Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Wirtschaft

Opel öffnet erneut die Abfindungskasse für Ingenieure

Nach der Übernahme durch den französischen PSA-Konzern hat Opel immer noch zu viele Ingenieure an Bord. Die Arbeitnehmer sperrten sich gegen einen Teilverkauf, sodass nun erneut hohe Abfindungen ausgelobt werden.



Opel Entwicklungszentrum
Es bleibt zunächst unklar, wie viele der aktuell noch rund 6400 Beschäftigten des Opel-Entwicklungszentrums tatsächlich zu Segula wechseln werden.   Foto: Andreas Arnold

Der Autobauer Opel startet ein weiteres Abfindungsprogramm, um sein Entwicklungszentrum in Rüsselsheim zu verkleinern.

Der ursprüngliche Plan, 2000 Leute an den französischen Ingenieurdienstleister Segula abzugeben, ist letztlich am Widerstand der Arbeitnehmer gescheitert.

In einer sogenannten Einigungsstelle vereinbarten Betriebsrat und Unternehmen nun, den Opel-Ingenieuren zuvor erweiterte Abfindungsangebote zu unterbreiten. Dies teilten beide Seiten mit.

Die frühere General-Motors-Tochter Opel war im August 2017 vom französischen PSA-Konzern übernommen worden und hatte im vergangenen Jahr mit 859 Millionen Euro den ersten operativen Gewinn seit fast 20 Jahren ausgewiesen, in dem allerdings die Sanierungskosten nicht berücksichtigt sind. Die neue Mutter PSA drängte auf weitere Einschnitte, so dass Opel mit Segula einen Teilverkauf des Rüsselsheimer Entwicklungszentrums und des Testgeländes in Rodgau-Dudenhofen vereinbarte. Der Deal soll noch in diesem Sommer vollzogen werden.

Der Plan stieß auf den erbitterten Widerstand der IG Metall, die das Segula-Geschäftsmodell trotz erheblicher Ausgleichszahlungen von Opel nicht für tragfähig erachtete. Betriebsrat und Gewerkschaft verlangten unter anderem ein Rückkehrrecht zu Opel und einen Kündigungsschutz bis zum Sommer 2023, wie er auch bei einem Verbleib im Unternehmen gegolten hätte. PSA-Chef Carlos Tavares hatte der IG Metall daraufhin vorgeworfen, die Sicherung von 2000 Arbeitsplätzen zu gefährden.

Nach der nun erzielten Einigung können die Beschäftigten wie bereits beim vorangegangenen Sanierungsprogramm «Pace» je nach individuellen Voraussetzungen mit einfachen Bar-Abfindungen gehen oder sich in den Vorruhestand und Altersteilzeit verabschieden. Für die beiden letzten Möglichkeiten wurde der Kreis der Berechtigten um drei Geburtsjahrgänge bis einschließlich 1963 erweitert. Zudem wurde die unbefristete Übernahme der aktuell fertig ausgebildeten Lehrlinge vereinbart.

Die Höhe der Zahlungen entspreche denen der ersten Abfindungsrunde, hieß es im Unternehmen. 2018 waren Abfindungen mit Grundbeträgen bis zu 275.000 Euro gezahlt worden. Damals hatten 3700 Leute das Unternehmen verlassen.

Es bleibt damit zunächst unklar, wie viele der aktuell noch rund 6400 Beschäftigten des Opel-Entwicklungszentrums tatsächlich zu Segula wechseln werden. An seinen Plänen eines eigenen Engineering-Campus in Rüsselsheim hält der Dienstleister fest. Der Weg zur erfolgreichen Umsetzung sei jetzt frei, sagte Deutschland-Chef Martin Lange und verwies auf großes Interesse externer Kunden. Man wolle 2000 Mitarbeitern eine langfristige Perspektive bieten. Selbstverständlich könnten sich auch Opel-Ingenieure bewerben, die zuvor die Abfindung gewählt hätten, sagte eine Sprecherin.

«Solche Abfindungsprogramme haben das Risiko, dass die Spitzenkräfte die Abfindungen nehmen und dann zu den Wettbewerbern wechseln», sagte der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer in einer ersten Einschätzung. Aus seiner Sicht seien Arbeitsplätze bei anderen Herstellern oder großen Zulieferern für die meisten Ingenieure attraktiver als ständig wechselnde Auftragsarbeiten. Im Rhein-Main-Gebiet wie auch im nahen Mannheim und Stuttgart seien viele potenzielle Arbeitgeber vorhanden.

Mit dem Schritt werde auch immer klarer, dass die grundlegende Opel-Technik in Zukunft von PSA kommen werde, während in Rüsselsheim nur noch wenige Aufgaben verblieben, meinte der Leiter des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen. Opel hatte stets darauf verwiesen, dass man das komplette Design der Opel-Autos sowie zusätzliche zentrale Aufgaben im PSA-Konzern wie beispielsweise die leichten Nutzfahrzeuge und die Brennstoffzellen-Technologie übernehme.

Veröffentlicht am:
20. 03. 2019
14:06 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Abfindungsangebote Arbeitnehmer Betriebsräte Entwicklungsdienstleister Ferdinand Dudenhöffer IG Metall Ingenieure Opel Universität Duisburg-Essen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Fiat Chrysler

31.10.2019

Opel-Mutter PSA und Fiat Chrysler wollen fusionieren

Vom Opel Corsa bis zum Maserati - ein neuer Auto-Riese mit europäischen Wurzeln will die kriselnde Branche aufmischen. Mit der Fusion der Superlative sollen aber auch hausgemachte Probleme überwunden werden. » mehr

Opel in Rüsselsheim

15.11.2018

Opel will 2000 Ingenieure an Dienstleister abgeben

Dem Opel-Entwicklungszentrum geht die Arbeit aus. Der neue Eigentümer PSA will daher 2000 Ingenieure an einen Dienstleister abgeben. Doch die Betroffenen und ihre Gewerkschaft sehen den Deal kritisch. » mehr

Opel-Werk Rüsselsheim

30.08.2019

Abgabe von Opel-Geschäftsteilen an Segula ist abgeschlossen

Um den Wechsel von Teilen des Opel-Entwicklungszentrums zum Ingenieurdienstleister Segula gab es viel Ärger. Jetzt ist das Geschäft abgeschlossen. Die Kritik am Opel-Eigner PSA bleibt. » mehr

PSA-Zentrale

26.02.2019

Opel macht nach 18 Verlustjahren erstmals wieder Gewinn

Unter französischer Führung kommt Opel bei der Sanierung schnell voran. Trotz des ersten operativen Gewinns in diesem Jahrtausend schwelen die Konflikte in den deutschen Standorten weiter. » mehr

Elon Musk

13.11.2019

Hoffnung auf 8000 Jobs in Tesla-Fabrik bei Berlin

Nach der Ankündigung eines Tesla-Standorts in Deutschland herrscht Euphorie bei Politik und Wirtschaft. Tausende Arbeitsplätze sollen entstehen. Doch viele Fragen sind offen - besonders für die Hauptstadt. » mehr

Studie: Autobauer halten sich bei Rabatten zurück

02.11.2019

Studie: Autobauer halten sich bei Rabatten zurück

Die Autohersteller haben sich im Oktober auf dem deutschen Markt mit Preisnachlässen für Neuwagen zurückgehalten. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Küpser Markt-Weihnacht

Küpser Markt-Weihnacht | 09.12.2019 Küps
» 20 Bilder ansehen

Kunstvolle Weihnacht Kronach

Kunstvolle Weihnacht in Kronach | 08.12.2019 Kronach
» 18 Bilder ansehen

Heim-Wettkampf SG Coburg Schützen

Heim-Wettkampf SG Coburg Schützen | 08.12.2019 Coburg
» 15 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
20. 03. 2019
14:06 Uhr



^