Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 30 Jahre WiedervereinigungCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Wirtschaft

Real-Betriebsrat: 10.000 Arbeitsplätze in Gefahr

Die SB-Warenhauskette Real steht vor der Zerschlagung. Der Betriebsrat sieht dadurch fast jeden dritten Arbeitsplatz im Unternehmen gefährdet. Doch nicht alle sehen so schwarz.



Real-Betriebsrat schlägt Alarm
Durch den geplanten Verkauf der SB-Warenhauskette Real soll fast jeder Dritte der 34 000 Arbeitsplätze bei der Metro-Tochter gefährdet sein.   Foto: Oliver Berg/dpa

Durch die geplante Zerschlagung der SB-Warenhauskette Real ist nach Einschätzung des Betriebsrates fast jeder Dritte der noch vorhandenen 34 000 Arbeitsplätze bei der Metro-Tochter gefährdet.

«Der Gesamtbetriebsrat rechnet mit etwa 10 000 Arbeitslosen», sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende des Unternehmens, Werner Klockhaus der «Süddeutschen Zeitung».

Der Hintergrund: Die Metro will alle 277 Real-Märkte in Deutschland und den Online-Shop real.de möglichst noch in diesem Monat an ein Investoren-Konsortium aus X-Bricks und SCP Group verkaufen. Die künftigen Eigentümer wollen aber nach den bisher bekanntgewordenen Plänen nur einen kleinen Teil der Real-Märkte selbst weiter betreiben. Der Großteil der Standorte soll an andere Händler wie Edeka oder Kaufland weiterverkauft werden. Einigen Standorten droht offenbar auch die Schließung.

Eine Metro-Sprecherin betonte angesichts der Befürchtungen des Gesamtbetriebsratsvorsitzenden, die Wahrung der Mitarbeiterinteressen sei für den Konzernvorstand ein zentrales Thema in den Verkaufsgesprächen. «Wir setzen uns dafür ein, dass mit den Märkten auch die Mitarbeiter von den übernehmenden Unternehmen weiterbeschäftigt werden.» Ein Sprecher von X-Bricks wollte die Äußerungen von Klockhaus nicht kommentieren.

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende malte in dem Interview die Zukunft für viele Beschäftigte der Handelskette in düsteren Farben. Er rechne mit «rund 50 Schließungen oder mehr» im Zuge der Neuordnung. Allein dadurch seien rund 6000 Arbeitsplätze bedroht. Außerdem werde es wohl auch in den an Wettbewerber verkauften Filialen zu sehr vielen betriebsbedingten Kündigungen kommen, befürchtet er. Denn kaum einer der Wettbewerber habe eine ähnlich breite Sortimentsstruktur wie Real. Die Beschäftigen in der Elektro-, Sport- und Haushaltswarenabteilung würden deshalb nicht mehr benötigt. Zusammen mit dem zu erwartenden Personalabbau in der Zentralverwaltung seien damit noch einmal 4000 Stellen gefährdet.

Mit dem Verkaufsprozess vertraute Personen bewerteten die Zahlen des Gesamtbetriebsratsvorsitzenden allerdings als sehr spekulativ. Die künftigen Eigentümer hätten schon aus Kostengründen ein Interesse daran, möglichst viel Märkte und damit auch möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten, hieß es.

Die Metro-Sprecherin verwies außerdem auf eine Ende letzten Jahres von Real unterzeichnete Vereinbarung mit dem Gesamtbetriebsrat. Sie sehe eine soziale Absicherung für alle Real-Beschäftigten vor, die trotz aller Bemühungen durch betriebsbedingte Kündigungen ihren Arbeitsplatz bei einem der übernehmenden Unternehmen verlieren.

Klockhaus sieht in der Regelung allerdings nur einen Notbehelf. Sie solle verhindern, «dass die Beschäftigten ins Bodenlose fallen». Maximal werde es 12 oder 14 Bruttomonatsgehälter Abfindung geben. Angesichts der niedrigen Löhne im Einzelhandel und der vielen Teilzeitbeschäftigten sei dies auch bei langjähriger Betriebszugehörigkeit keine große Summe.

«Für die Metro war Real schon immer ein Stiefkind, welches man vernachlässigt hat», klagte Klockhaus. Die Zeche dafür müssten jetzt die Mitarbeiter zahlen. Auch von der Politik hätten die Beschäftigen bislang keine Hilfe erfahren.

Real kämpft mit sinkenden Umsätzen und roten Zahlen. Schon seit geraumer Zeit sucht die Metro nach einem Käufer für die Handelskette. Doch erwies sich der Verkaufsprozess als viel mühsamer als zunächst erwartet.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
14. 01. 2020
14:35 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitnehmer Arbeitslose Arbeitsplätze Edeka-Gruppe Einzelhandel Händler Internetshops Kaufland Löhne und Einkommen Mitarbeiter und Personal Personalabbau Unternehmen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Real

25.06.2020

Russischer Finanzinvestor hat ab sofort das Sagen bei Real

Der neue Besitzer will die Kette rasch zerschlagen. Käufer für mehr als 140 Märkte und den Online-Shop hat er bereits gefunden. Doch was aus den anderen Filialen und den Mitarbeitern dort werden soll, ist noch ungewiss. » mehr

MAN

11.11.2020

MAN-Betriebsrat: Keine Verhandlungen über «Kahlschlag»

Der Diesel-Lastwagen wird nach den Klimavorgaben der EU zum Auslaufmodell. Der Hersteller MAN will das Unternehmen radikal neu aufstellen und ein Viertel der Arbeitsplätze streichen. Bei den Verhandlungen platzt dem Betr... » mehr

Real-Märkte

17.09.2020

Zerschlagung von Real: Globus steigt in Verkaufspoker ein

Die Real-Warenhäuser sind bald Geschichte, die Zerschlagung ihres Filialnetzes läuft längst. Bisher meldeten sich die Branchengrößen Edeka und Kaufland als Käufer, nun kommt ein Wettbewerber aus dem Saarland hinzu. » mehr

Für die Real rückt die Zerschlagung näher

29.06.2020

Real kündigt Schließung von acht Filialen an

Der russische Finanzinvestor SCP hat erst seit wenigen Tage das Steuer bei der Supermarkt-Kette Real in der Hand. Die ersten Filialen werden nun geschlossen. Das dürfte erst der Anfang sein. » mehr

Autozulieferer Ifa

13.06.2020

Autozulieferer Ifa streicht Hunderte Jobs weltweit

Die Firma Ifa aus Sachsen-Anhalt hatte finanzielle Schwierigkeiten schon überwunden geglaubt - bis die Corona-Krise kam. Jetzt muss der Zulieferer mit Standorten in Polen, China und den USA Beschäftigte entlassen. » mehr

Streik bei Amazon

13.10.2020

«Prime-Days»: Amazon-Beschäftigte legen Arbeit nieder

Für die Kunden ist's dank Rabattaktion grade extra billig, die Beschäftigten wollen schon seit längerem mehr Lohn: Bei Amazon wird heute gestreikt. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Schulbus kollidiert mit Lkw Rügheim

Schulbus kollidiert mit Lastwagen | 23.11.2020 Rügheim
» 12 Bilder ansehen

THW Kiel - HSC 2000 Coburg 41:26 (22:13) Kiel

THW Kiel - HSC 2000 Coburg 41:26 (22:13) | 21.11.2020 Kiel
» 78 Bilder ansehen

Nutzfahrzeug auf Flugplatz fängt Feuer

Nutzfahrzeug fängt auf Flugplatz Feuer |
» 7 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
14. 01. 2020
14:35 Uhr



^