Topthemen: Globe TheaterHSC 2000 CoburgBBC CoburgStromtrasse

Wirtschaft

Reeder unter Druck: Strengere Umweltvorschriften für Schiffe

Die Zeit von stark schwefelhaltigem Schweröl als Treibstoff für Schiffe geht zu Ende. Die meisten Schiffe werden auf Dieselbetrieb umschalten. Die Preise für den Schiffstransport könnten anziehen.



Abgase von Schiffen
Abgase steigen aus dem Schornstein eines Frachtschiffes beim Auslaufen aus dem Seehafen.   Foto: Jens Büttner/Illustration

In der Schifffahrt laufen die Vorbereitungen für strengere Umwelt-Grenzwerte auf Hochtouren. Die internationale Schifffahrts-Organisation IMO hatte schon 2016 beschlossen, den maximalen Grenzwert für Schwefel im Treibstoff ab 2020 weltweit auf 0,5 Prozent zu senken.

Viele Reeder hatten gehofft, dass dieser Stichtag noch einmal in die Zukunft verschoben oder eine Übergangsfrist festgelegt wird. Doch das ist nicht geschehen, der strenge Schwefelwert gilt ab dem Beginn des nächsten Jahres. Es bleibt nicht mehr viel Zeit.

Bislang durften die Schiffe auf hoher See Schweröl verfeuern mit einem Grenzwert von 3,5 Prozent Schwefel. In Schutzgebieten wie der Nord- und Ostsee darf der Treibstoff schon seit langem nicht mehr als 0,1 Prozent Schwefel enthalten.

Die Verschärfung des Grenzwerte ist gut für die Umwelt, aber ein tiefer Einschnitt für die internationale Schifffahrt. «Diese Frage könnte sich als richtungsweisend für die gesamte Branche erweisen», sagt die Expertin Janet Porter. Nach Angaben des Technik-Konzerns DNV GL sind weltweit bis zu 70 000 Schiffe betroffen, die künftig kein Schweröl mehr bunkern dürfen. Darunter sind mehr als 5000 Containerschiffe, die Verbrauchs- und Industriegüter zwischen den Kontinenten transportieren.

Die Reeder haben in dieser Situation drei realistische Möglichkeiten, die Regeln einzuhalten:

- Sie wechseln von Schweröl auf Schiffsdiesel;

- bauen in die Schiffe eine Reinigungsanlage ein, einen sogenannten Scrubber; oder

- rüsten das gesamte Schiff auf verflüssigtes Erdgas LNG als Treibstoff um.

Der Wechsel auf Schiffsdiesel ist am einfachsten und wird zunächst einmal auf den allermeisten Schiffen umgesetzt, mehr als 90 Prozent. Die weltgrößte Containerreederei Maersk geht diesen Weg ebenso wie ihre deutsche Tochtergesellschaft Hamburg Süd und auch bei der führenden deutschen Reederei Hapag-Lloyd werden die meisten Schiffe mit Diesel weiterlaufen. Das Risiko sind die Preise: Die Nachfrage nach Schiffsdiesel wird weltweit deutlich steigen und niemand kann genau vorhersagen, wie die Verfügbarkeit und der Preis sich entwickeln werden. Experten rechnen mit Mehrkosten von 150 bis 250 Dollar je Tonne gegenüber Schweröl. Alles in allem sollen weltweit 60 Milliarden Dollar an zusätzlichen Kosten auf die Branche zukommen.

«Allein die Maersk-Gruppe wird durch den nötigen Umstieg auf weniger schwefelhaltige Schiffsbrennstoffe um zwei Milliarden Dollar höhere Kosten im Jahr haben», sagte Vorstand Søren Toft der Zeitung «Die Welt». Damit verteuere sich der Transport eines Containers von Fernost nach Europa um 200 bis 250 Dollar - und diese Kosten will Maersk an seine Kunden weitergeben. Letztlich werden sie beim Endverbraucher landen, der das aber kaum merkt, weil die Transportkosten nur einen winzigen Teil der Endpreise ausmachen.

Ebenfalls ein sichtbarer Teil der weltweiten Flotte wird mit Abgasreinigern ausgestattet oder ist es bereits, sogenannten Scrubbern. Das werden an die 3000 Schiffe sein, vor allem Massengutschiffe und Tanker, aber auch Container- und Kreuzfahrtschiffe. Diese Schiffe können weiter Schweröl tanken und der Schwefel wird herausgewaschen und ins Meer gespült oder an Land gebracht und entsorgt.

Nachteil aus Sicht der Reeder: Ein Scrubber kostet drei bis fünf Millionen Dollar und das Schiff ist für ein bis zwei Monate außer Betrieb in der Werft. Auf solche Umrüstungen setzt zum Beispiel die Reederei MSC. Auch Hapag-Lloyd wird zehn Schiffe in der Größenklasse von 13 000 Standardcontainern (TEU) mit Scrubbern umrüsten, um diese Option zu testen. Auch hier ist nicht gewiss, wie sich die Preise entwickeln. Da künftig kaum noch Schweröl gebraucht wird, könnte es billiger werden, aber auch nicht mehr in allen Häfen verfügbar bleiben.

Die technisch fortschrittlichste und am wenigsten umweltschädliche, aber auch teuerste Lösung ist der Schiffsantrieb mit verflüssigtem Erdgas LNG. Die Umrüstung eines großen Containerschiffs kostet um die 25 Millionen Dollar und das Schiff verliert dabei 400 Container-Stellplätze. Die französische Reederei CMA CGM hat neun Riesenschiffe mit LNG-Antrieb bestellt, die 22 000 Container tragen können. Sie sollen ab 2020 auf den Markt kommen. Bei Hapag-Lloyd wird erst einmal ein Schiff umgerüstet. Aus der Fusion mit der arabischen Reederei UASC verfügen die Hamburger über 17 Schiffe, die sich umbauen lassen. «Wir wollen sicherstellen, dass wir alle relevanten Lösungen testen und nutzen», sagt Vorstand Anthony Firmin.

In der Containerschifffahrt könnte es in diesem Jahr zu einem interessanten Nebeneffekt kommen: Weil einige Schiffe umgerüstet werden und zeitweise nicht fahren, wird das Angebot an Schiffsraum knapper. Das könnte sich bei einer wachsenden Nachfrage als ein warmer Regen für die gebeutelte Schifffahrtsbranche erweisen und die Frachtraten und damit die Einnahmen in die Höhe treiben.

Veröffentlicht am:
12. 02. 2019
11:27 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Dollar Hapag Lloyd AG Hapag-Lloyd Container Linie GmbH Kraftstoffe Reeder Reedereien Schiffe Schiffstransport Schwefel Schweröl Umweltvorschriften Wasserverkehr
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Seemann

04.09.2018

Umweltvorschriften: Schifffahrt muss sich umstellen

Die internationale Schifffahrt steht vor einer ihrer größten Herausforderungen. Für mehr Umweltschutz braucht sie Abgasreiniger, Filter sowie schwefelarmen Treibstoff. Und die Zeit drängt. » mehr

Containerschiffe im Hamburger Hafen

07.12.2018

Deutsche Handelsflotte schrumpft weiter

Die deutsche Schifffahrt hat sich von einer Wachstums- zur Schrumpfbranche gewandelt. Der Standort sei aber weiter stark beim Management von Schiffen für fremde Eigentümer, hieß es auf der Jahresversammlung des Reederver... » mehr

Hamburger Hafen

07.12.2018

Deutsche Handelsflotte schrumpft weiter

Die deutsche Schifffahrt hat sich von einer Wachstums- zur Schrumpfbranche gewandelt. Der Standort sei aber weiter stark beim Management von Schiffen für fremde Eigentümer, hieß es auf der Jahresversammlung des Reederver... » mehr

Schifffahrt auf dem Rhein

09.12.2018

Binnenschiffer brauchen «mehr Wasser unter dem Kiel»

Das extreme Niedrigwasser hat 2018 Engpässe im deutschen Wasserstraßen-Netz deutlich gemacht. Die Binnenschiffer wollen unabhängiger vom Wetter werden und fordern, dringend notwendige Projekte endlich anzupacken. » mehr

Kondensstreifen

20.12.2018

Flugverkehr global im Daueraufschwung

Weltweit kennt der Luftverkehr seit Jahren nur den Steigflug. Auch für 2019 rechnen alle mit noch mehr Flügen, Fracht und Passagieren. Doch in Europa bremst mehr als nur die Unsicherheit um den Brexit. » mehr

Getreide

28.01.2019

Klöckner warnt vor «Umweltstandard-Dumping»

Die EU-Agrarförderung soll ab 2021 neu aufgestellt werden, die EU-Kommission will den Staaten mehr Freiraum geben. Doch es gibt mahnende Stimmen, dass der Umweltschutz unter die Räder kommen könnte. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Gesundheitstag in Coburg

Gesundheitstag in Coburg | 17.02.2019 Coburg
» 6 Bilder ansehen

Büttenabend in Rothenkirchen

Büttenabend in Rothenkirchen | 16.02.2019 Rothenkirchen
» 29 Bilder ansehen

Büttenabend in Kronach

Büttenabend in Kronach | 16.02.2019 Kronach
» 23 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
12. 02. 2019
11:27 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".