der Debatte ist das Farb-Logo Nutri-Score, das auch schon erste Produkte in Supermärkten tragen. Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) will erst noch weitere Klärungen anstellen. Verbraucherschützer fordern aber mehr Tempo.

Es sei höchste Zeit, dass Klöckner sich von der «unbelehrbaren deutschen Süßwaren- und Junkfood-Industrie» emanzipiere und dem besten Modell für Europas Verbraucher auch in Deutschland zum Durchbruch verhelfe, sagte Luise Molling von der Organisation Foodwatch. Mit Nutri-Score sei auf einen Blick zu erkennen, wie ausgewogen oder unausgewogen verarbeitete Lebensmittel sind. Die Kennzeichnung bezieht neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz auch empfehlenswerte Bestandteile wie Ballaststoffe oder Proteine in eine Bewertung ein und gibt dann einen einzigen Wert an - auf einer fünfstufigen Skala von dunkelgrün bis rot.

Foodwatch stellte eine Studie vor, die fünf Modelle aus anderen Ländern untersuchte. In diesem Vergleich sei Nutri-Score «das effizienteste System» zur Aufklärung über die Ernährungsqualität gewesen. Die Teilnehmer sollten Produkte mit und ohne Kennzeichnung nach der höchsten, mittleren oder niedrigsten Qualität einordnen. In Deutschland wurden 1000 Menschen befragt, aber ausgewählt nach bestimmten Kriterien und nicht als repräsentative Stichprobe der Bevölkerung. Die Studie stammt den Angaben zufolge von Forschern der Universität Paris-Nord - diese waren auch an der Entwicklung von Nutri-Score beteiligt - sowie der Curtin University in Australien.

Mit getestet wurde auch die britische «Ampel», über die lange heiß diskutiert wurde. Sie zeigt in separaten Feldern in Rot, Gelb und Grün einen hohen, mittleren oder niedrigen Gehalt an Zucker, Fett und Salz. Und es gibt noch weitere Modelle. So warnen in Chile schwarze achteckige Logos Stoppzeichen-Form etwa vor einer «großen Menge Zucker». In Australien und Neuseeland gibt es eine Kennzeichnung, die eine zusammenfassende Bewertung in einem Logo darstellt - je besser, desto mehr von fünf Sternen in einem Kreis werden schwarz unterlegt.

Eine vergleichende Einschätzung hat auch schon das bundeseigene Max-Rubner-Forschungsinstitut für Ernährung (MRI) vorgelegt. Fazit: Jedes untersuchte Modell habe «Vorteile, jedoch auch Einschränkungen» - auch Nutri-Score. Das System sei als «wissenschaftlich fundiert und nachvollziehbar» anzusehen und richte sich an die Breite der Bevölkerung. Fragezeichen machte das MRI aber etwa bei Bewertungen zum Gehalt an Ballaststoffen und Zucker. Generell sei zu klären, ob ein Modell Einzelkomponenten oder das Gesamtprodukt beschreiben und bewerten solle. Um Verwirrung zu vermeiden, solle die Bundesregierung dann auch nur ein Modell unterstützen, das einheitlich aussieht.

Klöckner will eine verständlichere, erweiterte Nährwertkennzeichnung und argumentiert: «Die gesunde Wahl soll die leichte Wahl sein.» Vor einer Festlegung sieht sie aber noch Klärungsbedarf. Dafür soll es eine Verbraucherbefragung mit Praxistest geben, bei dem Bürger sagen können, welches System im Alltag am meisten hilft. Mit in die Auswahl soll auch ein Modell kommen, das das MRI noch selbst entwickeln soll.

Auch der Spitzenverband der Lebensmittelbranche (BLL) hat schon einen Vorschlag gemacht. Damit würde auf der Packungsvorderseite der Gehalt an Nährstoffen und die Kalorienzahl veranschaulicht - aber über eine Darstellung in fünf Kreisen, mit Hellblau und Lila. «Ampelfarben und Buchstaben mögen verständlich sein, aber deren Aussage ist nicht immer die richtige», kritisierte der Verband. Das Thema sorgt aber für Krach: Der Tiefkühlkostanbieter Iglo, der Nutri-Score einführen will, trat unter Protest aus dem BLL aus. Die Zuckerbranche warnte: «Lebensmittel lassen sich nicht in gesund und ungesund einteilen.»

Wie schnell die Entscheidung fällt, muss sich bald zeigen. Für die SPD betonte Ernährungsexpertin Ursula Schulte: «Nutri-Score hat das Zeug zu einem europäischen Projekt, das das Wohl der Verbraucher in den Mittelpunkt stellt.» Der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold sagte, nach der Europawahl solle ein neuer Anlauf unternommen werden, EU-weit eine «Lebensmittelampel» einzuführen. FDP-Fachpolitiker Gero Hocker wandte sich indes dagegen, mit noch einer Kennzeichnung den Weg zu einer «Entmündigung des Bürgers» zu gehen.

Das Bundesinstitut MRI erläuterte, ein neues Modell erforderte «eine mehrjährige Entwicklungsphase». Werde ein bestehendes Modell getestet und dann «auf die Gegebenheiten in Deutschland angepasst», sei der Zeitbedarf geringer. Dabei ist klar, dass eine Extra-Kennzeichnung über die verbindlichen EU-Vorgaben hinaus für Hersteller vorerst nur freiwillig sein kann. Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD vereinbart, bis zu diesem Sommer ein Modell zu erarbeiten.

Veröffentlicht am:
15. 05. 2019
17:34 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
15. 05. 2019
17:34 Uhr



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