Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Wirtschaft

RWE setzt auf grünen Strom - vor allem im Ausland

Gute Gewinne, steigende Aktienkurse und Entschädigungen für abgeschaltete Braunkohlekraftwerke in Sicht. Für RWE-Chef Rolf Martin Schmitz läuft es derzeit rund. Was seine «neue RWE» in Deutschland vorhat, bleibt aber unklar.



RWE - Quartalszahlen
RWE steht vor einem großen Umbruch seines Geschäftsmodells.   Foto: Marcel Kusch

Mit steigenden Gewinnen im Rücken will der Braunkohleverstromer RWE seinen geplanten Umbau zum Ökostromriesen vorantreiben.

Für große Investitionsprojekte in die erneuerbaren Energien in Deutschland sieht Konzernchef Rolf Martin Schmitz wegen fehlender Rahmenbedingungen derzeit allerdings wenig Chancen: Wenn man in Deutschland nicht bauen könne, «dann wird da eben auch nicht gebaut», sagte er am Mittwoch bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen.

Schmitz verwies dabei auf die aus seiner Sicht viel zu langen Planungs- und Bauzeiten für Windenergieanlagen in Deutschland. «Davor schrecken Investoren zurück», sagte er. In den USA seien solche Vorhaben deutlich einfacher.

Dort sind große Windparks im Bau, die RWE künftig betreiben will. Die erneuerbaren Energien, seien ein globales Geschäft, in dem Geld dorthin fließe, wo sich die beste Profitabilität biete, betonte der RWE-Chef.

RWE steht vor einem großen Umbruch seines Geschäftsmodells. Der Konzern will das Netz- und Vertriebsgeschäft seiner bisherigen Tochter Innogy an den Konkurrenten Eon abgeben.

Im Gegenzug sollen alle erneuerbaren Energien von Eon und Innogy an RWE gehen. Der Kraftwerksbetreiber würde dadurch zu einem der größten Produzenten von grünem Strom in Europa. Bei der Windkraft auf See werde «die neue RWE» direkt als weitweite Nummer zwei starten, sagte Schmitz. Noch hat die EU-Kommission diesen Milliardendeal aber nicht komplett genehmigt.

An der Börse kommt der neue Kurs von RWE gut an. Mit einem Anstieg von mehr als 30 Prozent seit Jahresbeginn gehört die RWE-Aktie zu den erfolgreichsten Dax-Werten. Auch am Mittwoch gehörte die Aktie zu den Gewinnern im Dax. Damit hat sich RWE deutlich besser entwickelt als Noch-Konkurrent Eon, der unter Problemen in seinem britischen Vertriebsgeschäft leidet.

Den Abschied von der Braunkohle will sich RWE teuer bezahlen lassen. Schmitz erneuerte seine Forderung nach einer Entschädigung von bis zu 1,5 Milliarden Euro pro Gigawatt abgeschalteter Leistung und der daran hängenden Braunkohleförderung. Rund 3 Gigawatt Braunkohlekapazität soll RWE bis Ende 2022 vom Netz nehmen.

Gut 3000 Arbeitsplätze müssten deshalb abgebaut werden, sagte der RWE-Chef. Über die Bedingungen verhandelt der Konzern derzeit mit der Bundesregierung. Die Gespräche verliefen «sachlich-nüchtern», sagte Schmitz. RWE erwarte Ergebnisse im Laufe dieses Jahres.

Schmitz ließ offen, wie stark ein Verzicht auf die Rodung des Hambacher Forsts dabei zu Buche schlagen würde. «Wir wissen, was der Tagebau mehr kostet, wenn man ihn jetzt anders macht und den Wald möglicherweise stehen lassen wird», sagte er.

Der RWE-Chef hatte im Juni der «Rheinischen Post» gesagt, bei einer komplett neuen Braunkohleplanung «könnte der Wald dauerhaft erhalten bleiben».

Der Hambacher Forst leidet einer von Greenpeace veröffentlichten Studie zufolge schwer unter den Folgen von Hitze und Trockenheit. Der benachbarte Braunkohle-Tagebau verschlechtere die Situation des umkämpften Waldes «eklatant», schreiben Experten von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Die Braunkohlemeiler von RWE sind in diesem Jahr mit deutlich reduzierter Leistung gelaufen. Die Stromproduktion sank im Vergleich zum gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres um mehr als ein Viertel. Neben dem Rodungsstopp für den Hambacher Forst hat diese Entwicklung auch Preisgründe. Im Sommer produzierten Gaskraftwerke zeitweise billiger als Braunkohlekraftwerke. Das sei aber nur «eine Momentaufnahme», sagte RWE-Finanzchef Markus Krebber. «Im nächsten Winter sieht das wieder anders aus.» RWE erwarte mittelfristig steigende Preise.

Dass der Essener Versorger dennoch seinen Gewinn im ersten Halbjahr steigern konnte, lag an ungewöhnlich guten Geschäften im Handel mit Strom, Gas, Kohle und Öl. Dort habe alles gepasst, sagte Krebber. Das bereinigte Nettoergebnis für RWE ohne die bisherige Tochter Innogy erreichte 914 Millionen Euro nach 683 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2018. Der Konzern hatte deshalb bereits Ende Juli seine Prognosen erhöht.

Veröffentlicht am:
14. 08. 2019
16:08 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aktienkurse Alternative Energien Braunkohle Braunkohlekraftwerke Braunkohletagebau Eon AG Europäische Kommission Greenpeace Innogy Kraftwerksbetreiber RWE AG RWE-Chefs Stromerzeugung Versorgungsunternehmen Windkraftwerke
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
RWE-Tower

14.11.2019

Gute Geschäfte bei RWE: Konzern hebt Prognose erneut an

Der Braunkohleverstromer RWE hat finanziell schwere Zeiten hinter sich. Nach dem Einstieg in die erneuerbaren Energien sieht sich der Stromversorger aber für die Zukunft gerüstet. Aktuell geholfen hat auch eine Entscheid... » mehr

RWE Zentrale

30.09.2019

RWE will mit Ökostrom weltweit wachsen

Das Ruhrgebiet und die Braunkohlefelder im Rheinland werden RWE zu klein. Nach dem Deal mit dem alten Rivalen Eon will der Energiekonzern weltweit wachsen. Beim Kohleausstieg ist ihm die Politik in Berlin zu langsam. » mehr

RWE und Eon

17.09.2019

Brüssel erlaubt Deal zwischen RWE und Eon unter Auflagen

Es ist einer der spektakulärsten Deals der vergangenen Jahre: Die beiden Platzhirsche der Strombranche, Eon und RWE, stecken ihre Reviere neu ab. Die EU-Wettbewerbshüter stellen Bedingungen - doch reichen diese? » mehr

Dax

05.09.2019

Hoffnung auf weniger Chaos treibt Dax an

Am deutschen Aktienmarkt haben sich die Anleger am Donnerstag erneut optimistisch gezeigt. » mehr

Rolf Martin Schmitz

14.03.2019

RWE erwartet Milliardenentschädigungen für Braunkohle-Aus

RWE soll Braunkohlekraftwerke abschalten und den Hambacher Forst stehen lassen. Das erwartet die Kohlekommission von dem Essener Energiekonzern. RWE-Chef Schmitz hat jetzt Preisschilder beschriftet. » mehr

Eon

07.08.2019

Britischer Markt belastet Ergebnis bei Eon

Der Energieriese verliert in Großbritannien innerhalb von sechs Monaten 400.000 Kunden. In Deutschland läuft es besser im Geschäft mit den Endverbrauchern. Doch ein Problem gibt es auch hier. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Coburger Weihnachtsbaum 2019

Anlieferung Coburger Weihnachtsbaum | 18.11.2019 Coburg
» 19 Bilder ansehen

BBC Coburg - Gießen 46ers Rackelos 101:78 (58:34) Coburg

BBC Coburg - Gießen 46ers Rackelos 101:78 (58:34) | 17.11.2019 Coburg
» 46 Bilder ansehen

Rathaussturm in Steinberg Steinberg

Rathaussturm in Steinberg | 16.11.2019 Steinberg
» 8 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
14. 08. 2019
16:08 Uhr



^