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Wirtschaft

Opel will 2000 Ingenieure an Dienstleister abgeben

Dem Opel-Entwicklungszentrum geht die Arbeit aus. Der neue Eigentümer PSA will daher 2000 Ingenieure an einen Dienstleister abgeben. Doch die Betroffenen und ihre Gewerkschaft sehen den Deal kritisch.



Opel in Rüsselsheim
Der Autobauer Opel trennt sich von Teilen seines Rüsselsheimer Entwicklungszentrums.   Foto: Andreas Arnold

Der Autobauer Opel will bis zum nächsten Sommer große Teile seines Rüsselsheimer Entwicklungszentrums an den französischen Entwicklungsdienstleister Segula verkaufen. 2000 Opel-Ingenieure müssten dafür den Arbeitgeber, nicht aber den Arbeitsplatz wechseln.

Auch Gebäude und Entwicklungsanlagen sollen zu einem nicht genannten Preis an Segula gehen, der nach eigenem Bekunden am Opel-Stammsitz einen «Engineering-Campus» aufbauen will. Einen entsprechenden Vertrag haben die beiden Unternehmen am Donnerstag unterzeichnet, wie sie gemeinsam bekanntgaben.

Die Transaktion soll im zweiten Quartal des kommenden Jahres abgeschlossen sein. Opel wird nach eigener Ankündigung an der neuen Gesellschaft Segula Technologies GmbH keine Anteile halten. Die vereinbarte «strategische Partnerschaft» ist ein weiterer Schritt im harten Sanierungskurs des neuen Eigners, der Peugeot-Mutter PSA aus Frankreich, die bei Opel bereits rund 3700 Jobs gestrichen hat. Die IG Metall kritisierte, dass Betriebsrat und Gewerkschaft an dem nun geplanten Übergang bislang nicht angemessen beteiligt worden seien.

Hintergrund sind fehlende Entwicklungsaufträge des früheren Opel-Eigners General Motors für das Zentrum mit zuletzt 7000 Beschäftigten. Einst haben die Aufträge aus Detroit die Hälfte des Rüsselsheimer Arbeitsvolumens ausgemacht. Früheren Angaben zufolge laufen die GM-Aufträge spätestens im Jahr 2020 aus und können nicht im gleichen Maße durch Aufgaben im PSA-Konzernverbund ersetzt werden, der über eigene Entwicklungskapazitäten verfügt.

Segula sicherte den Beschäftigten zu, die bei der Opel-Sanierung vereinbarten Arbeitsplatzgarantien bis Juli 2023 aufrecht zu erhalten. Anschließend würden neue Karrierechancen entstehen. Segula arbeitet auch für andere Autokonzerne und ist zudem in den Bereichen Energie, Bahn und Schifffahrt als Entwicklungs- und Ingenieurdienstleister tätig. Mit den Sozialpartnern wolle man eine Einigung erreichen.

Die IG Metall kritisierte die Unternehmen, einseitig Fakten zu schaffen, statt die Beschäftigten an den Prozessen zu beteiligen. Der Frankfurter Bezirkschef Jörg Köhlinger verlangte am Donnerstag einen Interessensausgleich mit dem Opel-Betriebsrat sowie Tarifverhandlungen zwischen Segula und IG Metall zu den künftigen Arbeitsbedingungen. «Opel und Segula werden die betroffenen Beschäftigten nur mit Transparenz und tariflich regulierten Bedingungen zum Übergang in das neue Unternehmen überzeugen können», betonte Köhlinger.

Die Gewerkschaft will für die zu Segula wechselnden Beschäftigten unter anderem ein Rückkehrrecht erreichen. Die Leute hätten Sorge, in eine alsbald insolvente Abwicklungsgesellschaft abgeschoben zu werden, heißt es im Werk. In einer internen Mitteilung wies der Betriebsrat auf die fehlenden Einigungen mit den Arbeitnehmern hin. Der von der Geschäftsleitung genannte Beschäftigungsschutz sei bislang nur «eine reine Ankündigung ohne jegliche Sicherheitsgarantie für die Beschäftigten».

Ein Opel-Sprecher wies die gewerkschaftliche Kritik zurück. Man beachte alle Mitbestimmungsrechte und habe den Gesamtbetriebsrat frühzeitig eingebunden und informiert. Die förmlichen Verhandlungen zu einem Interessenausgleich würden nach der Vertragsunterzeichnung beginnen und seien auch zwingende Voraussetzung für die tatsächliche Umsetzung der Partnerschaft.

Ob Opel die verbleibenden Entwickler mit zentralen Aufgaben für den PSA-Konzern und dem «Finish» der Opel-Modelle auslasten kann, ist offen, weil bislang nie eine Zielgröße für das benötigte Personal genannt worden ist. PSA bekräftigte am Donnerstag, dass das Rüsselsheimer Entwicklungszentrum auch nach der Transaktion im Zentrum der globalen Forschung und Entwicklung stehen werde. Rüsselsheim bleibe für Design und Entwicklung der Opel- und Vauxhall-Modelle zuständig und verantworte zusätzlich leichte Nutzfahrzeuge sowie eine neue Motorenfamilie.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer geht davon aus, dass Opel im Rahmen der angestrebten Kooperation Segula eine ganze Reihe von Aufträgen zugesagt hat. Gleichwohl verblieben auch bei Opel selbst immer noch zu viele Ingenieure, für die nicht ausreichend Arbeit vorhanden sei. «Ich rechne mit einem Abschmelzen der Belegschaft in den kommenden Jahren», sagte der Direktor des CAR-Instituts an der Universität Essen-Duisburg. Keinen Sinn mache es auf lange Sicht für den PSA-Konzern, das Opel-Testgelände im hessischen Rodgau-Dudenhofen aufrecht zu erhalten. «Die können genauso gut in Frankreich testen.» Ein Opel-Sprecher betonte hingegen den hohen Wert eines eigenen Testgeländes, das künftig von Segula operativ betrieben werden solle.

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dpa

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15. 11. 2018
15:33 Uhr

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