Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: CoronavirusVideosCotubeBlitzerwarner

Wirtschaft

Neues Logo Nutri-Score soll gesündere Ernährung erleichtern

Welcher Joghurt weniger Kalorien hat und welche Tiefkühlpizza mehr, sollen Supermarktkunden möglichst auf einen Blick erkennen können. Doch wie? Für ein von vielen favorisiertes Siegel ist der Weg frei.



Julia Klöckner
Bundesernährungsministerin Julia Klöckner stellt auf einer Pressekonferenz in ihrem Ministerium das Nährwertkennzeichen Nutri-Score vor.   Foto: Wolfgang Kumm

Verbraucher sollen beim Lebensmittelkauf bald leichter auf gesündere Ernährung achten können - mit dem neuen farbigen Logo Nutri-Score.

Nach langem Streit über eine Extra-Kennzeichnung für Zucker, Fett und Salz legte sich Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) am Montag auf das aus Frankreich stammende System fest. Es schnitt in einer Verbraucherbefragung klar am besten ab. Klöckner will nun eine Verordnung auf den Weg bringen, die den Rechtsrahmen für eine freiwillige Verwendung des Logos auf der Packungs-Vorderseite schafft. SPD, Verbraucherschützer, Mediziner und mehrere Lebensmittelfirmen begrüßten die Entscheidung.

Bei vielen Verbrauchern sei der Wunsch nach Transparenz und mehr Sicherheit bei Kaufentscheidungen groß, sagte Klöckner in Berlin. Die neue Kennzeichnung solle daher Orientierung auf einen Blick geben. In der Befragung im Auftrag des Ministeriums lag Nutri-Score klar an erster Stelle - bei der Frage, welches Modell in Deutschland eingeführt werden solle, mit 57 Prozent. Es folgte ein Modell, das das bundeseigene Max-Rubner-Institut entwickelt hatte, mit 28 Prozent. Ein aus Skandinavien stammendes Logo kam auf 7 Prozent, ein Vorschlag des Lebensmittelverbands auf 5 Prozent. Für die Umfrage wurden im August und September 1600 Teilnehmer befragt.

Nutri-Score bezieht neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz auch empfehlenswerte Bestandteile wie Ballaststoffe oder Proteine in eine Gesamtbewertung ein und gibt dann einen einzigen Wert an - auf einer fünfstufigen Skala von «A» auf dunkelgrünem Feld für die günstigste Bilanz über ein gelbes «C» bis zu einem roten «E» für die ungünstigste. Das zutreffende Feld wird hervorgehoben. Das neue Logo soll eine Ergänzung für die EU-weit verpflichtende Nährwerttabelle sein, die meist auf der Rückseite von Packungen steht. Erste Produkte damit sind bereits in deutschen Supermärkten zu kaufen.

SPD-Fraktionsvize Matthias Miersch sprach von einem «guten Tag für die Verbraucher». Das Label, für das die SPD auch gegen Widerstände aus der Union gekämpft habe, müsse jetzt zügig eingeführt werden. «Wir brauchen schnell ein möglichst großes Angebot an Lebensmitteln mit der farblichen Nährwertkennzeichnung, damit es leichter wird, gesündere Lebensmittel auszuwählen.» Auch die Verbraucherorganisation Foodwatch, die für Nutri-Score geworben hatte, forderte Handel und alle Hersteller zum Mitmachen auf. «Weil die Kennzeichnung zunächst freiwillig bleibt, sind wir vom Willen der Unternehmen abhängig.»

Klöckner will die geplante Verordnung noch im Oktober vorgelegen. Sie muss dann von der EU-Kommission gebilligt werden, das Kabinett und der Bundesrat müssen ebenfalls noch zustimmen. Angestrebt wird, dass der Rechtsrahmen dann möglichst Mitte 2020 steht.

Aus der Opposition kamen unterschiedliche Reaktionen. Grünen-Expertin Renate Künast sagte, das lange Kämpfen für eine Nährwertampel habe nun ein Ende. Der FDP-Ernährungspolitiker Gero Hocker warf Klöckner dagegen «Schaufensterpolitik» vor. Statt staatlicher Einheitslösungen sei bessere Ernährungsbildung nötig. In Deutschland gelten laut Ernährungsministerium 47 Prozent der Frauen, 62 Prozent der Männer und 15 Prozent der Kinder als übergewichtig. Zu viel Zucker, Fett und Salz erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.

Verbraucherschützer und Mediziner fordern seit langem ein noch stärkeres Gegensteuern. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte begrüßte die Entscheidung für Nutri-Score. Nötig seien aber auch ein Werbeverbot für speziell an Kinder gerichtete Lebensmittel, in Schulen sollten keine zuckerhaltigen Getränken mehr verkauft werden.

Veröffentlicht am:
30. 09. 2019
18:40 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
CDU Deutscher Bundesrat Ernährung Europäische Kommission Foodwatch Frauen Herz- und Kreislauferkrankungen Julia Klöckner Lebensmittel Lebensmittelkauf Matthias Miersch Produktionsunternehmen und Zulieferer Renate Künast SPD Unternehmen Verbraucherinnen und Verbraucher Verbraucherschützer Zucker
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Nutri-Score

08.07.2020

Farb-Hilfe beim Lebensmitteleinkauf lässt auf sich warten

Es ist grün, gelb, orange und rot - und soll «Dickmacher» leichter entlarven. Für ein neues Lebensmittel-Siegel bereitet die Politik gerade den Boden. Doch wie schnell erobert es die Regale? » mehr

Tiefkühlpizza

01.04.2020

Ist inzwischen weniger Zucker in Fertigprodukten?

Weniger Salz in Tiefkühlpizzen, weniger Zucker im Kinder-Müsli: Um bei «Dickmachern» gegenzusteuern, will die Bundesregierung Hersteller zu freiwilligen Umstellungen bewegen. Hat sich da schon etwas getan? » mehr

Mindesthaltbarkeitsdatum

28.06.2020

Skepsis bei großen Änderungen am Mindesthaltbarkeitsdatum

In Deutschland landen tonnenweise Lebensmittel im Müll. Dabei wäre Vieles noch zu genießen - auch Produkte, die schon etwas «abgelaufen» sind. Sollten Datums-Aufdrucke auf manchen Packungen daher wegfallen? » mehr

Nährwertlogo Nutri-Score

03.01.2020

Nutri-Score nur für «Paradebeispiele»?

Ist das Müsli eine Zuckerbombe - und ein anderes gerade nicht? Das sollen Supermarktkunden demnächst leichter erkennen können. Doch wie und wie schnell kommt die künftige Kennzeichnung in die Regale? » mehr

Airbus-Produktion

01.10.2019

EU rechnet noch im Oktober mit neuen US-Strafzöllen

Die EU erwartet noch im Laufe dieses Monats die Einführung von neuen amerikanischen Sonderzöllen auf Waren aus Europa. » mehr

Nährwert-Logo

04.07.2019

Deutschland sucht das Nährwert-Logo

Gesündere Ernährung soll einfacher werden - auch mit neuen Aufdrucken auf der Vorderseite von Lebensmittelpackungen. Doch wie genau soll so eine Kennzeichnung aussehen? Das Rennen ist eröffnet, Ausgang offen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Lkw bleibt in Unterführung stecken

Lkw bleibt in Unterführung stecken | 09.07.2020 Coburg
» 13 Bilder ansehen

Lagerhalle in Geiselwind brennt völlig aus Geiselwind

Lagerhalle brennt völlig aus | 23.06.2020 Geiselwind
» 31 Bilder ansehen

BMW und Motorrad stoßen auf der B 173 zusammen Redwitz an der Rodach

BMW und Motorrad stoßen auf der B 173 zusammen | 23.06.2020 Redwitz an der Rodach
» 8 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
30. 09. 2019
18:40 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.