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Wirtschaft

Nahost-Krise zwingt Airlines zum Umplanen

Der Konflikt zwischen Iran und den USA hält auch Fluggesellschaften in Atem - und zwar nicht nur wegen vielleicht steigender Ölpreise. Vor allem gilt es, alle Flugzeuge sicher um die Region herumzusteuern, um eine Katastrophe zu verhindern.



Flugzeug
Fluggesellschaften wie die Lufthansa und die französisch-niederländische Air France-KLM umfliegen seit Mittwochmorgen sicherheitshalber den Irak und den Iran.   Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Der Angriff des Iran auf US-Soldaten im Irak stellt den Luftverkehr zwischen Europa, Indien und Australien vor neue Herausforderungen.

Fluggesellschaften wie die Lufthansa und die französisch-niederländische Air France-KLM umfliegen seit Mittwochmorgen sicherheitshalber die Region. Die US-Luftfahrtbehörde FAA untersagte Airlines aus ihrer Heimat, überhaupt noch über Irak, Iran, den Persischen Golf und den Golf von Oman zu fliegen. Wie stark sich die neue Lage auf Passagiere und Fluggesellschaften auswirkt, bleibt aber noch abzuwarten.

So strich die Lufthansa zunächst nur einen für Mittwoch geplanten Flug von Frankfurt in die iranische Hauptstadt Teheran. Ab Donnerstag würden die Flüge dorthin wieder aufgenommen, sagte ein Sprecher. Allerdings meidet die Airline sonst weiterhin den dortigen Luftraum. «Wir überfliegen derzeit weder Iran noch Irak.» Die Kernmarke Lufthansa müsse dazu nur etwa eine Handvoll Flüge pro Tag umplanen - nämlich auf Strecken nach Indien. Die Verspätungen hielten sich bisher in engen Grenzen. Die österreichische Tochter Austrian sagte einen Flug von Wien nach Erbil im Irak ab.

Der Iran hatte in der Nacht zu Mittwoch US-Militärstützpunkte im Irak mit Raketen angegriffen. Die FAA begründete das Flugverbot für zivile Flugzeuge aus den USA mit der erhöhten militärischen Aktivität und wachsenden politischen Spannungen. Flugzeuge vieler Airlines überqueren auf dem Weg von Europa nach Südost-Asien oder Australien und zurück bisher regelmäßig die Region am Persischen Golf.

Der deutsche Ferienflieger Condor und die Airlines des Reisekonzerns Tui sehen sich von der Umplanung nur leicht betroffen. Condor nehme auf den Verbindungen nach Kuala Lumpur und auf die Malediven jetzt Routen nördlich und südlich um Iran und Irak herum, sagte eine Sprecherin.

Dies habe aber keine übermäßigen Auswirkungen auf den Flugplan. Tui müsse Maschinen nur auf dem Weg ins indische Goa umsteuern, sagte ein Sprecher der deutschen Flugtochter Tuifly. Zudem gebe es gelegentliche Charterflüge nach Abu Dhabi, bei denen die Flugzeuge nun womöglich einen Zwischenstopp einlegen müssten.

Die niederländische KLM, die ihre Maschinen jetzt ebenfalls einen Umweg fliegen lässt, schätzt die zu erwartenden Verspätungen auf zehn bis zwölf Minuten, wie ein KLM-Sprecher dem Rundfunksender NOS sagte. Bei anderen Gesellschaften sind die Auswirkungen heftiger.

Die australische Qantas kostet der Umweg auf der Strecke von Perth nach London etwa 40 bis 50 Minuten, wie ein Sprecher sagte. Auch Vietnam Airlines, Air India und Singapore Airlines sowie China Airlines und Eva Air aus Taiwan planen um. Die Umfliegung kostet viel Treibstoff und Geld. Große Verspätungen können die Flugpläne durcheinander bringen.

Fluggesellschaften außerhalb der USA sind zwar nicht an das von der FAA verhängte Verbot gebunden. Sie wollen aber verhindern, dass sich ein Unglück wie das in der Ukraine von 2014 wiederholt. Dort hatte während des Konflikts mit Russland eine Rakete einen Boeing-Jet von Malaysia Airlines getroffen. Auf dem Flug MH17 starben 298 Menschen.

Für die Aktienkurse vieler Airlines ging es auch am Mittwoch abwärts. Die Aktien von Qantas verloren mehr als drei Prozent. Die Papiere von Air France-KLM, der British-Airways-Mutter IAG und Lufthansa mussten weniger Federn lassen. Die Tui-Aktie sackte um mehr als vier Prozent ab. Daran dürfte auch die Befürchtung beigetragen haben, dass der Ölpreis und damit die Treibstoffkosten für Airlines steigen könnten.

Noch am Mittwoch schickten Airlines ihre Jets über den Irak nach Europa und zurück, wie aus den Daten von «Flightradar24» hervorgeht. So schwebte ein Airbus A380 der arabischen Linie Etihad von Abu Dhabi über den Irak nach London. Emirates flog mit einem Jet gleichen Typs von Dubai über das Land in Richtung britische Hauptstadt. Und ein Airbus A320 von Qatar Airways steuerte von Budapest über den Irak nach Doha am Persischen Golf. Emirates und Flydubai strichen allerdings ihre Flüge in die irakische Hauptstadt Bagdad.

Die arabischen Airlines haben in der Region ihre Drehkreuze, über die sie ihre Langstreckenflüge abwickeln. Qatar Airways steht zudem vor dem Problem, dass sie wegen eines Streits des Emirats Katar mit Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten die Nachbarländer im Westen, Süden und Osten seit 2017 nicht überfliegen darf. Daher hat die Airline wenig Ausweichmöglichkeiten. Sie schickte ihre Flugzeuge auch am Mittwoch weiterhin über Iran.

Unklar blieb zunächst, wie sehr das von der FAA verhängte Verbot Fluggesellschaften aus den USA überhaupt beeinträchtigt. Denn in einem Großteil der genannten Regionen waren den US-Airlines Flüge schon länger untersagt. Zudem nehmen sie auf Flügen aus den USA etwa nach Asien oder Australien eher den Weg über den Pazifik - und passieren weder Europa noch die Länder am Persischen Golf.

Verstärkt wurde die Unsicherheit, als kurz nach den Raketenangriffen auf die Militärbasen aus bislang ungeklärter Ursache ein ukrainisches Passagierflugzeug in der Nähe von Teheran abstürzte. Alle 176 Menschen an Bord der Boeing 737-800 NG starben. Iranische Vertreter gingen von einem Triebwerksbrand als möglicher Absturzursache aus. Die erst im Jahr 2016 ausgelieferte Maschine der Gesellschaft Ukraine International Airlines habe erst am Montag eine reguläre technische Überprüfung ohne Probleme absolviert, sagte ein Manager der Airline.

Die ukrainische Flugsicherheitsbehörde verbot heimischen Airlines daraufhin ab kommender Nacht Flüge über Iran. Russlands Luftfahrtbehörde riet Fluggesellschaften ihres Landes davon ab, den iranischen und irakischen Luftraum zu nutzen.

Veröffentlicht am:
08. 01. 2020
15:26 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
08. 01. 2020
15:26 Uhr



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