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Wirtschaft

Lebensmittelbranche: Versorgung sicher

Der Kampf gegen das Coronavirus berührt längst den Alltag von Millionen Bundesbürgern. Das sorgt auch für Anspannung auf dem wichtigen Lebensmittelmarkt - und für Engpässe auf manchen Feldern.



Hamsterkäufe
In einem Supermarkt sind leere Fleischregale zu sehen.   Foto: Bodo Marks/dpa/Symbolbild

Kunden räumen Supermarktregale leer, andere stehen kopfschüttelnd davor - und Spargelbauern bangen um Erntehelfer aus Osteuropa: Folgen der Coronakrise bekommen zusehends auch Verbraucher und die Landwirtschaft zu spüren.

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) sandte am Dienstag aber gemeinsam mit der Branche das deutliche Signal: «Die Lebensmittelversorgung ist gesichert.» Und: «Die Supermärkte bleiben offen.» Um praktische Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen, dringt die Wirtschaft aber auch auf flexible Krisenlösungen für Anlieferungen und dringend benötigte Saisonkräfte.

DIE SUPERMÄRKTE: Läden in vielen Städten haben gerade deutliche Umsatzsprünge - weil manche etwa bei Nudeln oder Toilettenpapier massenhaft zuschlagen. Kunden seien teils mit kleinen Lastern gekommen, um eigentlich nicht erforderliche Mengen zu kaufen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth. Klöckner verwies auch auf Falschmeldungen im Internet, mit denen manche Panik hervorriefen. «Das ist nicht witzig, das ist unanständig.» Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller, kritisierte, Hamsterkäufe seien jetzt auch «unsolidarisch», da sie Verunsicherung vergrößerten und in manchen Fällen tatsächlich zu zeitweisen Engpässen in der Verfügbarkeit führen könnten.

Genth betonte, das System der Logistikketten und Zentrallager funktioniere weiterhin. Nötig seien aber einige flexiblere Regelungen - etwa damit Lkw-Lieferungen auch an Sonntagen und abends möglich sind. Er appellierte an die Kunden, den Haupteinkauf nicht nur freitags und samstags zu machen, sondern beispielsweise dienstags oder mittwochs. Das erleichtere auch, Regale aufzufüllen. Sonntagsöffnungen, die die Politik nun möglich machen will, seien vorerst nicht nötig. Auch für Zutrittsbeschränkungen in Läden gebe es keinen Anlass. Klöckner schlug Sonderspuren an Grenzübergängen vor, damit Warenlieferungen und Tiertransporte nicht stundenlang in Staus feststecken.

DIE LEBENSMITTELPREISE: Wird Essen wegen Corona teurer? Erst mal erwarten das weder Ministerin noch Bauern noch Handel. «Da genügend da ist, sehe ich nicht, dass die Preise deshalb steigen», sagte Klöckner. Bauernpräsident Joachim Rukwied eläuterte, dass etwa Weizen- und Rapspreise derzeit sogar eher niedrig seien. Christian von Boetticher von der Bundesvereinigung der Ernährungsindustrie (BVE) verwies darauf, dass es zwischen Industrie und Handel in der Regel Jahresverträge gebe. «Erst mal passiert im Preisbereich gar nichts.» Nur, wenn bestimmte Zutaten längerfristig überall auf den Weltmärkten knapp würden, könne sich das ändern.

ERNTEHELFER: In der Landwirtschaft gibt es wegen der Coronakrise auch Sorgen. Denn kurz vor der Spargelsaison droht vielen Betrieben ein Engpass bei Erntehelfern. Derzeit gelingt es oft nicht, sie aus Polen und anderen osteuropäischen Ländern herzubekommen. Für Spargel, aber auch für Erdbeeren würden dringend Kräfte gebraucht, sagte Rukwied. Insgesamt kommen jedes Jahr vor allem zwischen April und Oktober rund 286.000 Helfer aus dem Ausland nach Deutschland. Aber nun gibt es an mehreren EU-Grenzen rigide Kontrollen. Klöckner spricht nach eigenen Angaben gerade über Lösungsmöglichkeiten - von «Passierscheinen» bis dazu, Saisonkräfte möglicherweise per Flugzeug zu holen.

Vor allem Spargelbauern schlagen schon Alarm: «Wir laufen auf eine bedrohliche Situation zu», sagte der Vizepräsident des Landvolks in Niedersachsen, Ulrich Löhr. Teile der Ernte müssten womöglich auf den Feldern bleiben. Auch der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer befürchtet Engpässe bei der Ernte, für die mehr als 180.000 Saisonarbeitskräfte benötigt werden. Viele Polen blieben aus Angst vor einer Infektion in diesem Jahr zu Hause.

ANSTECKUNGSGEFAHR BEIM EINKAUFEN UND DURCH LEBENSMITTEL: Es gebe keinen nachgewiesenen Fall, in dem ein Mensch sich über Lebensmittel angesteckt hätte, sagte der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Andreas Hensel. Theoretisch sei eine Infektion übers Anfassen von Oberflächen zwar denkbar, aber die Viren seien «nicht besonders stabil» in der Umwelt. Erhitzen, Seife, Spülmittel oder Alkohol helfen demnach zusätzlich. Es gebe auch noch keine fachlichen Empfehlungen, den Zugang zu Supermärkten zu beschränken, um Menschenansammlungen zu vermeiden, sagte Hensel. «Wenn es denn mal so weit sein wird, ist das eine politische Entscheidung.»

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dpa

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Veröffentlicht am:
17. 03. 2020
17:05 Uhr

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17. 03. 2020
17:05 Uhr



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