Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Wirtschaft

Nach neuen US-Zöllen: Chinas Premier wirbt für Freihandel

US-Präsident Trump hat den Handelskonflikt mit China dramatisch verschärft. Chinas Regierungschef hält sich mit direkter Kritik zurück - und umwirbt internationale Investoren. Die deutsche Wirtschaft verfolgt den Streit dennoch mit großer Sorge.



Handelsstreit
Containerverladung im Hafen von Oakland. Der Handelskonflikt zwischen China und den USA eskaliert.   Foto: Ben Margot/AP

Vor dem Hintergrund des Handelsstreits mit den USA hat Chinas Premierminister Li Keqiang den globalen Freihandel verteidigt.

«Es ist wichtig, dass wir die Grundprinzipien des Multilateralismus und des Freihandels aufrechterhalten», sagte er auf dem «Sommer-Davos» genannten Weltwirtschaftsforum in Tianjin. Ohne den sich zuspitzenden Handelskonflikt seines Landes mit den USA direkt anzusprechen, sagte Li, dass Streitigkeiten durch Gespräche gelöst werden müssten. Die Abschottung einzelner Staaten sei keine Lösung.

Der deutsche Außenhandelsverband BGA warnte, Chinas Gegenreaktion auf den jüngsten Eskalationsschritt der US-Regierung könnte - auch jenseits neuer Zölle - drastisch ausfallen und die Risiken für die gesamte Weltwirtschaft erhöhen.

Mit seiner Rede umwarb der chinesische Premier die Investoren und anderen Teilnehmer des jährlichen Treffens, das zum zwölften Mal in China stattfindet. Er versicherte den Anwesenden, dass sein Land die Öffnung seiner Wirtschaft «mit größerer Geschwindigkeit» fortsetzen und Hürden für ausländische Firmen reduzieren werde. Zudem werde China das durchschnittliche Zollniveau weiter senken.

Li machte seine Bemerkungen nur Stunden, nachdem der Handelsstreit der beiden größten Volkswirtschaften der Welt eine neue Eskalationsstufe erreicht hatte. US-Präsident Donald Trump hatte den Konflikt durch neue Sonderzölle auf China-Importe im Wert von weiteren 200 Milliarden Dollar befeuert. Das Handelsministerium in Peking reagierte umgehend und kündigte Vergeltung an. So sollen US-Importe im Wert von 60 Milliarden Dollar mit Extrazöllen belegt werden. China kann Vergeltung mit eigenen Strafzöllen auf Importe aus den USA allerdings nur begrenzt üben, weil das Land deutlich weniger Waren aus den Vereinigten Staaten einführt als andersherum.

Der Zollstreit zwischen den Wirtschaftsgroßmächten verunsichert auch den deutschen Außenhandel. Nach der Verkündung der neuen US-Zölle sagte der Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Holger Bingmann, der «Rheinischen Post»: «Bisher war ich vorsichtig optimistisch, dass Handelsgespräche zu einem positiven Ergebnis führen könnten. Dass Trump nun tatsächlich noch diesen Zoll-Hammer rausholt, versetzt mich in tiefe Unruhe.»

Die Regierung in Peking habe bislang vergleichsweise besonnen agiert, sagte er. «Ich will mir aber gar nicht ausmalen, was passieren würde, wenn die Chinesen zu anderen, härteren Mitteln greifen würden. Sie könnten zum Beispiel im großen Umfang Kapital aus den USA abziehen», warnte Bingmann. «Dann müssten die USA auf einmal Hunderte Milliarden zurückzahlen. Das würde eine weltwirtschaftliche Krise auslösen.»

Trump hatte bereits zuvor erklärt, er werde im Fall chinesischer Vergeltung «die dritte Phase» einleiten und weitere Waren im Wert von 267 Milliarden Dollar mit Sonderzöllen belegen. Das wäre dann praktisch das gesamte Einfuhrvolumen der USA aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Trump verfolgt das Ziel, das immense Handelsdefizit der USA mit China einzudämmen. Die Verhängung zusätzlicher Zölle hat bisher allerdings nicht dazu geführt. Im Juli und August war das Handelsdefizit gegenüber China noch gewachsen.

Angesichts der Abschottungspolitik von Trump und internationaler Handelskonflikte korrigierte das Institut der deutschen Wirtschaft seine Konjunkturprognose nach unten. Für 2018 gehen die Forscher jetzt nur noch von einem Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent aus, das sind 0,2 Prozentpunkte weniger als im Frühjahr erwartet. Vor allem die «America first»-Politik von Trump sowie der Handelskonflikt mit China wirkten sich spürbar auf den Welthandel und damit auf die deutsche Wirtschaft aus, erklärte das arbeitgebernahe Institut in Köln. Zusätzlich gebremst werde die Konjunktur durch teurere Energie.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
19. 09. 2018
16:12 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Außenhandelsdefizit Dollar Donald Trump Finanzinvestoren und Anleger Freihandel Handelskonflikte Institut der deutschen Wirtschaft Li Keqiang Milliarden Dollar Premierminister Präsidenten der USA Regierungschefs US-Regierung Weltwirtschaftsforum Zoll (Außenwirtschaft)
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Asean-Gipfel

04.11.2019

15 Länder einigen sich auf großen Freihandelspakt für Asien

Die geplante Freihandelszone für Asien und den Pazifikraum könnte ein Drittel des Welthandels beinhalten. Fast alle verhandelnden Länder haben sich verständigt. Nur Indien möchte weiterverhandeln. » mehr

Juncker erwartet keine Autozölle von Trump

08.11.2019

Entspannung im Streit um Autozölle mit USA?

US-Präsident Trump droht seit Monaten mit Strafzöllen auf Autoimporte aus der EU. Vor allem deutsche Hersteller würde das heftig treffen. In wenigen Tagen fällt die Entscheidung - ein «vollinformierter Mann» ist gelassen... » mehr

Huawei

31.05.2019

China stellt Liste mit «unzuverlässigen» Firmen auf

Die USA haben den chinesischen Huawei-Konzern auf eine schwarze Liste gesetzt. Nun droht China damit, ausländische Firmen auf ähnliche Art ins Visier zu nehmen. Auch eine neue Runde von Strafzöllen soll in Kraft treten. » mehr

Seltenen Erden

31.05.2019

China will neue Zölle gegen USA in Kraft setzen

Im Handelsstreit der beiden größten Volkswirtschaften schwinden die Hoffnungen auf eine rasche Lösung. Die neueste Entscheidung Washingtons: Auf ein Produkt aus China werden Strafzölle von bis zu 1731,75 fällig - und auc... » mehr

Maisernte in den USA

05.11.2019

US-Handelsbilanzdefizit sinkt im September

Das Handelsbilanzdefizit der USA hat sich im September verringert. Es fiel saisonbereinigt um 2,5 Milliarden US-Dollar auf 52,5 Milliarden Dollar, wie das amerikanische Handelsministerium am Dienstag in Washington mittei... » mehr

Handelsstreit USA-China

10.10.2019

USA und China führen neue Gespräche zu Handelsabkommen

Seit mehr als einem Jahr eskaliert der Handelskrieg zwischen den USA und China. Nun unternehmen beide Seiten einen neuen Anlauf für ein Abkommen. Die Erwartungen sind gedämpft. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Kunstvolle Weihnacht Kronach

Kunstvolle Weihnacht in Kronach | 08.12.2019 Kronach
» 18 Bilder ansehen

Heim-Wettkampf SG Coburg Schützen

Heim-Wettkampf SG Coburg Schützen | 08.12.2019 Coburg
» 15 Bilder ansehen

Bilderserie: Weihnacht der Generationen

Weihnacht der Generationen in Coburg | 08.12.2019 Coburg
» 27 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
19. 09. 2018
16:12 Uhr



^