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Wirtschaft

Niedrige Zinsen treiben das Geschäft der Bausparkassen

In deutschen Ballungszentren gibt es kaum noch bezahlbare Wohnungen und Häuser zu kaufen. Auch in nicht ganz so edlen Lagen spitzt sich die Situation zu. Und dennoch machen die Bausparkassen immer bessere Geschäfte mit Baufinanzierungen. Wie passt das zusammen?



Wohnungsbau
Baustelle von Neubauwohnungen in Berlin-Kreuzberg.   Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Ungeachtet horrender Immobilienpreise vor allem in Ballungszentren treiben die niedrigen Zinsen weiter das Geschäft der Bausparkassen.

Sowohl der Zusammenschluss der privaten Bausparkassen als auch die öffentlich-rechtlichen Landesbausparkassen rechnen für dieses Jahr beim Baufinanzierungsgeschäft mit einem Plus im mittleren einstelligen Prozentbereich.

Der Chef des Verbandes der Privaten Bausparkassen, Bernd Hertweck, sagte der Deutschen Presse-Agentur, er erwarte für die Institute unter seinem Dach ein Plus von mehr als fünf Prozent bei den ausgezahlten Baugeldern. Die Bundesgeschäftsstelle der Landesbausparkassen teilte mit, das eigene Geschäft werde um gut fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegen.

Diese Entwicklung haben die Bausparkassen vor allem den extrem niedrigen Zinsen zu verdanken. Bauspardarlehen gebe es heute bereits ab gut einem Prozent, sagte Hertweck, der auch Chef der Wüstenrot-Bausparkasse ist. «Bausparkassen haben zudem Sofortkredite im Angebot, mit denen man sich die Zinsen bis zu 30 Jahre lang sichern kann.» Und im Unterschied zu den meisten Banken verlangten Bausparkassen für Kredite unter 50.000 Euro keine Zinsaufschläge.

Die Geschäftsstelle der acht Landesbausparkassen teilte mit, das Baufinanzierungsgeschäft werde vom wachsenden Bedürfnis von Bauherrn getragen, sich das niedrige Zinsniveau für lange Zeiträume zu sichern. Verbandsdirektor Axel Guthmann sagte, Kaufen gelte gegenüber dem Mieten angesichts der Zinslage nach wie vor als lohnend. «Die Nachfrage ist dementsprechend da.»

Allein im Vorjahr zahlten die Bausparkassen rund 32,6 Milliarden Euro an Baugeldern aus, für drei Viertel davon zeichneten die privaten Institute verantwortlich.

Auch nach Einschätzung amtlicher Gutachter ist auf dem Immobilienmarkt noch kein Ende des Booms in Sicht. «Angesichts anhaltend niedriger Zinsen dürfte auch die Bereitschaft der Haushalte, die aktuellen Preise zu finanzieren, bestehen bleiben», heißt es im Immobilienmarktbericht 2019, den der Arbeitskreis der Oberen Gutachterausschüsse, Zentralen Geschäftsstellen und Gutachterausschüsse in Deutschland im Dezember vorgestellt hatte.

Demnach hat sich der Umsatz mit Wohnungen, Häusern, Grundstücken und Agrarflächen in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt und 2018 den Höchststand von 269 Milliarden Euro erreicht. Davon entfielen 180,5 Milliarden Euro auf Wohnimmobilien.

In Zeiten, in denen es für Sparguthaben nichts mehr gibt, in denen inzwischen gar Negativzinsen drohen, investieren die Menschen mehr denn je in Immobilien, sofern sie es sich leisten können. Das wiederum treibt die Preise für Häuser und Wohnungen nach oben.

Landesbausparkassen-Verbandsdirektor Guthmann sagte, der enorme Preisanstieg von Immobilien in großen Städten habe auch dazu geführt, dass inzwischen immer mehr Kaufwillige ins Umland ausweichen müssten - «das heißt, der Eigentumserwerb wird durchaus in die Tat umgesetzt, nur eben oft nicht mehr am Wunschort». An den Ausweichstandorten stiegen demzufolge ebenfalls die Preise. «Unterm Strich bleibt als Ergebnis: Baufinanzierungen sind stärker gefragt.»

Hertweck argumentierte, zumindest auf dem Land seien eigene vier Wände für die Menschen meist noch erschwinglich. «Selbst im Speckgürtel der Ballungsräume, in die Familien verstärkt ausweichen, finden sich noch bezahlbare Preise, zumal der Trend zur Gebrauchtimmobilie geht.» Statistiken bewiesen, dass das mittlere Nettovermögen von Immobilienbesitzern weitaus höher liege als das von Mieterhaushalten. «Wer sich für eigene vier Wände entscheidet, spart einfach deutlich mehr als andere und baut so entsprechendes Vermögen auf. Im Alter profitiert er dann zusätzlich von der eingesparten Miete als steinerne Zusatzrente.»

Wer einen Immobilienkauf anstrebt, benötigt allerdings zunehmend mehr Geld. Guthmann sagte, potenzielle Wohneigentumserwerber sähen sich schon jetzt einem Dilemma ausgesetzt: Zwar seien die Zinsen niedrig, aber aufgrund der rasant gestiegenen Immobilienpreise fehle den Menschen oft das notwendige Eigenkapital, um die Anforderungen der Kreditinstitute an eine tragfähige Finanzierung überhaupt zu erfüllen. Und so bleibt der Traum von den eigenen vier Wänden in guter Lage in der heutigen Zeit wohl das Privileg hauptsächlich von Gutverdienern.

Veröffentlicht am:
28. 12. 2019
13:59 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
28. 12. 2019
13:59 Uhr



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